Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Samoa

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Samoa, Apia
Organisation und Kontakt:
National Health Services Samoa
Ansprechpartner vor Ort:
Mr. Sale Fau (Klinikdirektor)
E-Mail: salef@nhs.gov.w‬s

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Einige Famulanten starteten ihre Vorbereitungen bereits ein Jahr zuvor.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Ein Visum wird nicht benötigt. Der Reisepass reicht aus.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Singapore Airlines hat einen zusätzlichen Koffer mit Spenden pro Person kostenfrei zugelassen. Der Zoll auf Samoa muss vor Anreise über Zollfreiheit informiert werden (am besten in Absprache mit der Klinik).
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Es ist von Vorteil fließend Englisch zu sprechen.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die vier Famulanten vereinbarten mit der Klinikchefin, dass immer zwei im Hauptkrankenhaus und die beiden anderen in den Dental schools praktizieren würden. An beiden Orten konnten sie eindrucksvolle Erfahrungen sammeln.
Überwiegend bestand die tägliche Arbeit aus Zahnextraktionen bei Patienten aller Altersgruppen. Diese unterscheiden sich jedoch erheblich von den Extraktionen in Deutschland. So gut wie nie wird die Gingiva zuvor vom Zahn abgelöst, die Alveole wird nach der Extraktion nicht gesäubert und auch MAV ist eher ein Fremdwort. Beim Behandeln wurde ihnen völlig freie Hand gelassen. In schwierigen Fällen konnte man immer die Ärzte oder die Chefin um Hilfe bitten.
Endos wurden nur ganz selten und nur bei bestimmten Patienten vorgenommen, denn nur die wenigsten brachten überhaupt die Motivation auf, noch ein zweites Mal wegen einer Behandlung ins Krankenhaus zu kommen. Andere Versorgungen, wie z. B. Kronen oder Brücken wurden gar nicht erst in Erwägung gezogen.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Flug: 1.750 €
Unterkunft: 300 €/Monat
Lebenserhaltungkosten: 500/Monat

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Um Probleme bei der Einreise zu vermeiden, unbedingt alle wichtigen Formulare vorab dem Zoll zukommen lassen.
Wichtige Dinge wie z. B. eine offizielle Arbeitserlaubnis vorab mit der Klinik klären.

Zum Abschluss…
"Unsere Famulatur war für uns ein sehr einschneidendes Erlebnis, wobei wir unendlich viele Erfahrungen im medizinischen Bereich, aber auch in anderen Lebenslagen gesammelt haben. "


Famulaturbericht vom 13.04.2017 in Samoa

2016: Samoa

Von: Lorena Kielmann (Uni Aachen)
Organisation: National Health Services Samoa
Zeitraum: 22.02.2016 - 21.03.2016

Unsere Famulatur auf Samoa begann mit einer 36 stündigen langen Reise von Frankfurt über Singapur und Auckland bis nach Apia.

Großzügigerweise gewährte uns dann Singapore Airlines und Air New Zealand pro Person ein zusätzlich freies Gepäckstück, so dass wir nicht nur unser Gepäck sondern auch noch zusätzliche 4 Koffer mit Spenden problemlos transportieren konnten.

 

Völlig übermüdet und mit einer Zeitverschiebung von 13 Stunden landeten wir während eines Unwetters in Apia. Allerdings ließ uns der Migrations Officer nicht passieren, da wir keine offizielle Arbeitserlaubnis vorlegen konnten. Jeder von uns sollte  300$ Tala, umgerechnet 100€, zahlen. Wir weigerten uns zunächst, da uns die Klinik per Mail zusagt hatte, dass die Famulatur kostenlos sei. Nach längeren Diskussionen mit dem Officer versprachen wir, mit dem Krankenhauses zu reden und nach dem Wochenende das Immigrationsbüro nochmals aufzusuchen.


Nun mussten wir noch mit den Spenden durch den Zoll, was ebenfalls nicht problemlos ablief. Wir legten ein Formular vom Krankenhaus vor in dem erklärt wurde, dass es sich um unverkäufliche Spenden handelt. Die Zollbeamten klärten uns jedoch darüber auf, dass wir schon im Vorhinein das Formular mit der Ankündigung dem Zoll hätten zukommen lassen sollen. Man muss aber leider auch festhalten, dass unser Formular nicht professionell aufgesetzt wurde. Es fehlten die Hälfte unserer Namen und auch eine notwendige  Absprache zwischen Zoll und Krankenhaus hatte nicht stattgefunden.
 Da wir nach der anstrengenden Reise aber alle zu müde waren, um lange zu diskutieren, erklärten wir den Zollbeamten, dass wir am Montag noch einmal kämen, um mit dem Immigrations-Officer zu reden. So durften wir endlich passieren.



 

Nun erkundeten wir 2 Tage lang die Hauptstadt Apia und am Montag, unserem ersten Arbeitstag, stand der erste Besuch in der Klinik an. 
Dr. Sale Fau, Chef der Zahnklinik und unser Kontaktmann, empfing uns freundlich und führte uns durch die Klinik.
 Er wunderte sich sehr über die Aufforderung des Immigrations-Officers und versprach uns, die Angelegenheit zu regeln. Vorher war uns leider nicht erlaubt auf Samoa zu arbeiten.

Am Dienstag hatten wir dann unseren ersten offiziellen Arbeitstag. 
Mit einem jungen Arzt der in Neuseeland studiert hatte, fuhren wir zu drei  'Dental Schools', in denen wir in den kommenden Wochen aushelfen sollten. Und wir besuchten ein District Hospital, das ca. 1 h von der Hauptstadt entfernt lag.



 

Im Hauptkrankenhaus in Apia wurden unsere Erwartungen bezüglich der medizinischen Ausstattung allerdings übertroffen. Vor unserem Reiseantritt haben wir in einem älteren Famulaturbericht über Samoa gelesen, dass nur wenige  Materialien und auch essentielle Sachen wie z.B. Winkelstücke selten vorhanden waren. Dem war nicht so. Die Ausstattung des Krankenhauses hatte sich in den letzten Jahren augenscheinlich sehr gebessert. Dies begründet sich jedoch auf viele Spenden, wie z.B. der Bus, der von der türkischen Regierung kostenlos bereitgestellt wurde.

 

Mit diesem fahren die Zahnärzte regelmäßig in die umliegenden Dörfer. Außerdem erfuhren wir, dass manche der Behandlungsstühle aus Japan gespendet wurden.

 

Als wir aber am ersten Tag in eines der Krankenhäuser in einem Dorf fuhren, wurden wir wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das Behandlungszimmer war ein leerer Raum, in dem nur ein alter Plastikstuhl stand. Materialien gab es keine. Nur eine Kiste mit sterilisierten Zangen, die aber hatten wir aus dem Hauptkrankenhaus mitgebracht.

 

An diesem Tag kamen nur wenige Patienten, sodass wir die Chance hatten, uns mit einem der Zahnärzte über das Land zu unterhalten. Er erzählte uns, dass es hier nach seinen Angaben keine infektiösen Erkrankungen wie Hepatitis und HIV gibt und auch die Krebsrate sehr niedrig sei. Allerdings müsse man auf Samoa sehr auf die Blutzuckerwerte achten, die auch vor jeder Behandlung bestimmt wurden. Denn ein Großteil der Bevölkerung ist übergewichtig und leidet an Diabetes. Leider ist die medizinische Versorgung unzureichend und die Einwohner haben nicht die finanziellen Mittel, um sich vernünftig einstellen zu lassen, sodass bei vielen vor der Zahnextraktion Insulin gespritzt werden muss, um die Blutzuckerwerte auf einen normalen Wert zu führen.

Wir vereinbarten mit der Klinikchefin, dass in den nächsten Tagen immer zwei im Hauptkrankenhaus und die beiden anderen in den Dental schools praktizieren würden. An beiden Orten konnten wir eindrucksvolle Erfahrungen sammeln.

 

Im Hauptkrankenhaus haben wir anfänglich überwiegend im „Surgeryroom“ gearbeitet. Hier wurden Kieferbrüche geschient aber auch Zähne extrahiert und Endos gemacht. Daneben gab es noch einen Raum nur für Extraktionen und einen für Füllungen. Überwiegend bestand unsere tägliche Arbeit aus Zahnextraktionen bei Patienten aller Altersgruppen. Diese unterscheiden sich jedoch erheblich von den Extraktionen in Deutschland. So gut wie nie wird die Gingiva zuvor vom Zahn abgelöst, die Alveole wird nach der Extraktion nicht gesäubert und auch MAV ist eher ein Fremdwort. Wenn dann mal eine Wurzelspitze abbricht, wird zwar versucht diese noch aus der Alveole zu bekommen, falls sich das aber als zu kompliziert erweist, bleibt sie drin. Eigentlich dürfen auf Samoa nur ausgebildete Zahnärzte Zähne extrahieren. Bei unserer Ankunft wurde uns aber direkt mitgeteilt, dass die Helferinnen die eigentlichen Extraktionsprofis sind. Geröntgt wurde auf einem Stuhl ohne jeglichen Schutz, direkt neben den anderen Behandlungsstühlen, wobei die Qualität des Röntgenbilder meist nicht gut und ab zu auch mal der gewünschte Zahn gar nicht auf dem Bild war. Beim Behandeln wurde uns völlig freie Hand gelassen, wir konnten aber in schwierigen Fällen immer die Ärzte oder die Chefin um Hilfe bitten.

 

Die Patienten unterscheiden sich auf Samoa sehr stark von der Patientenklientel, die wir aus Deutschland gewohnt waren. Entscheidend ist hier die Einstellung der Bevölkerung zur Mundhygiene. Es gab kaum ein Gebiss, das gesund war und die Patienten suchten die Klinik nur auf, wenn sie Schmerzen hatten. Es gab in den meisten Fällen keine andere Möglichkeit als den Zahn zu ziehen. Allerdings sind die Samoaner sehr hart im Nehmen. Man hat nie ein Wort der Klage gehört und es schien, als ob die Menschen froh waren überhaupt eine Behandlung zu bekommen.

 

Als Schönheits- und Statussymbol haben die Frauen an den 2er oder an der Inzisalkante der 1er ein Goldinlay, welches wir auch des öfteren rezementieren mussten, da es frei Hand ohne jegliche Abformung angefertigt wurde. Die Kommunikation mit unseren Patienten war in der Regel problemlos, da viele Samoaner gutes Englisch sprechen. Mit denjenigen, die nur die Landessprache sprachen, verständigten wir uns mit einigen auswendig gelernten Sätzen oder wir holten einen der Ärzte zum Übersetzen dazu.

 Samoa

Endos wurden nur ganz selten und nur bei bestimmten Patienten vorgenommen, denn nur die wenigsten brachten überhaupt die Motivation auf, noch ein zweites Mal wegen einer Behandlung ins Krankenhaus zu kommen. Andere Versorgungen, wie z.B. Kronen oder Brücken wurden gar nicht erst in Erwägung gezogen. Hinsichtlich der prothetischen Versorgung gab es zudem noch das Problem, dass es keinen einzigen Zahntechniker auf Samoa gibt. Einer der Zahnärzte macht dort eher hobbymäßig die Prothesen für die Patienten, die weder mit Klammern befestigt wurden, noch abgestützt waren und nur an den unter sich gehenden Stellen der noch vorhandenen Zähne „verankert“ sind.

Vor allem beeindruckt hat uns hier die Arbeitsweise der samoanischen Zahnärzte. Alle waren unglaublich freundlich und durch ihre gelassene Art kam nie so etwas wie Stress auf. Auf den Fluren wurde gesungen, viel gelacht und während der Behandlung legte man ab und zu auch eine Spielrunde „Candycrush“ ein. Auch die Arbeitskleidung der Ärzte spiegelt gut das samoanische Wesen wieder. Es gab keine Einheitskleidung, was dazu führt, dass alle kunterbunt gekleidet waren. Obenrum wurde ein bunter Kasak getragen, untenrum der traditionelle Lavalava, eine Art Wickelrock. Und was nie fehlen durfte, waren die FlipFlops und bei Frauen die Blume im Haar.

 

Als wir zum ersten Mal die Zähne der Schulkinder in den Dental Schools sahen, waren wir sehr betroffen und nahmen uns vor, den Samoanern etwas über Prophylaxe beizubringen. Fissurenversiegelungen waren den Dentalhygienikerinnen vor Ort nicht bekannt und so entschieden wir uns, sie mit Hilfe unseres mitgebrachten Flows anzulernen. 

Da das System der "Dental Schools" eine gute Sache ist und die Dentalhygienikerinnen jeden Tag viele Kinder behandeln, hoffen wir, dass auch nach unserem Besuch weitere Zähne Fissurenversiegelungen erhalten. Leider hatten wir selber zu wenig Flow dabei um auch das ganze Krankenhaus damit zu versorgen.

 

In den Schulen lief unser Arbeitstag – gegenüber unseren Tätigkeiten im Hauptkrankenhaus – ganz anders ab. Alle Schüler einer Klasse erhielten am ersten Tag einen Befund und wurden über die richtige Zahnhygiene aufgeklärt. Am zweiten Tag wurden dann alle Füllungen gemacht und am dritten Tag alle Extraktionen. Unserer Meinung nach ist die Arbeit an den Schulen von sehr großer Bedeutung. Hier geht es vor allem darum, die Aufmerksamkeit der Kinder auf die Mundhygiene zu lenken. Nur die wenigsten Eltern kümmern sich um das Zähneputzen ihrer Kinder und sie sind auch keine guten Vorbilder, da ihre Zähne häufig in einem schlechten Zustand sind. Zudem hat sich die Ernährung auf Samoa in den letzten Jahren stark amerikanisiert, die Kinder konsumieren sehr viele zuckerhaltige Speisen und Getränke.

 

So lernen die Kinder hier etwas über Karies, gesunde Ernährung und Zähne allgemein. Die Wände der Behandlungsräume sind voll gehängt mit von den Kindern gemalten Bildern von Früchten und Zähnen. Traurig war, dass man schon den Jüngsten die Milchzähne wegen Karies ziehen musste und den etwas Älteren dann schon die ersten bleibenden Zähne. Engstände, die bei uns in Deutschland typisch sind, gibt es auf Samoa nur ausgesprochen selten, da der Kiefer der Samoaner deutlich größer ist als der der Deutschen.

In der letzten Woche bekamen wir dann noch die Möglichkeit mit dem „Schoolteam“ raus zu den Schulen zu fahren, die keine eigenen Behandlungsräume hatten wie die, die wir in der Hauptstadt Apia kennen gelernt hatten. Hierfür wurden Materialien und sterilisierte Instrumente in den Bus gepackt und los ging’s zu einer Schule in einem der Dörfer der Insel.

 

An der Schule wurden wir dann erst einmal mit einem typischen samoanischen Frühstück – bestehend aus  Eiern in allen Variationen mit Toast, Rührkaffee und Früchten – empfangen. Danach ging es an die Arbeit. Auch hier hat sich der 3-Tage-Rhythmus mit Befundung, Füllungen, Extraktionen etabliert. Die Kinder wurden klassenweise behandelt und natürlich gab es im Vorfeld viele Tränen und ängstliche Gesichter. Behandelt wurde in einem großen Fale (eine Art Hütte ohne Wände) auf dem Schulhof oder in einem Klassenzimmer. Als Behandlungsstühle dienten auch hier einfache Plastikstühle, was bei den meisten Kindern wohl so manchen Nackenkrampf ausgelöst hat. Doch auch hier waren die Kleinen beeindruckend belastbar und nur bei den Wenigsten spielten sich während der Behandlung kleine Dramen ab. Die Hygiene am Arbeitsplatz war, trotz aller Vorsicht, mangelhaft. Blutige Instrumente wurden schnell wischdesinfiziert und anschließend sofort wieder verwendet.

 

Natürlich haben wir auch die Zeit genutzt, um uns Samoa richtig anzuschauen. Die Natur ist wirklich beeindruckend und wunderschön.

 

Auf dem Weg zu den Krankenhäusern oder Schulen sind wir immer am Meer mit türkisblauen Wasser und weißen Stränden entlang gefahren. Überall stehen Kokosnusspalmen, Bananenstauden und andere exotisch Pflanzen. Die Menschen auf Samoa sind extrem freundlich und alle grüßen einen auf der Straße. Wir konnten uns vor Reisetipps auch von fremden Leuten nicht retten. Und selbst die Taxifahrer sind unentgeltlich mit uns Schildkröten füttern gefahren.

 

Abschließend kann man sagen, dass die Menschen auf Samoa einerseits landschaftlich in einem Paradies leben, andererseits die medizinische Versorgung und auch die Möglichkeiten der Menschen sich versorgen zu lassen, sehr begrenzt sind. Trotzdem scheinen alle sehr glücklich zu sein, was man deutlich am Flair und der Stimmung im ganzen Land merkt.

 

Unsere Famulatur war für uns ein sehr einschneidendes Erlebnis, wobei wir unendlich viele Erfahrungen im medizinischen Bereich, aber auch in anderen Lebenslagen gesammelt haben. Noch nie hat uns das Arbeiten so viel Freude gemacht und wir möchten uns herzlichst beim DAAD und den nachstehenden Dentalfirmen (Aesculap AG, al dente, Densply, Dürr dental AG, Frasaco, Hammacher, Heraeus Kulzer, Hahnenkratt, Hu-friedy, 3M Espe Dental products, m+w Dental, Protect Laserschutz GmbH, RESORBA, TePe, Voco) die uns großzügig mit Materialien auf unserer unvergesslichen und beeindruckenden Reise unterstützt haben, bedanken.