Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Ecuador

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Ecuador, San Gabriel
Organisation und Kontakt:
Fundacion Un Mundo Unido (FUMU/Kolping)
Av. El Retorno 2743 y Rio Riputini
Ibarra, Ecuador
Die deutsche Vermittlung:
Dentists&Friends helping hands e.V.
Wilhelm-Hey-Str. 14, 81243 München
Tel.: +49 (0) 89 836723
E-Mail: info@dentists-and-friends.de
http://dentists-and-friends.de/
Ansprechpartnerin in Ecuador: Isabella Abert

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Bewerbungsphase: Fünf bis sechs Monate vorher
Organisationsphase: Nur sechs Wochen bis Abflug. Diese beinhaltete u.a . das Erlenen der Sprache, Dentalfirmen anschreiben, Impfungen organisieren, Ausrüstung zusammensuchen sowie erste Flüge/Unterkünfte buchen.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Es wird kein Visum benötigt.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Die Famulanten reisten mit der Fluggesellschaft KLM von Nürnberg nach Quito. Alle Koffer hatten 1 - 2 kg Übergepäck, aber das Flughafenpersonal zeigte sich sehr wohlwollend. Da vor Ort nur wenige Verbrauchsmaterialien vorhanden waren, musste alles nützliche mitgebracht werden. Darunter waren auch zwei mobile dentale Einheiten, die jeweils 23 kg wiegen.
Man sollte eine Bescheinigung der Organisation zur Hand haben, dass die mitgebrachten Sachen für einen Hilfseinsatz sind. Am besten eine genaue Liste der Materialien und eine Bestätigung mit Namen sowie der Reisepassnummer.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig. Englisch wurde nur manchmal in Hostels gesprochen. Es gab keinen Übersetzer vor Ort. Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
In Absprache mit der Zahnärztin wurde das gemacht, was sich die Famulanten zugetraut haben, evtl. unter Aufsicht.
Hier überwog der Füllungsanteil gegenüber den Extraktionen deutlich. Das größte Problem  - abgesehen von generell schwacher Mundhygiene -  sind die gesüßten Säfte und Cola. So waren bei den Kindern die oberen Frontzähne häufig stark kariös zerstört. Bei den Erwachsenen war zusätzlich mit außerordentlich viel Zahnstein, Konkrementen und Plaque zu kämpfen.
Der Arbeitstag begann um 8:30 Uhr mit Kindern zwischen zwei und sechs Jahren. Um 12:30 Uhr gab es Mittagessen und ab 13:30 wurden die älteren Geschwister und die Eltern behandelt. Da durch Mundpropaganda oft mehr Patienten als geplant kamen und viel zu tun war, waren die Famulanten oft erst um 20:00 Uhr fertig.
Insgesamt wurden 245 Patienten behandelt, bei denen 376 Füllungen gelegt, 32 Zähne extrahiert sowie 47 Zahnreinigungen und 150 Fluoridierungen durchgeführt wurden.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Bei der Fundacion Un Mundo Unido (FUMU/Kolping) behandelt man gegen Kost und Logis.
Flüge: 1.050 €
Weitere 15 Tage Reisen und Souvenirs: 700 €
Galapagosinseln 5 Tage: 700 € (davon 350 € Flüge)

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Generell ist Ecuador (US-Dollar) im Vergleich zu Peru oder Kolumbien deutlich teurer, in etwa die Hälfte im Vergleich zu Deutschland. Taxifahren (mit Taximeter!) und Bus sind aber sehr günstig.
Das Land ist klein, aber hat sehr viel zu bieten. Man sollte sich genug Zeit nehmen.

Zum Abschluss…
"Die Famulatur war für uns eine wunderbare Erfahrung, die wir jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat. "


Famulaturbericht vom 13.04.2017 in Ecuador

2016: Ecuador

Von: Caroline Wüstner und Clemens Brummer (Uni Jena)
Organisation: Fundacion Un Mundo Unido (FUMU)
Zeitraum: 27.02.2016 - 27.03.2016

Wir hatten uns schon früh bei mehreren Organisationen beworben, aber entweder waren andere schneller oder kein Zahnarzt verfügbar. Das Angebot, im Frühjahr in einem Kinderzentrum in San Gabriel in Ecuador zu arbeiten, bekamen wir schon im Herbst 2015. Weitergeleitet von Dentists and Friends war der Kontakt vor Ort Isabella Abert von der Stiftung „Fundacion Un Mundo Unido - Kolping“. Sie ist selbst deutsche und sehr engagiert und hilfsbereit. Da wir uns für Kinderzahnheilkunde aber noch zu unqualifiziert fühlten, auch da wir beide keine Spanischvorkenntnisse hatten, wollten wir erst noch andere Angebote abwarten. Kurz vor Weihnachten sagten wir dann aber doch noch kurzfristig zu. Jetzt musste es schnell gehen. In den Weihnachtsferien wurden Dentalfirmen angeschrieben und eifrig Spanisch gelernt. Es waren noch 6 Wochen bis zum geplanten Abflug. Auf den letzten Drücker wurden die Impfungen organisiert (Gelbfieber, Meningokokken, Typhus und Tollwut), die Ausrüstung zusammengesucht und die Flüge sowie die erste Übernachtung gebucht. Nebenbei wurde natürlich immer fleißig Spanisch gelernt. Da vor Ort nur eine Liege und einige wenige Verbrauchsmaterialien vorhanden waren, musste alles mit ins Gepäck, was nützlich sein könnte. Angefangen bei zwei mobilen dentalen Einheiten, die alleine jeweils 23kg auf die Waage brachten, hatte unser Extrakoffer für die Materialien beim ersten Wiegen 35kg(!!!). Einige Sachen mussten daher einen Platz  in unserem privaten Gepäck finden.

An dieser Stelle: Vielen Dank an Bauer & Reif, Komet, Dentsply und Henry Schein für die großherzige Spendenbereitschaft!

Was wir selbst nicht organisieren konnten (Anästhetikum, Sterilisator, Instrumente…), wurde uns von „Dentists and Friends“ gestellt. Bei unserem Besuch im Lager in Nürnberg lernten wir zum ersten Mal die Zahnärztin Leonie Funk kennen und stellten erfreut fest, dass ihr Studium noch nicht allzu lange her war.

Am Samstag nach dem letzten Tag Uni ging es mit dem Bus nach Nürnberg, von wo aus wir am Sonntag um 7:00 Uhr in Richtung Quito, Ecuador starteten (KLM,15h; 1050 €). Alle Koffer hatten 1-2kg Übergepäck, aber das Flughafenpersonal zeigte sich sehr wohlwollend. 

Nach einem Zwischenstopp in Guayaquil wegen schlechten Wetters landeten wir verspätet auf 2800m in Quito. Es war schon dunkel, weshalb wir direkt ein Taxi (26 US $, 40 min. Fahrzeit) zu unserem Hostel nahmen. Mit etwas Reiseerfahrung kann man den Bus (50ct) in die Stadt nehmen, um Geld zu sparen. Generell ist Ecuador (US-Dollar) im Vergleich zu Peru oder Kolumbien deutlich teurer, in etwa die Hälfte von  Deutschland. Taxifahren (mit Taximeter!!) und Bus sind aber sehr günstig.

Wir hatten fünf Tage, bevor wir in San Gabriel im Norden  erwartet wurden. In Quito machten wir eine Stadtbesichtigung und einen Ausflug zum Äquatormuseum. Am zweiten Tag fuhren wir mit einer Seilbahn (Teleferiqo) auf 4100m und testeten unsere Höhenfitness bei einer Gipfelbesteigung des  Vulkan Pichincha (4600m). Es ist sinnvoll, sich vor dieser Tour ein paar Tage an die Höhe zu gewöhnen… Auf unserer Liste standen noch der wunderschöne Quilotoa- Kratersee und das kleine Urwaldnest Mindo, wo es Wasserfälle und Kolibris zu bestaunen gab.  

Quilotoa Kratersee auf 3900m

Schließlich  machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Natürlich wurde ein Zwischenhalt in Otavalo eingelegt, wo es den größten Indigenas-Markt des Landes gibt. Eingedeckt mit Alpaca-Sachen trafen wir dann in Ibarra auf Leonie, um die letzte Strecke gemeinsam zu fahren.

In San Gabriel wurden wir von Lucia, einer der Lehrerinnen abgeholt und zu unserer neuen Wirkungsstätte gebracht. Das Zentrum besteht aus 2 Klassenzimmern, einer Küche, einem Bad, einer kleinen Wohnung für die Köchin und ihre Tochter, einem Büro und einem Gästezimmer. Die Kinder von armen Familien aus der Umgebung werden bis zum frühen Nachmittag betreut, während die Eltern arbeiten sind. Aktuell bekommen 43 Kinder zwischen 2 und 6 Jahren täglich Unterricht, Unterhaltung und Essen.

Wir bezogen unser Zimmer und begannen im Anschluss gleich das Büro für unsere Zwecke herzurichten. Am Ende hatten wir eine kleine, aber sehr gut ausgerüstete Praxis mit zwei Behandlungsplätzen.

Die Köchin Maria und ihre Tochter Nathalie (die Lehrerin ist) waren sehr herzlich und halfen gerne.

Da wir das Büro am Vorabend schon fertig eingerichtet hatten, konnten wir am Sonntag eine kleine Wanderung zur Cascada de Paluz machen, einem 3km entfernten Wasserfall.

Am Montag stürmten dann die Kinder das Gelände. Sie waren sehr neugierig  und freuten sich sehr über den Besuch.  Anfangs kümmerten wir uns zu dritt um ein Kind (auch da eine zweite Liege erst noch von Isabella gebracht wurde), aber die meisten waren sehr tapfer, weshalb wir bald parallel arbeiteten. Der Arbeitstag begann für uns um 8.30 Uhr. Um 12:30 Uhr gab es Mittagessen und ab  13:30 wurden die älteren Geschwister und die Eltern behandelt. Da durch Mundpropaganda oft mehr Patienten als geplant kamen und viel zu tun war, waren wir oft erst um 20 Uhr fertig.

Wie bei dem Einsatz letztes Jahr schon festgestellt wurde, überwog der Füllungsanteil gegenüber den Extraktionen deutlich. Das größte Problem  - abgesehen von generell schwacher Mundhygiene -  sind die gesüßten Säfte und Cola. So waren bei den Kindern die oberen Frontzähne häufig stark kariös zerstört. Bei den Erwachsenen hatten wir zusätzlich mit außerordentlich viel Zahnstein, Konkrementen und Plaque zu kämpfen.

Insgesamt wurden 245 Patienten behandelt, bei denen 376 Füllungen gelegt, 32 Zähne extrahiert sowie 47 Zahnreinigungen und 150 Fluoridierungen durchgeführt wurden.

 

Wir versuchten auch viel Prophylaxe einzubauen. Jeder Patient bekam eine Zahnbürste geschenkt, die kleinen Kinder dazu noch eine Kinderzahnpasta. Dazu gab es ein Putztraining mit den Kindern und eine Aufklärungsveranstaltung für die Eltern (auf Spanisch etwas anspruchsvoll).

 

Die Wochen vergingen sehr schnell, auch da wir einen Samstag zusätzlich behandelten, um den berufstätigen Eltern einen Termin geben zu können. Wir konnten aber an den freien Wochenenden Ausflüge zu einer nahen Lagune, einer geweihten Grotte und zwei Naturschutzgebieten machen.

Am letzten Samstag veranstalteten wir ein großes Abschiedsfrühstück mit den Lehrerinnen Lucia, Elsa und Nathalie, der Organisatorin Isabella und der Köchin Maria. Lucia und Elsa überreichten uns  selbstgebastelte Urkunden, was den Abschied noch emotionaler machte.

Uns blieben im Anschluss 10 Tage bis zum Rückflug. Die erste Station war Banos, wo man allerlei Naturabenteuer erleben kann. Der hinter der Stadt liegende Vulkan hatte zB. eine Woche vorher eine fünf Kilometer hohe Aschesäule gespuckt.

Auf unserem Weg Richtung Süden besichtigten wir die Inkaruinen von Ingapirca und das sehr schöne und entspannte Cuenca bis wir uns schließlich von Leonie trennen mussten. Während sie weiter den Süden von Ecuador erkundete, war es für uns Zeit von Guayaquil aus das letzte große Ziel unserer Reise anzutreten, die Galapagos-Inseln.  Dort verbrachten wir fünf wunderschöne (aber leider sehr teure) Tage bis wir schließlich mit überfüllten Speicherkarten und braungebrannt die Heimreise nach Deutschland antreten mussten.

Die Famulatur war für uns eine wunderbare Erfahrung, die wir jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat. Zuletzt möchten wir Isabella danken, die sich viel Mühe gemacht hat, uns das Arbeiten so angenehm wie möglich zu machen, Maria , Nathalie, Lucia und Elsa für ihre herzliche Art und Leonie für die tolle gemeinsame Zeit. Wir wünschen dem Zentrum und den Kindern alles Gute.

Caroline/Clemens