Erfahrungsberichte l Tansania
Weitere Erfahrungsberichte 
Famulatur in Tansania
27. 07.02 -03.10.02
(10 Wochen)
Lutheran Hospital P.O. Box 107 Marangu, Moshi Tanzania
Zahnarzt: Dr. Gaspar Mamuya
Bewerbung: direkt an ZAD, da ZAD-eigenes Projekt (Ansprechpartner bei ZAD erfragen)!
Motivation:
Eigentlich wusste ich schon zu Beginn meines Studiums, dass ich gerne eine Auslandsfamulatur machen wollte. Nur hatte ich in den vorklinischen Jahren keine Ahnung vom ZAD oder überhaupt den Möglichkeiten, die einem als Zahnmedizinstudent zur V erfiigungstehen. Vielmehr dachte ich in der ersten Zeit, dass hauptsächlich Medizinern diese Möglichkeit gegeben wird. Umso erstaunter und gleichzeitig motivierter war ich, als ich vom ZAD erfuhr -allerdings erst in meinem klinischen Studentendasein. Und es dauerte auch nicht allzu lange, da wurde ich begeisterter LEO (local exchange officer) unserer Uni in Aachen. Selber bis dato noch zu keiner Famulatur außer Landes gewesen habe ich mit immer größer werdendemInteresse die Diavorträge von anderen Famulanten auf den ZAD- Treffen verfolgt. Leider haben diese Vorträge die Eigenschaft einem das Gefühl zu vermitteln, genau da hin zu müssen. Und bei dem nächsten Vortrag genau das Gleiche... Und dann wieder das Gleiche...
Stellt sich einem letztendlich doch die schwere Frage WO will man denn nun wirklich hin - und vor allem mit wem und wie und was denn überhaupt ????? Letztendlich bestand die Motivation aus der Möglichkeit, ein völlig fremdes Land mit einer völlig anderen Kultur einmal weniger aus der touristischen Seite kennenzulernen -und gleichzeitig sicherlich wertvolle Erfahrungen zu sammeln, was das "Zahnmedizinische" angeht.
Vorbereitung :
Da wir drei (zwei Kommilitonen und ich) ziemlich früh wussten, dass wir diese Auslandserfahrung zu dritt machen wollten, haben wir unsere Bewerbungen schon 1,5 Jahre vor Famulaturantritt losgeschickt. Insgesamt haben wir 10 Länder angeschrieben; die Antworten kamen in ganz unterschiedlichen Zeitabständen: 10 Tage -2 Monate -4 Monate... und aus Tansania sogar erst nach 8 Monaten! Für mich viel die Wahlletztendlich aus finanziellen Gründen aufTansania: der Flug dorthin war günstiger als z.B. auf die Cook Inseln, die Unterkunft sollte frei sein, nur fiir Verpflegung sollte man selber sorgen. Nachdem wir die Zusage erhalten hatten, haben wir uns auch sehr schnell fiir Tansania entschieden. Danach konnten wir mit den speziellen Vorbereitungen beginnen Geder von uns hat sich um einen Aufgabenbereich gekümmert) :
1. Antrag fiir Reisekostenzuschuß zum DAAD
2. vorherige Überweisung der Kaution und Bearbeitungsgebühr an ZAD
3. Telefonate mit Famulanten, die vor uns da waren, um Informationen über eventuellen
Materialbedarf und allgemeine Tips zu bekommen 4. Sponsoren (Dentalfirmen) anschreiben wegen Spenden
5. Flugbuchen
6. notwendige Impfungen (Hep.A!B, Gelbffieber)
7. Malaria-Prophylaxe besorgen
8. Versicherung (DÄV) abschließen
9. mit Flugunternehmen sprechen wegen Spendentransport
10. diverse Arten von Spenden sammeln : sowohl Geld- als auch Materialspenden
( Blutspendedienst: Aufkleber, Kugelschreiber; Kindermissionswerk übernahm
Transportkosten des Spendenmaterials; Oxford spendete englische Fachliteratur; Kirchenkollekten fiir diverse andere Kosten; viele Freunde spendeten Kuscheltiere für
die Kinder, Sparkasse spendete Werbe-Spielsachen;...)
11. Reiseführer und Kauderwelsch-Buch ( in Tansania spricht man Suaheli!)
12. Spendenmaterial ca. 1 Woche vor Abflug am Flughafen bereits aufgegeben Tätigkeitsbeschreibung :
Im Hospital begann der Tag für uns mit dem Morgengebet (lutheranisches Krankenhaus!) um 8.00 Uhr. Mit der Patientenbehandlung haben wir daher in der Regel nicht vor 9.00 Uhr begonnen. Die Behandlungen zogen sich unter Umständen bis 16.00 Uhr hin, anschließend haben wir -statt F eierabend zu machen -oft noch bis in den späten Abend im Labor Interimsprothesen gebastelt. Es existiert ein provisorisches Labor, das mit Materialspenden aus Deutschland teilweise bestückt ist. Es war uns auf jeden Fall möglich, einigermaßen vernünftigen Interimsersatz herzustellen ( Draht, Zangen, Kunststoff, Artikulatoren und Zähne sind vorhanden). Manchmal musste ganz schön improvisiert werden, aber es ist schon erstaunlich, was man nicht alles zum Isolieren findet... In der Dental Unit haben wir hauptsächlich Amalgam- und Kunststofffiillungen gelegt. Wir waren in der glücklichen Lage, auch die ein oder andere Wurzelkanalbehandlung zu machen, denn das Krankenhaus hat ein Röntgengerät! Zwar lässt sich die Belichtungszeit nicht mehr wirklich einstellen, und man macht alles eher "nach Gefühl" -aber mit ein wenig Übung klappt das wunderbar. Durch diesen glücklichen Umstand konnten wir mehr Zähne erhalten- also weniger Zähne ziehen. Trotzdem sind wir um diese Vergnügen auch nicht herumgekommen, und jeder von uns dreien hat doch schon den ein oder anderen Zahn mehr gezogen, als unsere daheimgebliebenen Kommilitonen. Neben der Arbeit im Krankenhaus sind wir noch in drei verschiedenen Schulen in der Umgebung gewesen und haben dort große Befundaufnahmen aller Schül.er gestartet. Das hieß dann, dass pro Schule ca. drei Arbeitstage eingeplant werden mussten, um alle 400 Schüler zu befunden. Einer von uns dreien ist dann immer im Krankenhaus geblieben, währen die anderen beiden Dr . Mamuya begleiteten. Wir konnten immer sehr selbständig und eigenverantwortlich arbeiten -trotzdem war Dr. Mamuya immer zur Stelle, falls wir Fragen hatten. Allerdings hatte er letztendlich mehr Fragen als wir, wodurch es regelmäßig zu netten kleinen fachlichen Diskussionen kam. Eine super schöne Zeit, die wir dort verbracht haben...
Fachliche Ausdrücke (nur ein kleiner Eindruck):
funga mdomo -Mund schließen
fungua mdomo -Mund öffnen
panauma ? -hast du Schmerzen ?
.
Sprachprobleme mit Ärzten und Patienten
Eigentlich gab es nie größere Probleme. Obwohl Suaheli die Landessprache ist, kann man sich überall sehr gut mit Englisch verständigen. In den weiterfiihrenden Schulen wird sogar nur auf Englisch unterrichtet. Daher gab es weder im Krankenhaus noch auf der Straße oder beim Einkaufen irgendwelche Verständigungsschwierigkeiten. Falls man auf jemanden traf, der nicht so gut Englisch sprach, so konnten wir uns immer noch der Zeichensprache bedienen, bzw einige Wörter Suaheli anwenden. Trotz allem spricht nicht jeder Patient Englisch, und einige Wörter Suaheli haben die Behandlung schon vereinfacht. Bei den Fachtermini fiir die Anamnese hat Dr. Mamuya aber auch ohne weiteres übersetzt und geholfen. Man kann daher nicht wirklich von "Problemen" sprechen... Außerdem ist Suaheli eine grammatikalisch sehr einfach gestrickte Sprache, die in den Grundzügen recht schnell zu erlernen ist. Leider hatte ich dank des vorangegangenen Prothetik-Semesters nicht mehr wirklich viel Energie fiir das Erlernen dieser neuen Sprache... Schade eigentlich.
Beziehung zu den Gastgebern und Bevölkerung :
Wir sind als Gäste des Dr. Mamuya (Zahnarzt am Hospital) sehr freundlich aufgenommen worden. Man hat uns als kostenlose Unterkunft ein eigenes Haus direkt neben einem Wasserfall inmitten von Regenwald und Bananenplantagen zur Verfügung gestellt. Wir sind jederzeit lachend von en Menschen auf der Straße gegrüßt worden -so viel echte Freundlichkeit ist man aus unserer Gegend hier nicht wirklich gewohnt, das ist am Anfang schon ein wenig seltsam... Sehr schnell hatten wir den ein oder anderen Einheimischen, mit dem wir regelmäßig ein Bierchen trinken gingen. Der Tansanianer an sich ist ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Artgenosse! Das einzig Stressige waren diejenigen, die uns nur eine Safari andrehen wollten... was nach dem 20ten Flycatcher irgendwann fiir uns nicht mehr witzig, sondern eher aufdringlich war .Diese Sache war aber auch die einzig klitzekleine negative Erfahrung mit diesem Safari-Unternehmer-Bevölkerungsanteil des Landes. Aber letztendlich wissen wir ja auch, dass diese Leute nur versuchen, zu überleben. Wurden die Erwartungen erfüllt ?
Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfiillt, sondern noch ziemlich weit übertroffen! Es war genau das richtige Maß an Arbeit -nicht zu viel, aber auch nicht zu langweilig. Wir konnten uns die Zeit selber einteilen. Die Menschen haben sich mit einer solchen Herzlichkeit und Freundlichkeit um uns gekümmert, die wir kaum erwartet hatten. Das Land an sich hat alle unsere kühnsten Träume wahr werden lassen. Eigentlich hatten wir uns vorher nicht sonderlich viele Gedanken gemacht über das, was uns das Land um die Dental Unit denn noch so zu bieten hatte... Wir durften quasi vor Ort feststellen, dass Tansania aufseine Weise ein Land der Superlative ist : Das Krankenhaus liegt am Fuße des Kilimanjaro (2ooo Höhenmeter), eine Bestetigung des 6000er Giganten beschert einem in 5 Tagen unglaubliche Natureindrücke mit Gletschern und den Eindrücken aus den verschiedensten Vegetationsstufen... Eine mehrtägige Safari führt einen auf den Spuren von Grzimek durch die Serengeti und den Ngorongoro-Krater. Alle wilden Tiere Afrikas spazieren wenige Meter an einem vorbei... .
Zum guten Abschluß kann man im Taucherparadies vor Sansibar nach Walen Ausschau halten, oder sich einfach nur tagelang am Strand von Kokusnüssen und frischem Fisch ernähren. Aber dies ist kein Reiseunternehmen, vergesst das nicht ;- )
Art und Kosten der Unterkunft : .kostenlos, da vom Krankenhaus .eigenes Haus zu dritt : Steinfußboden, Küche mit Herd und teilweise Strom (...), Bad, Wohn- und Esszimmer sowie drei getrennte Schlafzimmer.
Kosten der Verpflegung : .zweimal in der Woche war Markt in Marangu (super frisches Gemüse !) .p.P. und Woche ca. 30 Euro (incl. gaaaaanz viele Kneipengänge, Bier: 50cent/l) Sonstige Kosten :
.Hin- und Rückreise: 1000 Euro (minus 350 Euro Reisekostenzuschuß)
.Safari (5 Tage) : 450 Euro
.Kilimanjaro-Besteigung (5Tage) : 450 Euro
Verkehrsanbindungen :
.Dalladalla (VW-Bus) nach Moshi
.Landesübliche Reisebusse nach Arusha und Dar es Salam
.Flug von Brüssel/Amsterdam mit KLM nach Kilimanjaro Airport
Devisen / Visa :
.Reiseschecks am besten in USD
.Reiseschecks können in Moshi (nächste Stadt mit Bank !) eingetauscht werden
.VISA nur bei bestimmten Banken einsetzbar
.Auf Sansibar gibt es keine Bank fiir die VISA-card! Nur Tourismus-Wechsel zu
höchsten Gebühren !
Bei Fragen stehe ichjederzeit zur Verfügung :
Nicole Minkenberg Trichtergasse 22 52064 Aachen
Tel.: 0241- 874215
e-mail: nicole-minkenberg@hotmail.com
.
(C) Zahnmedizinischer Austauschdienst, www.zad-online.com, zuletzt geändert 06/30/2008