Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Brasilien

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Brasilien, Recife (u. a. Zahnstation Educandario Sao Joaquim - eine katholische Schule)
Organisation und Kontakt:
Zahnärztliches Hilfsprojekt Brasilien
www.zhb.blzk.de
1. Vorsitzender: ZA Ruben Beyer
Mergentheimer Str. 10 a
D - 97232 Giebelstadt
Tel: 09334-8590
Fax: 09334-8468
Ansprechpartnerin in Deutschland:
Silvia Leoncelli
Tel.: 089 72480-415
Fax: 089 72480-188
E-Mail: zhb@blzk.de

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Einige Studenten haben sich sechs Monate auf den Aufenthalt vorbereitet, andere sogar nur sechs Wochen, wobei mit mindestens ein bis zwei Monaten gerechnet werden sollte. Zur Vorbereitung gehört u. a. das Sammeln von Spenden, Sprachkenntnisse erlernen, Impfungen (Gelbfieber) prüfen und Fahrtkostenzuschüsse beantragen.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Glücklicherweise benötigt man als deutscher Staatsbürger kein Visum für einen Aufenthalt von weniger als drei Monaten. Falls ein Visum für einen längeren Aufenthalt benötigt wird, ist dieses kostenfrei. Ein gültiger Reisepass reicht somit aus. Bei der Einreise erhält man ein Touristenvisum.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Eine Famulantin ist mit TAP Portugal geflogen. Sie hatte 30 kg Freigepäck. Mit dem Zoll gab es keine Probleme.
Andere Famulanten sind mit Condor angereist. Diese konnten über den Sonderbuchungsservice kostenfrei Extragepäck buchen. Über Air Europa standen anderen Famulanten zwei Gepäckstücke frei.
In jedem Fall bei der Fluggeselllschaft vorher nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Portugiesische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig, da die Brasilianer kaum eine andere Sprache beherrschen. Im Nordosten Brasiliens spricht niemand ein Wort Englisch.
Vor Ort gab es keine Übersetzer. Auch auf der Behandlungsstation sprach keiner Englisch.
Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.
Einmal wöchentlich (dienstags) stand den Famulanten ein brasilianischer Zahnarzt, der auch Englisch spricht, für die schwierigeren Fälle, zur Seite.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten berichten, dass sich ihr Aufgabenfeld, neben Prophylaxe, auf konservierende und chirurgische Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 12 Jahren konzentierte. Dabei reichte das Behandlungsspektrum von kleineren Zementfüllungen bis hin zu größeren Pulpotomien, Exzisionen und Milchzahnextraktionen (z. T. auch 6er). Zudem ist man in einigen Fällen alleine für die Behandlungsstation verantwortlich. Daher musste sich auch um die Sterilisation der Instrumente etc. gekümmert werden.
Die Arbeit begann Montagnachimttag um 13 Uhr und endete um 16 Uhr. Dienstags, mittwochs und donnerstags wurde von 8-12 Uhr und von 13-16 Uhr gearbeitet. Freitag morgens wurden die Famulanten vom Fahrer der Schule abgeholt und nach Recife gefahren.
Die Station ist sehr gut ausgestattet, bis auf ein Röntgengerät ist eigentlich alles vorhanden und es kann fast wie zu Hause behandelt werden. Sprecht auf jeden Fall mit euren Vorgängern, bevor ihr euch um die Spenden kümmert, damit ihr genau wisst was gebraucht wird und was nicht. 

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Flug (Preis je nach Jahreszeit unterschiedlich): 500 € - 1.000 €
(Februar 2017: München-Recife mit 2 Stopps: 770 €)
(Januar 2018: Recife – Frankfurt & Frankfurt – Recife: 750€)
Unterkunft/Verpflegung: Beim Zahnärztliches Hilfsprojekt Brasilien behandelt man gegen Kost und Logis
Unterkünfte (Hostels) an den Wochenenden: ca. 10 € - 15 €/Nacht
Mahlzeiten an den Wochenenden: ca. 15 € - 20 €/Tag

An der Schule steht freies W-LAN zur Verfügung. Zudem erhält man ein privates Zimmer mit zwei Betten, die zum Glück mit einem Moskitoschutz ausgestattet sind. Im Zimmer befinden sich außerdem ein Ventilator, ein Schreibtisch und ein Waschbecken mit Spiegel. Es wird drei mal täglich sehr leckere nordöstliche brasilianische Küche serviert.
Zusätzliches Geld braucht man z. B. für Ausfluge. Generell ist Brasilien etwas günstiger als Deutschland, doch auf der anderen Seite auch das teuerste Land Südamerikas.
Kleine Kostenübersicht: Stadtbus ca. 3,80 R$ (1,12 €), frische Kokosnuss 5 R$ (1,47 €), Caipirinha 8 R$ (2,34 €),Wasser 0,5l Flasche 0,25 €

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
In Brasilien ist es möglich, an fast jedem Ort mit einer Master- oder Visacard Geld abzuheben. Ein Konto bei der Apobank ist ebenfalls empfehlenswert, da ihr dadurch kostenfrei Geld abheben könnt bzw. die Gebühren zurückerstattet bekommt.
Für längere Aufenthalte in Brasilien ist eine brasilianische SIM-Karte zu empfehlen.
Vor eurer Abreise solltet ihr euch auch über Gefahren und notwendige Impfungen im Land informieren und euch, wie bereits erwähnt, etwas mit der Sprache und der Kultur auseinandersetzen.
Besonders empfehlenswert ist der Standort Praia do Pipa, an dem man mit ein wenig Glück mit Delfinen am Strand schwimmen kann.
Lernt auf jeden Fall ein bisschen Portugiesisch, damit ihr euch vor Ort ein ein wenig verständigen könnt und kontaktiert möglichst bald eure Vorgänger, damit ihr einen Eindruck davon bekommt was euch erwartet.
Ein guter Sonnenschutz (LSF 50) auch für braunere Hauttypen ist sehr wichtig.

Zum Abschluss…
"Probiert es aus, lasst euch überraschen von der Herzlichkeit der Kinder. Genießt die Sonne und macht was Gutes!"

"Abschließend möchten wir jedem, der an einem Ausländischen Hilfsprojekt interessiert ist, dieses Projekt sehr ans Herz legen. Wir haben unheimlich viel Spaß gehabt in Brasilien, haben sehr viele nützliche zahnärztliche und schöne persönliche Erfahrungen sammeln können,  unsere Portugiesischkenntnisse deutlich verbessern, viele unfassbar nette Menschen und eine sehr herzliche gastfreundliche Kultur kennenlernen dürfen."

"Genießt die Zeit"

"Wir können euch nur dazu nur ermutigen, am Zahnmedizinischen Hilfsprojekt Brasilien teilzunehmen. Die persönlichen und beruflichen Erfahrungen sind unvergesslich und ihr werdet bestimmt, wie wir, eine Menge Spass haben!"


Famulaturbericht vom 08.05.2018 in Brasilien

2017: Brasilien

Von: Wiebke Neumann und Julia Zimmermann (Uni Dresden)
Organisation: Zahnmedizinisches Hilfsprojekt Brasilien e.V.
Zeitraum: 06.02.17 - 24.03.17

Wir, Wiebke und Julia, befanden uns mitten im Staatsexamen in Dresden, die ersten und anspruchsvollsten praktischen Wochen schon überstanden, als wir uns ein paar Gedanken machten, wie es nach den Prüfungen weitergehen sollte.

Direkt mit der Assistenzzeit zu beginnen haben wir ausgeschlossen, wollten wir doch erstmal eine kleine abwechslungsreiche Auszeit nehmen und etwas erleben. Die Zeit nach dem Studium bietet sich dafür bestens an. Aber warum nicht gleich die erworbene Qualifikation nutzen und mit der Lust auf Abenteuer kombinieren? Ein wenig Internetrecherche während unserer zahlreichen Lernpausen ergab einige Möglichkeiten für frisch approbierte Zahnärzte, eine Famulatur im Ausland zu absolvieren. Auf Anhieb hat uns das zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e. V. angesprochen. Das Projekt gibt es bereits seit fast 30 Jahren und hat sich zur Aufgabe gemacht für Straßen- und Armenkinder aus brasilianischen Favelas humanitäre Hilfe zu leisten und eine zahnärztliche Grundversorgung zu garantieren. Es gibt mehrere Stationen, die sich alle im Nordosten Brasiliens nahe der Millionenstadt Recife befinden.

 Brasilien

Brasilien - Ein schönes und interessantes Land, das wir beide noch nicht besucht hatten! Die Famulaturberichte des Projekts entsprachen dem, was wir uns vorgestellt haben. Besonders gut gefiel uns, dass man vor Ort in Zweierteams arbeitet und in einem brasilianischen Kloster lebt. Die Kontaktaufnahme zu Ruben Beyer, dem 1. Vorsitzenden des Z.H.B. e. V.,  ging ganz schnell und unkompliziert. Unsere Entscheidung war schnell gefallen, an diesem Projekt wollten wir teilnehmen.

In der Zwischenzeit haben sich uns noch zwei weitere, befreundete Kommilitoninnen angeschlossen. Nun lag es an uns, alles zu organisieren und vorzubereiten. Zu viert hatten wir den Vorteil, dass wir alle bevorstehenden Aufgaben, wie zum Beispiel das Kontaktieren verschiedener Dentalfirmen und -depots,  unter uns aufteilen konnten, um ausreichend Spenden in Form von Füllungsmaterialien, Lokalanästhetika, Handschuhen, Mundschutz, Desinfektionsmittel etc. zu sammeln, die für das Projekt unabkömmlich sind.

Bald stand fest, dass es im Zeitraum vom 6. Februar bis 24. März nach Brasilien gehen sollte, den Karneval wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen! Wir bekamen von Ruben unsere Einsatzorte mitgeteilt. Uns wurde die Station in Santa Tereza - Olinda zugeteilt, für die anderen sollte es nach Igarassu gehen. Bald setzten wir uns mit unseren Vorgängern in Verbindung und erhielten nützliche Tipps und Empfehlungen für Brasilien, was sowohl das Arbeiten als auch die Freizeit und das alltägliche Leben vor Ort betraf.

So verging die Zeit, zwischen dem Feiern nach dem bestandenen Examen, dem Abschlussball, Zeugnisausgabe, Weihnachten und Silvester wurden Flüge gebucht, Reiseführer durchgelesen und an unseren Sprachkenntnissen gearbeitet. Sowohl Ruben, als auch unsere Vorgängerinnen hatten uns schon mitgeteilt, dass Portugiesisch notwendig ist, um sich mit den Patienten, Mitarbeitern und Nonnen verständigen zu können. Spanisch kann hilfreich sein, mit Englisch kommt man im Nordosten Brasiliens nicht weit.

Anfang Februar war es dann so weit, ab München ging es über Madrid und Sao Paulo nach Recife.  Zum Glück hatte jeder von uns zwei Gepäckstücke à 32 kg zur Verfügung, in denen wir die Spenden unterbringen konnten. Völlig übermüdet und k.o. kamen wir in Recife an und wurden am Flughafen sehr herzlich in Empfang genommen und in unser Kloster nach Olinda bzw. Igarassu gebracht. Jetzt konnte das Abenteuer beginnen. Wir waren zusammen in einem Zimmer mit angeschlossenem Bad im Hauptgebäude des Convento Santa Tereza untergebracht. Eine Klimaanlage war im Zimmer glücklicherweise vorhanden, es war unglaublich schwül und heiß in Brasilien! Kinder waren am Tag unserer Ankunft noch keine da, da die Ferien noch ein paar Tage dauerten. So konnten wir uns in Ruhe einleben, alles erkunden und uns in unserem Gabinete Odontólogico, dem Behandlungszimmer, einrichten. Wir machten uns mit Hilfe der Berichte unserer Vorgänger mit der Funktion des Sterilisators, Kompressors und der Einheit vertraut und überprüften diese. Zunächst gab es ein Problem mit der Einstellung der Behandlungseinheit, welches aber, für brasilianische Verhältnisse sehr zügig, am folgenden Tag repariert wurde.

Kloster

Die Sozialarbeiterin des Klosters gab uns eine Liste mit allen Namen und den Geburtsdaten der Kinder und erklärte uns, zu welchen Uhrzeiten wir die Kinder behandeln können. Jeder Tag begann für uns um 7:30 Uhr mit dem Frühstück, ab ca. 8:00 Uhr konnten wir mit der Behandlung der älteren Mädchen im Alter von 12- 17 Jahre beginnen, bis zu unserem Mittagessen um 12:00 Uhr. Von 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr haben wir die jüngeren Mädchen, sechs bis 11 Jahre, behandelt.

Die Mädchen waren alle sehr freundlich und aufgeschlossen, die kleinen vor allem sehr aufgeregt und erfreut, uns im Kloster zu sehen. Fast täglich kamen die jüngeren Schülerinnen angerannt und haben sich schon bei uns angemeldet, dass sie als erste drankommen wollen.

Für  die bevorstehenden Wochen wollten wir systematisch vorgehen: Alle Kinder und Jugendliche zuerst befunden, um einen Überblick zu bekommen, welche Behandlungen anstehen. Um überhaupt behandelt werden zu können mussten die Kinder eine Autorisation ihrer Eltern unterschreiben lassen. So gab es leider einige Schülerinnen, die wir während unserer Zeit nie auf dem Behandlungsstuhl zu sehen bekommen haben.

Einige Mädchen, vor allem die Älteren, waren schon sehr gut saniert, andere hatten einen sehr schlechten Gebisszustand. Unsere Arbeit bestand vor allem aus Prophylaxe, Extraktionen und Füllungen. Wurzelkanalbehandlungen waren aufgrund eines fehlenden Röntgengerätes bzw. elektrischen Längenmessgerät nicht möglich. Trotz der Sprachbarriere, Portugiesisch ist echt schwierig, haben die Behandlungen immer gut geklappt. Wir konnten uns gegenseitig gut unterstützen und unser Wissen aus dem Kinderkurs ergänzen. Wenige Ausnahmen gab es natürlich, zum Beispiel wenn ein Kind jegliche Behandlung abgeblockt hat.

In den sechs Wochen haben wir es geschafft, zumindest alle bleibenden, kariösen Zähne zu konservieren. Da die Zeit begrenzt war, da vor allem wegen dem Karneval an vielen Tagen schulfrei war, mussten wir Prioritäten setzen und konnten leider nicht alle Kinder komplett sanieren.

 

Gegen Ende unseres Aufenthaltes begleiteten wir drei der Nonnen an einem Nachmittag in zwei der Favelas, in denen die Familien der Kinder hinter dem Kloster leben. Wir wussten vorher aus welchen Verhältnissen die Kinder kommen, doch vor allem der Favela Ponte Preto, dessen Hütten nur aus Pappe oder Wellblech zusammengeschustert waren hat uns sehr schockiert. Die Menschen leben dort im Schlamm und Dreck zusammen mit Schweinen, Hühnern und Pferden nahe einem Fluss, der nur aus einer dunklen Brühe besteht.

An den Wochenenden erkundeten wir die Umgebung und vor allem die Strände in der Nähe, sowie die Altstadt von Olinda, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wir unternahmen außerdem Ausflüge nach Porto de Galinhas, Recife, die Ilha Itamaracá und nach Pipa. Ein Highlight war natürlich der Karneval, der Ende Februar zehn Tage lang gefeiert wurde.

An unserem letzten Tag im Kloster haben wir noch einen Prophylaxetag veranstaltet. Jedes Kind bekam eine Zahnbürste und Zahnpasta, wir haben nochmal zusammen das Zähne putzen geübt, sowie die Zähne aller Kinder fluoridiert.

Flouridierung in Brasilien

Wir hatten in Brasilien eine wirklich unvergessliche und tolle Zeit. Die Menschen waren, trotz schwieriger Kommunikation, immer sehr nett und aufgeschlossen. Der Aufenthalt war eine besondere Erfahrung, sowohl in persönlicher, als auch in beruflicher Hinsicht. Durch das komplett eigenständige Arbeiten kann man noch einiges dazu lernen! Allen, die sich für eine Teilnahme an einem Hilfsprojekt im Ausland interessieren, möchten wir dies sehr ans Herz legen. Mit vielen neuen Erfahrungen aber auch ein bisschen wehmütig, da man nicht allen Kindern helfen konnte, kehren wir zurück nach Deutschland, wir werden bestimmt noch oft an die Kinder aus dem Kloster denken. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja eines Tages zurück nach Santa Tereza!

Wir danken den Firmen 3M Espe, Dentsply, Voco, Gerl, Henry Schein, Dental-Kosmetik GmbH & Co. KG, sowie allen privaten Spendern für die großzügige Unterstützung!