Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Bolivien

Erste Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Isla del Sol im Titicaca See
Organisation und Kontakt:
Projekt „RATON PEREZ“,
siehe www.ratonperez.de bzw. http://dentists-fuer-bolivien.de/
Dentist-and-friends helping hands e.V.
Wilhelm-Hey-Str. 14
81243 München
+49 (0) 89 8367
E-Mail: info@dentists-and-friends.de
Ansprechpartnerin in Deutschland:
Dr. Annette Schoof-Hosemann
Obere Stabstr.10
76534 Baden- Baden
Tel.: 07223 959540
Mobil: 0179 4306367

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
5 Monate vor Reisebeginn wurde die Angelegenheit bzgl. des Reisekostenzuschuss des ZAD sowie DAAD angegangen.
3 Monate vor Reisebeginn startete die Organisation wie z. B. Anschreiben versenden, Informationen über das Reiseland sammeln, Flug buchen, Impfungen koordinieren (Gelbfieberimpfung), Reisegepäck sichten sowie Sprachvorbereitungen. Unterkunft und Transfer innerhalb von Bolivien erfolgte durch HI (Hostelling International).

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Nein. In Bolivien erhält man bei Einreise einen Stempel mit Datum in den Reisepass und einen kleinen Zettel (den man gut für die Ausreise aufbewahren muss! Bei Verlust zahlt man eine kleine Strafgebühr) der einem 30 Tage Aufenthalt gewährt. Möchte man länger bleiben muss man in LaPaz auf die Emigration („?Donde es la emigracion?“) (leicht zu finden, mitten im Stadtzentrum und man bekommt eigentlich in jedem Hostel einen Stadtplan wo sie einem die emigracion einzeichnen).
Dort erhält man kostenfrei und problemlos einen oder auch zwei weitere Stempel. Alternativ könnte man das Land nach Peru (Bus nach Puno) verlassen und wieder neu einreisen.
Manchmal möchte der Zoll, laut Botschaft, die Vorlage des Impfpasses mit einer Gelbfieberimpfung einsehen. In diesem Fall wurde es nicht verlangt.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
In diesem Fall gab es keine Probleme. Air Europa fliegt für ca. 900 €- 1000 € (Hin- und Rückflug) über Madrid nach Santa Cruz. Von dort aus geht es mit dem Flugzeug (Busverbindung ist schlecht, da gebirgsreiche Landschaft) nach Sucre. Die Flugdauer beträgt ca 1,5h für ca. 60  - 100 € bei BoA-Bolivien Airlines, die ganztägig ca alle 1 - 2 h fliegen. Die Buchung ist einfach über z. B. Skyscanner.de und mit z. B. Visa/MasterCard möglich.
Bei Einreise erhält man im Flugzeug zwei Zettel die man ausfüllen muss. Dies sind Ja/Nein Fragen. Die Flugbegleiter helfen gerne. In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.
Einige Famulaten konnten die Materialien auch vor Ort besorgen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Gutes Spanisch ist sehr von Vorteil. Die Famulantin ist ohne Spanischkenntnisse angereist und hat nur das zahnärztliche Vokabular auswendig gelernt, plus ca. sechs Sprachstunden in Sucre. Die Verständigung mit Erwachsenen war ok (manchmal mit Händen und Füßen). Bei den Kindern wären bessere Kenntnisse von Vorteil gewesen, um sie zu überzeugen sowie zu beruhigen, um dadurch Füllungen machen zu können. Zudem hätte die Technik des Zähneputzens besser erklärt werden können, aber "zeigen" geht auch.
Es gibt keinen Übersetzer vor Ort, man ist auf sich allein gestellt.
Der Besitzer des Hostels spricht Englisch. Er fungiert als Ansprechpartner für organisatorische Fragen vor Ort.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Zahnstation befindet sich im Dorf "Challa". Isla del Sol.
Die Famulantin berichtet, dass ihr Aufgabenfeld zahnärztliche Behandlungen im konservativen Bereich umfasste. 70% Erwachsene und 30% Kinder. Das heißt, hauptsächlich Füllungen und Extraktionen oder Zahnreinigungen. Keine Endos oder Prothetik. Außerdem Aufklärungsarbeit und Fluoridierung für die Kinder. Konkret: Zucker schadet den Zähnen, mind.2x am Tag putzen, wie putzt man, Zahnbürsten verschenken. 
Zur Ausstattung gehört ein relativ moderner Behandlungsstuhl. Die zahnärztliche Einheit funktioniert teilweise. Der große Sauger geht nicht und der kleine manchmal. Zu manchen Zeiten gibt es kein fliessendes Wasser auf der Insel.
Die Öffnungszeiten wurden auf 9:00 Uhr - 12:00 Uhr sowie 15:00 Uhr - 18:00 Uhr festgelegt. Bei den Patienten handelte es sich um die Dorfbewohner und die Bewohner der Nachbardörfer. Meistens kamen die Patienten bei akuten Schmerzen, aber manchmal auch, wenn ihnen z. B. im Frontzahnbereich Karies aufgefallen ist. Die Dorfbewohner zeigten sich meist sehr kooperativ und dankbar.
Station in Santa Cruz: 
Eher kleines Zimmer in einem Kinderhort, zu 70% Behandlung von Kindern, gute Ausstattung, Füllungen, Extraktionen, Fluoridierungen möglich.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Hin- und Rücklug: ca. 1.000 €
Impfungen: ca. 500 €
Unterkunft und Verpflegung: ca. 500 €
Kleines Kostenbeispiel: Zwei Liter Wasserflaschen: 9 Bolivianos, also ca 1,10 €.
Zudem eine Woche Reisen im Vorraus/Anschluss durch Bolivien mit jeglichem Transport, Hostel und Eintritt für ca. 300 €.
(Angebot von Max Steiner, Vorsitzender von Hostelling International, der mit Dr. Anette Schoof-Hosemann zusammenarbeitet und für organisatorische Dinge und Unterkunft zuständig ist. Sehr zu empfehlen!)

Preis-Beispiel (2018): 1200 Euro Unterkunft für 6 Wochen (inkl. Salz- und Silbertour, Frühstück, Inlandsflügen /Transfer, z.T. Halbpension), 500 Euro für Extratouren am Wochenende und Essen

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Impfungen können beim Tropeninstitut oder in der Missioklinik (etwas günstiger) angrefragt werden. Wenn man im zahnärztlichen Bereich tätig ist, empfehlen sich u. a. Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Hep. A und Meningokokken (bitte vor Ort informieren lassen). Die Impfstoffe selber sind relativ teuer und müssen teilweise in wöchentlichen Abständen verabreicht werden, deshalb früh genug vor Abreise darum kümmern. Nur manche Krankenkassen erstatten die Kosten, es lohnt sich aber immer nachzufragen.
Sucre liegt auf ca. 2800m Höhe und eignet sich bzgl. der Höhenluft daher für ein paar Tage zur Akklimatisation und um evtl. einen Sprachkurs zu machen (sehr nette Sprachlehrerin dort von HI organisiert).
Isla del Sol: Das Klima auf 3800m Höhe ist etwas extremer. Tagsüber ist die Sonne sehr stark (teilweise Sonnenbrand trotz Sonnencreme 50+). Also Sonnencreme und Sonnenhut!
Nachts eher kühl und schlechte Dämmung im Hostel (+/- 10°C im Sept/Okt). Daher dicke Schlafsäcke und eine gute (Daunen)Jacke sowie Fleecepullis sehr zu empfehlen.
Anfangs oder Zwischendurch kann es durch die Höhe zur leichten Höhenkrankheit kommen. Man ist anfälliger für
Magenverstimmungen (food poisson). Der Körper braucht mind. 2-3 Tage um sich an die Höhe anzupassen (es bilden sich neue rote Blutkörperchen). Anfangs löst leichte Bewegung starke Atmung aus und evt. Kopfschmerzen. Hilfreich ist viel gekauftes Wasser und kein Leitungswasser zu trinken. Vor allem "mate de coca" - Tee aus Blättern des Cocastrauchs - sowie "sarochji pills" - Aspirin und Cocapulvermix - aus der Apotheke sind empfehlenswert.

Zum Abschluss…
"Eine Woche zusätzliche Reise in Bolivien einplanen und unbedingt die Salar der Uyuni besuchen (unglaubliche Natur!!!) und sich in Potosi die Goldminen anschauen."
"Wirklich sehr zu empfehlen! Es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert und wir werden die Zeit in Bolivien nie wieder in unserem ganzen Leben vergessen!"

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Zweite Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Sucre (und umliegende Dörfer)
Organisation und Kontakt:
Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.)
c/o Dr. Ekkehart Schlichtenhorst, Wasserburger Str. 29,
88149 Nonnenhorn
Tel.: 08382-8486
E-Mail: info@fcsm.org

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Zwei bis vier Monate.
Organisation: Sehr wenig. Flüge mussten gebucht werden bis zum Zielort Sucre. Vor Ort wurden die Famulanten durch den Organisator Dr. Schlichtenhorst abgeholt. Für die Unterkünfte & Verpflegung kam die Organisation auf. Versicherungsschutz: über die Apotheker & Ärztebank
Flug: mit Air Europa von Frankfurt über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra. Von dort aus weiter mit BoA nach Sucre (ca 1200 Euro). Impfung: Gelbfieberimpfung, Hep A, Typhus sollte gemacht werden.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Es wird kein Visum benötigt. Bei der Einreise erhält man für 30 Tage einen Stempel mit Datum. Dieser kann zweimal auf dann insgesamt 90 Tage verlängert werden.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Eine Famulantin reiste mit AirEuropa von Frankfurt nach Santa Cruz und dann mit der Fluggesellschaft BoA (Boliviana de Aviacion) nach Sucre. Hinsichtlich des Zolls sowie Spenden, einfach den "Touristen" geben.
Spenden: Durch die Famulanten nicht so organisieren. Die Organisation schickt dem Famulanten kurz vor Abflug ein kleines Paket zu, welches im aufzugebenden Gepäck zu verstauen ist. Am Ankunftsflughafen Santa Cruz de la Sierra gab es keinerlei Probleme
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig. Herr Dr. Ekkehart Schlichtenhorst ist ggf. ebenfalls vor Ort und kann z. T. mit übersetzen. Die Organisation stellt zwar online ein Mini-Wörterbuch an Zahnmedizin-Behandlungs-Spanisch zur Verfügung, aber Alltagskommunikation sollte in Grundzügen vorhanden sein. Die Organisation empfiehlt ansonsten einen 3wöchigen Vorab-Spanischkurs in Cochabamba in einer Partner-Spanischschule.
Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten berichten, dass ihr Aufgabenfeld sich hauptsächlich auf okklusale Kompositfüllungen an 6ern bezog. Seltener gab es aproximale Karies an den Seitenzähnen. Auch Frontzahnfüllungen und Extraktionen von Wurzelresten oder von tief zerstörten Zähnen wurden durchgeführt. Ein gängiges Phänomen waren Wurzelreste bleibender UK 6er und viel Karies. Zahnreinigungen waren ebenfalls im Repertoire, sogar mit Schallgerät. Zudem natürlich der generell wichtigen Mission: Prophylaxe, gemeinsames Zähneputzen mit geschenkten Zahnbürsten.
Behandelt wurden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren.
Die Ausstattung, sogar in doppelter Ausführung, waren wie folgt: mobile Einheit mit Turbine, Winkelstück und Luft-Wasser-Bläser. Hinzu kommen mobile Absaugung, allerhand Instrumente, Verbrauchsmaterialien, Patientenstuhl, Behandlerstuhl und ein Autoklav.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Beim Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.) behandelt man gegen Kost und Logis. In Sucre werdet ihr im Corona Real Hostal nahe am Terminal untergebracht sein. Je nachdem wie euer Einsatzplan aussieht, werdet Ihr weitere Dörfer, wie z. B. das kleine Bergdorf und Internat "Pitantorilla" besuchen sowie nächtigen.
Die Flüge kosteten ca. 1.200 - 1.400 €.
Unterkunft: Für Ausflüge am Wochenende pro Tag ca 8,00 €
Ausflüge: organisierte 2 Tages-Ausflüge ca. 50-80 € insgesamt (inkl. Verpflegung, Hostel)
Essen: ist nur am Wochenende selbst zu finanzieren (ca. 7 € pro Tag)
Busfahrt in der Stadt: 0,70 €

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Viel Elektrolytlösung mitnehmen und „Fernet Branca“ heilt jede Magenverstimmung.
Für eine ausreichende Kommunikation empfiehlt es sich allen Bewerbern vorab mit der spanischen Sprache vertraut zu machen, da sie als direkter Schlüssel zu den Patienten gilt. Selbst ein Volkshochschulkurs A1 kann vorab schon gut helfen, einfache Kommunikation mit der Bevölkerung zu betreiben. Zwei Handtücher sind besser als eins. Kaffee gibt es in Dörfern kaum zu kaufen, besser aus den Städten mitnehmen.

Zum Abschluss…
"Nach fünf Wochen konnten wir danach froh und stolz unsere wohl verdiente Reise durch Bolivien und Peru antreten".
"
Sechs unvergessliche Wochen lagen hinter mir: Vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, schönen Momenten und auch Anstrengungen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich mit dem FCSM machen durfte und die Freundschaften, die entstanden sind.".




Famulaturbericht vom 18.10.2017 in Bolivien

2015: Bolivien

Von: Kai Becker (Uni Hamburg)
Organisation: FCSM
Zeitraum: 24.08.2015 - 18.09.2015

Wenn dich als Zahnmedizinstudent in Deutschland während der langen Kliniktage das Fernweh plagt, gibt es zum Glück eine hervorragende Lösung: Du machst eine Famulatur. Meine Boxpartnerin Britta und mich hat es diesen Sommer nach Bolivien gezogen. Für den Förderkreis Clinica Santa Maria e. V. (FCSM), eine kleine deutsche rein zahnärztliche Hilfsorgansisation, haben wir vier Wochen in der Region Chuquisaca rund um die ziemlich kleine Landeshauptstadt Sucre gearbeitet.

Wir, das sind zwei Zahnmedizinstudenten der Universität Hamburg nach dem 8. Semester und eine junge Zahnärztin, Mila, die vor einem Jahr in Göttingen Examen gemacht hat und jetzt zwischen zwei Praxisanstellungen ihren Urlaub für das Projekt „Bolivia movil“ einsetzt. Mobil deshalb, weil wir unsere gesamte Ausrüstung für eine einfache Zahnarztpraxis in Kisten und Werkzeugkoffern auf einem Pickup dabei hatten. Unser Einsatzgebiet waren abgelegene Internate, in denen die Schüler ohne unser mobiles Team sonst oft keinen Zugang zu zahnärztlicher Versorgung hätten.

 

In Bolivien war die Hilfsorganisation Fe Y Alegria, die auch die Internados betreut, unser Organisator. Sie stellte auch unseren Koordinator und Fahrer Edwin und unser Quartier in der Kleinststadt Zudañez (ca. 4.000 Einwohnern). Von Sonntagabend bis Freitag nach dem Behandeln war das unser Zuhause, wobei Haus zu viel gesagt ist, denn es fehlte die Einrichtung und Küche oder Kühlschrank. Außer einfachen Pritschen mit Wolldecken und einer Art Picknickbankgarnitur war nichts vorhanden,. Meistens gab es Strom, und der wurde gebraucht, um abend nach dem Behandeln uns

eren mobilen Sterilisator in Betrieb zu setzen.. Auch fürs Duschen war man auf Strom angewiesen, um den am Duschkopf befindlichen Durchlauferhitzer zur Arbeit zu bewegen, was manchmal gelang.

 

Rückblickend ist es erstaunlich, wie schnell man sich an solche Verhältnisse gewöhnt. Die Kinder, die wir in den Internados behandelt haben, schliefen auf den gleichen Betten wie wir. Mittags aßen wir mit ihnen das gleiche Essen und zum Frühstück gab es auch für uns nur Pan (Weißbrot). Je nachdem wie viele Tage alt es war (es wurde nur einmal in der Woche gebacken) war es genießbar bis steinhart. In den ersten Tagen erschien uns Bolivien einfach nur bitter arm, doch schon bald waren wir dankbar für die Erfahrung, wie gut es uns in Deutschland geht - aber auch mit was für einem Überfluss wir uns das Leben schwer machen.

Aber nun der Reihe nach. Erstmal ankommen. Die Hinreise war für Britta und mich eine halbe Weltreise.: Hamburg - London - Miami - La Paz - Sucre. Die letzte Etappe (ca. 200km Luftlinie) erfolgte ungeplanterweise mit einem Inlandsflug der bolivianischen Fluggesellschaft BOA, für die Strecke von La Paz nach Sucre hätten wir sonst eine Nacht im Bus gebraucht. Gebucht hatten wir zwei Stunden vor dem Abflug in La Paz. Für 50€ p.P flogen wir mit einer 737, die innen noch die Farben von Air New Zealand trug. ca. 40 Minuten über die Landschaftsformation, die Bolivien wohl am meisten auszeichnet: Hohe Berge und tiefe Schluchten so weit das Auge reicht: die Kordilleren, in Bolivien bis zu 6.500m hoch.

 

In Sucre befindet sich das Hostel International: Das ist nicht nur eine Jugendherberge sondern das Basiscamp für etliche deutsche „Voluntarios“, die mit „weltwärts“ 6 bis 12 Monate in Bolivien verbringen. Der FCSM hat sich dieser Infrastruktur angeschlossen und lagert im Hostel auch die Ausrüstung. Drei Stunden nach unserer Ankunft am Sonntag ging es für Mila, Britta und mich vom Hostel aus weiter nach Zudañez. Hinten auf dem Pickup verladen: Eine Behandlungspritsche, zwei „Einheiten“, d. H. große Hartschalenkoffer mit der Technik zum Betrieb von Sprayvit, Turbine und Winkelstück, Instrumente und alle Verbrauchsmaterialien, die wir für unsere Aufgabe brauchen würden. Es handelte sich zum großen Teil um Spenden von Praxen und Dentaldepots aus Deutschland. Nicht mit dabei: Unser Gepäck. Das war noch in Miami.

 

Mit Sonnenuntergang und Einbruch der Kälte (ca. 4°C) kamen wir in Zudañez an. Viel auszupacken gab es ja nicht für uns, also machten wir uns alsbald mit den Möglichkeiten vertraut, in der Stadt etwas zu Essen zu finden. Pollo con Arroz y Papas fritas. und Cerveza. Das musste an Abwechslung für drei Wochen reichen, man kann das Pollo ja durchaus unterschiedlich zubereiten. Müde von der Reise und mit dem Wecker auf kurz nach 7 Uhr gestellt führte der Weg nach dem Essen ziemlich schnell ins Bett.

In den nächsten drei Wochen haben wir in 5 Internados gearbeitet. Wir behandelten täglich zwischen 20 und 40 Patienten, überwiegend Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren, manchmal auch jüngere Geschwister oder die Lehrer. Von der einfachen Fissurenversiegelung bis zur komplizierten Füllung und vom Entfernen kleiner Milchzahnreste bis zur schwierigen Bergung von Wurzelresten hatten wir ein breites Behandlungsspektrum. Allerdings waren ohne Röntgen keine Endos an mehrwurzligen Zähnen möglich und ohne Labor im Hintergrund auch keine Prothetik.

 

Die Dankbarkeit der jungen Patienten, die für uns unvorstellbar schlecht gepflegte Zähne hatten, war eine schöne Kompensation für unsere langen Arbeitstage, die oft bis zum Sonnenuntergang dauerten.

Die Wochenenden standen uns zur freien Verfügung. Allerdings sind wir meist schon am Sonntagabend zum nächsten Einsatzort aufgebrochen. Zum Kennenlernen der sehenswerten Stadt Sucre und für eine Dreitagestour in und um die Salzwüste Salar de Uyuni hat es trotzdem gereicht. Wer mehr von Bolivien sehen will, sollte unbedingt vor- oder nachher noch etwas Zeit einplanen. Britta und ich hatten nur 9 Tage übrig. Nach den Wochen im Gebirge hatten wir eine große Sehnsucht nach Strand und Meer. Deshalb sind wir nach Rio de Janeiro geflogen, das von Santa Cruz über Sao Paolo erreichbar ist.

 

Wir danken dem FCSM und speziell Dr. Ekkehard Schlichtenhorst, uns diese Famulaturen ermöglicht zu haben. Wir danken auch den Firmen Pluradent, GABA und TEPE für ihre Spenden, durch die die Kinder auch nach unserer Abreise ihre Zähne pflegen können. Allen Lesern, die überlegen eine Famulatur zu machen, kann ich diese sehr empfehlen. Gesamtwertung für diese vom FCSM ermöglichte Famulatur: 5 von 5 Sternen