Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Thailand

ACHTUNG!
Seit 2016 ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, welches vorschreibt, dass ausschließlich Ärzte mit thailändischem Abschluss zahnmedizinisch praktizieren dürfen.

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?

Ort: Thailand, Chang Wat Chiang Mai, Fang Hospital
Organisation und Kontakt:
Dr. Poppy Grongit
Dr. Surajit Narkome (Tel.: 0066-814724531)
Dr. Sarinya Wongkhuan (E-Mail: sarinya_WK@hotmail.com)

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Ein Jahr Vorbereitung. Kontakt mit der Klinik herstellen, Spendenmaterialien organisieren, Visum, Flüge sowie Unterkunft.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Bei einem Aufenthalt über 30 Tagen wird ein Visum benötigt. Die Kosten für ein Touristen Visum mit optional einer Einreise oder mehreren Einreisen liegen bei 30 Euro bzw. 60 Euro.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Die Dentalfirmen waren sehr großzügig. Leider kein Freigepäck von der Fluggesellschaft (weder Thaiairways noch GulfAir). In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Englisch ist ein Muss, es gibt keine Übersetzer vor Ort.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Bedingt durch das Gesetz von 2016 konnten die Famulanten kaum behanden. Daher überwiegend Beobachtungen von Behandlungen sowie auch bei größeren OPs assistieren.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Flug: ca 700 Euro
Inlandsflug Hin- und zurück: 60 Euro
Unterkunft pro Woche: 40 Euro
Mittagessen: 2 Euro.

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Weitere Tipps findet Ihr im Famulaturbericht von 2017. Eventuell ein Visum mit mehreren Einreisen wählen, um die umliegenden Länder im Goldenen Dreieck zu bereisen.

Zum Abschluss…
"Wir können eine Famulatur an dem Fang Hospital jedem Zahnmedizinstudenten sehr ans Herz legen."


Famulaturbericht vom 18.09.2017 in Thailand

2017: Thailand

Von: Marissa Heßler und Paula Schneider (Uni Mainz)
Organisation: Fang Hospital
Zeitraum: 14.08.2017 - 15.09.2017

Bereits im 6. Semester waren wir entschlossen eine Famulatur absolvieren zu wollen. Die Wahl fiel direkt auf Thailand, da wir beide thailändische Wurzeln haben und die Sprache sprechen.

Von vorherigen Famulanten wurde uns der Kontakt zu Dr. Narin vermittelt. Da Dr. Narin derzeit eine Weiterbildung in Bangkok absolviert, ist als neuer Ansprechpartner Dr. Poppy Grongrit zu kontaktieren. Am einfachsten ist eine Anfrage via Facebook. Leider stellte sich heraus, dass 2016 ein neues Gesetz in Kraft getreten ist, welches vorschreibt, dass ausschließlich Ärzte mit thailändischem Abschluss zahnmedizinisch praktizieren dürfen. Unser Versuch das Ministerium für Gesundheit für eine Genehmigung unserer Famulatur zu erreichen, blieb lange unbeantwortet. Letztendlich haben uns persönliche Kontakte die Erlaubnis für eine rein observierende Hospitation ermöglicht.

Kurz darauf haben wir begonnen uns um Spendenmaterialien zu kümmern. Hier ein herzliches Dankeschön an alle Dentalfirmen, die das Fang Hospital mit großzügigen Spenden unterstützt haben.

Nachdem alles feststand, buchten wir unsere Flugtickets von Frankfurt nach Bangkok und einen Inlandsflug nach Chiang Mai. Leider wurde unsere Anfrage auf Freigepäck für die Spendenmaterialien von Thai Airways nicht beantwortet und im Endeffekt nicht genehmigt. Trotz der Umstände erreichten die Spenden das Fang Hospital. An dieser Stelle sei erwähnt, dass am meisten benötigte Spenden Anästhetika, Extraktionszangen (es gibt ausschließlich Prämolaren- und Kuhhornzangen) und Composite sind.

Nach Abschluss des achten Semesters konnte unsere Reise beginnen. Für die Anreise von Chiang Mai nach Fang empfehlen wir Kleinbusse, s.g. V.I.P (so heißt die Firma) Busse. Diese Busse sind eine sehr angenehme und trotzdem günstige Möglichkeit nach Fang zu reisen. Sie fahren stündlich vom Busbahnhof Chang Pueak ab und brauchen circa 3 Stunden bis zum Busbahnhof in Fang. Nach knapp 90min macht der Bus eine 10 Minuten Pause in Chiang Dao, wo man kurz die Toilette besuchen kann. Eine Fahrt kostet 150Baht (knapp 4€) pro Nase inklusive Klimaanlage, reserviertem Sitzplatz und Gepäck. Wer es noch günstiger haben will, kann mit den großen orangenen Bussen fahren. Diese sind allerdings ohne den oben genannten Comfort und auf der kurvigen Strecke nicht zu empfehlen, wenn jemand anfällig für Übelkeit ist.

Die Bushaltestelle in Fang befindet sich wenige Meter vom Fang Hospital entfernt. Wir raten zur eigenständigen Organisation der Unterkunft, beispielsweise über airbnb. Ansonsten ist es am besten sich mit dem kontaktierten Arzt abzusprechen. Wir haben uns für einen Aufenthalt in der Fang Villa entschieden. Das Hotel befindet sich in der Gasse hinter dem Riesensupermarkt Tesco Lotus und ist zehn Gehminuten vom Hospital entfernt.
2017 Thailand
An unserem ersten Tag in der zahnmedizinischen Abteilung des Fang Hospitals wurden wir sehr herzlich von zahlreichen Helferinnen und Ärzten empfangen. Alle waren sichtlich überrascht, dass wir beide thailändisch sprechen konnten. Sicherlich war das von großem Vorteil, da dadurch die Kommunikation mit Ärzten und Patienten erleichtert war. Allerdings sprechen die meisten Ärzte und auch ein paar Helferinnen Englisch. Kurz darauf erschien Doktor Surajit Norkome, von allen genannt „Dr. Nit“, der Leiter der zahnmedizinischen Abteilung des Hospitals. Er war zusammen mit Dr. Poppy unser Hauptansprechpartner. In unserem ersten Gespräch erzählten sie uns, dass sie bereits mehrere deutschen Studenten für eine Famulatur aufgenommen hatten und stets gute Erfahrungen gemacht hätten. Sie fragten uns zudem, wie weit wir mit unserem Studium waren, welche Arten von Arbeiten wir bereits gemacht hatten und schließlich welche Erfahrungen wir uns von dieser Famulatur erhofften.

Danach folgte ein kurzer Rundgang durch die Abteilung. Es gibt dort sieben Behandlungseinheiten, ein Röntgengerät sowie zahlreiche Aufenthalts- sowie Lagerräume. Einen Steri gab es in der Abteilung selbst nicht, erklärte uns Dr. Nit, da alles in einem zentralen Steri gereinigt und sterilisiert würde. Während wir durch die verschiedenen Räume geführt wurden, wurden uns gleichzeitig die dort arbeitenden Ärzte und Helferinnen vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren inklusive Dr. Nit zwölf Zahnärzte und 15 Helferinnen anwesend, meistens waren sie abwechselnd tätig. Die meisten davon arbeiteten tagsüber im Hospital, abends und am Wochenende zusätzlich in einer privaten Klinik.
2017 Thailand
Unsere Arbeitszeiten beschränkten sich von 9Uhr bis 16Uhr mit 1,5 stündiger Mittagspause. Wir bekamen leihweise Kittel Vorort, sodass wir einheitlich mit den Ärzten und Helferinnen gekleidet waren und dadurch von den Patienten als Mitarbeiter erkannt werden konnten. Wir empfehlen allerdings eigene Arbeitskleidung mitzunehmen, da die thailändischen Kleidergrößen nicht dem westlichen Größenstandards entsprechen.

Wenn kaum Betrieb war, entschieden wir uns eine Massage zu gönnen. Die Ärzte empfohlen uns einen Raum in der Klinik, wo wir uns für günstigste 100Baht eine Stunde lang durchkneten ließen.

Zum Mittagessen nahmen uns die Ärzte stets mit in eine lokale Garküche, wo man für günstige 40฿ (umgerechnet etwa 1€) ein köstliches Essen serviert bekam. Die meisten Garküchen befinden sich an der Hauptstraße, wo sich auch das Hospital befindet. Hier ist alles in Gehweite und nachts auch noch gut beleuchtet. Die meisten Gassen abseits der Hauptstraße sind jedoch ohne Bürgersteig und nur mit Auto oder Motorrad zu befahren. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit den Food Court im Tesco Lotus aufzusuchen. Das Essen dort ist ebenfalls sehr einfach und günstig. Ein MK Restaurant sowie ein KFC stehen dort zusätzlich zur Auswahl zur Verfügung.

Fang selbst hat dank des Tesco Lotus und des Krankenhauses einen städtischen Charakter, ist aber dennoch ein sehr kleiner Ort mit wenig Tourismus. Die meisten Reisenden ziehen direkt weiter nach Chiang Mai oder Chiang Rai. Sicherlich sind die beiden Städte mit ihren zahlreichen Tempeln und Märkten sehenswert. Aber auch in der Umgebung Fangs gibt es durchaus viele Dinge in der Natur zu erkunden.

Hauptattraktion ist der Doi Angkhang. Der Berg ist sehr steil und entsprechend schwer zu erklimmen. Die Autofahrt hinauf ist ein wirkliches Abendteuer und nur mit erfahrenen Fahrern zu empfehlen! Es gibt „Busse“ (faktisch zweireihige offene Jeeps) die vom Markt aus täglich den Berg hoch und wieder runterfahren. Zahlreiche Infos gibt es dazu in Reiseberichten im Internet. Erstmal oben angekommen, gibt es die Möglichkeit sich in einem der vielen Hotels ein Zimmer für eine Nacht zu nehmen. Dies ist vor allem im Winter bei den Thais sehr beliebt, da man hier Temperaturen bis zu -3Grad messen kann. Je nach Jahreszeit kann man dort die Blumengärten oder Orangenplantagen bewundern.

Ein weiterer Berg in der Gegend ist der Doi Pahom Pog. Die Aussicht hier soll bei gutem Wetter traumhaft sein, da man von den Aussichtsplattformen die Wolken wie eine Decke unter sich sehen kann (daher auch der Name „Pahom Pog“). Leider konnten wir das nicht bewundern, da wir zur Regenzeit vor Ort waren und es zu dieser Jahreszeit zu gefährlich war hinaufzufahren. Was wir allerdings besucht haben, waren die Hot Springs am Fuße des Doi Pahom Pog. Das Gelände ist etwa 30-40min von der Innenstand entfernt. Dort kann man in den bis zu 80Grad heißen Becken Eier gar kochen oder in einem der kleinen Badehäuschen bei 40Grad Wassertemperatur schwitzen (auch das im Winter sehr beliebt). Ein Stücken weiter kommt man zu den „kalten“ Quellen. Im Prinzip ist das ein kleiner Fluss, wo man die Füße abkühlen oder die vorher gekochten Eier beim Picknick verzehren kann.

Die Gegend um Fang ist bekannt für die zahlreichen Orangenplantagen. Dabei handelt es sich um ein royales Projekt des kürzlich verstorbenen Königs Rama der 9. Damals vor knapp 50 Jahren reiste der junge König in den Norden um den ärmlichen Bauern zu helfen, statt Morphium gesunde Nutzpflanzen wie Obst anzubauen. Die Orangen sind noch heute als „Som Thanaton“ sehr bekannt. Die Saison für Orangen ist in der Regel um November bzw. Dezember (noch ein Grund, um im Winter hierher zu reisen), doch wir hatten Glück und konnten die Gärten trotzdem besuchen. Obwohl es kaum reife Orangen gab, hat sich der Ausflug dank der wunderschönen Aussicht gelohnt!

An einem Wochenende entschieden wir uns nach Chiang Mai zu fahren, um eine Bekannte zu besuchen. Bei der Gelegenheit nahm uns Dr. Poppy mit zur Fakultät für Zahnmedizin der Universitätsklinik Chiang Mai. Dort trafen wir seinen Freund Dr. Boat, der als Professor und MKGler an der Universität tätig ist. Er bat uns seinen Studenten einfache englische Sätze beizubringen, die sie bei der Kommunikation mit englischsprachigen Patienten angewendet werden konnten. Wir bekamen einen ausgedachten Patientenfall mit verschiedenen Hintergrundinformationen, welche die Studenten erfragen sollten. Am Ende sollten Sie eine Diagnose und einen Therapieplan inklusive Medikation erstellen und uns diesen auf englisch erläutern. Die Studenten wussten nicht, dass wir beide thailändisch sprechen konnten. Dr. Boat blieb sehr geduldig mit und ermutigte sie einfache Sätze anzuwenden, während wir sehr bemüht waren uns nicht anmerken zu lassen, dass wir alles verstehen konnten. Es war eine sehr interessante Erfahrung zu sehen wie unglaublich schüchtern Thais gegenüber Farangs (englischsprachigen Ausländern) sind.

Für Aktivitäten in Chiang Mai empfehlen wir Reiseführer wie z. B. den lonelyplanet.

In regelmäßigen Abständen von zwei Wochen fährt ein Team von Zahnärzten auf den Doi Angkhang. Der Zweck des Ausflugs war es, Bergbewohnern eine Behandlung zu ermöglichen, da viele Menschen nicht die finanziellen Mittel haben sich eine Fahrt in die Stadt für einen Zahnarztbesuch zu leisten. Es war eine sehr abenteuerliche Erfahrung zu sehen, wie auf Klappstühlen mit Stehlampen, ohne Absauganlage die Behandlungen durchgeführt wurden. Es wurden Extraktionen und Wachsanproben durchgeführt. Wir hatten den Eindruck, dass die Patienten für die Behandlungsmöglichkeit sehr dankbar waren.

Alle sechs Monate organisiert Dr. Nit eine zahnärztliche Behandlung für Insassen des Fang Prision, an welcher wir, wie unsere Vorgänger Famulanten, teilnehmen durften. Das Team bestand aus 7 Zahnärzten und 5 Helferinnen, die an 5 mobilen Einheiten (Klappstühlen mit Stehlampe, ohne Absaugung) die Extraktionen durchführten. Nach einem kurzen Screening vor dem Behandlungsraum bekamen die Patienten den zu extrahierenden Zahn bzw. Zähne auf die Handfläche geschrieben. Danach wurden sie der Reihe nach in den Raum gerufen, wo der behandelnde Arzt direkt anfangen konnte. Innerhalb von 4 Arbeitsstunden wurden somit 140 Patienten behandelt.
2017 Thailand
Am meisten beeindruckt hat uns der äußerst freundliche und familiäre Umgang sowohl der Ärzte und Helferinnen untereinander, als auch mit den Patienten. Die Patienten erscheinend sehr dankbar über die Behandlungsmöglichkeit zu einem äußerst geringen Einheitspreis von 30 ฿ für jede einfache zahnärztliche Therapie. Das Arbeitsklima innerhalb der Klinik ist sehr entspannt und wir haben uns zu jeder Zeit gut betreut gefühlt.

Wir bedanken uns bei allen Ärzten und Helferinnen für die außergewöhnliche Gastfreundschaft, die sie uns auch außerhalb der Klinik durch gemeinsame Ausflüge und zahlreiche Abendessen entgegen gebracht haben. Besonders Dr. Nit haben wir zu verdanken, dass unsere Famulatur am Fang Hospital zu einer prägenden Erfahrung und unglaublichen Bereicherung auf einer sowohl fachlichen, als auch persönlichen Ebene geworden ist.

Wir können eine Famulatur an dem Fang Hospital jedem Zahnmedizinstudenten sehr ans Herz legen.

Gerne könnt ihr uns bei weiteren Fragen persönlich unter folgender E-Mail Adresse kontaktieren:
yinni-schneider@onlinehome.de

Marissa Heßler und Paula Schneider