Famulaturbericht vom 25.01.2016 in Chile

2012: Chile

Famulaturbericht 

Von Regina Gather

8. Semester – Zahnmedizin

Juli bis Oktober 2012

 

Universität Deutschland: Georg-August-Universität Göttingen

Famulaturland: Chile (Temuco)

Zeitraum: 25.Juli – 08.Oktober (10 Wochen)

Um einmal über den Tellerrand hinausschauen, sich persönlich und fachlich weiterentwickeln zu können entschied ich mich, eine Famulatur in einem mir noch unbekannten Land zu unternehmen. Ich wollte erleben, wie in anderen Universitäten Zahnmedizin praktiziert und gelehrt wird oder das Gesundheitssystem aufgebaut ist. Außerdem wollte ich eine andere Sprache und Kultur kennen und verstehen lernen.

Durch den Kontakt und die Kooperation von einem an meiner Universität tätigen Professors nach Chile, wurde die weitere Organisation vereinfacht. Über ihn war es leicht, Kontakt zu dem Ansprechpartner in Chile

Prof. Ramón Fuentes

Facultad de Medicina

Universidad de la Frontera

Claro Solar 115

Temuco – Chile

rfuentes@ufro.cl

aufzunehmen.

Als vorbereitende Maßnahmen, habe ich mich mit der Landessprache beschäftigt. Des Weiteren ist die Auseinandersetzung mit dem fachlichen zahnmedizinischen Vokabular im Vorfeld sehr hilfreich. Ein guter Reiseführer ist für die Reise (ich lege den „Lonely Planet“ jedem warm ans Herz) unentbehrlich. Vor der Reise kann man sich schon um eine Unterkunft kümmern. Hier bietet es sich an, in Gastfamilien zu wohnen, was in Chile sehr gut möglich ist. Dadurch ist man mitten im Leben eines Chilenen und kann die Sprache im Alltag praktizieren und erlernen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit meiner Gastfamilie gemacht, deren Tochter auch Zahnmedizin studiert. Den Kontakt konnte ich über Chilenen, die für vier Monate kurz vor meiner Reise in Göttingen einen Teil ihres praktischen Jahres absolviert haben, herstellen. Ich wurde sehr gut umsorgt und herzlichst aufgenommen. Gastfreundlichkeit scheint den Chilenen sehr wichtig zu sein, denn man wird auch von scheinbar „fremden“ Menschen spontan auf einen Kaffee eingeladen.

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In der Universität gab es auch deutsche Ansprechpartner, die nie darum verlegen waren, uns weitere Kontakte zu vermitteln oder uns vorzustellen. Auch sehr gerne haben sie ihre Arbeiten vorgeführt und die Zusammenhänge und Besonderheiten erläutert.

Die primäre zahnärztliche Versorgung von abseits auf dem Land lebenden Menschen wird durch sogenannte „Clínical dental móvils“ abgedeckt. Dies sind kleine Busse, die mit einem zahnärztlichen Behandlungsstuhl samt notwendiger Ausrüstung ausgestattet sind. Dort werden Extraktionen und Füllungen durchgeführt. Ich bin mit einem solchen Bus in Villarrica zu den Menschen auf das Land gefahren, was wirklich sehr interessant war. Den ein oder anderen Zahn durfte ich dort auch entfernen.

Weitere Einblicke konnte man in privaten Praxen und „Consultorien“ erlangen, während man bei Operationen assistiert oder im 5. Jahr bei prothetischen Behandlungen der Studenten zusehen konnte.

Die Ausbildung unterscheidet sich von der in Deutschland zum einen darin, dass die Studenten nach 5 Jahren Studium ein weiteres praktisches Jahr vollziehen müssen, sie also insgesamt 6 Jahre studieren. Außerdem ist das Verhältnis von Theorie und Praxis unterschiedlich. Es gibt weniger theoretischen Unterricht, dafür viel mehr praktische Tätigkeiten im Bereich der Zahnextraktion und der Anzahl der gelegten Füllungen.

Durch die recht günstigen Busverbindungen durch das ganze Land kann man – auch über Nacht – sehr einfach das Land bereisen, was auch unbedingt in Anspruch genommen werden sollte. Besonders beeindruckend ist die Atacama-Wüste im Norden oder die rauchenden Vulkane, die im Land verteilt sind. Auch der ein oder andere Abstecher mit einem Flugzeug (Lan-Air-Pass) beispielsweise auf die Osterinsel lohnt sich sehr, wenn zu den Hobbys abenteuerliches Surfen oder wildes Erkunden einer Insel hoch zu Ross gehört.

Aus dieser Famulatur habe ich viele unterschiedliche sehr wertvolle Erfahrungen für meinen weiteren Lebensweg mitgenommen. Im nächsten Jahr kommen weitere Chilenen, die wir dort kennengelernt haben, zu uns an die Universität nach Deutschland. Ich möchte mich bemühen, ihnen auch einen tollen Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

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Nun möchte ich mich noch ganz herzlich bei dem DAAD und ZAD, ganz besonders bei Frau Doris Bungartz bedanken, die einem stets freundlich bei der Vorbereitung mit Rat und Tat zur Seite stand.

Regina Gather