Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Bolivien

Erste Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Isla del Sol im Titicaca See
Organisation und Kontakt:
Projekt „RATON PEREZ“,
siehe www.ratonperez.de bzw. http://dentists-fuer-bolivien.de/
Dentist-and-friends helping hands e.V.
Wilhelm-Hey-Str. 14
81243 München
+49 (0) 89 8367
E-Mail: info@dentists-and-friends.de
Ansprechpartnerin in Deutschland:
Dr. Annette Schoof-Hosemann
Obere Stabstr.10
76534 Baden- Baden
Tel.: 07223 959540
Mobil: 0179 4306367

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
5 Monate vor Reisebeginn wurde die Angelegenheit bzgl. des Reisekostenzuschuss des ZAD sowie DAAD angegangen.
3 Monate vor Reisebeginn startete die Organisation wie z. B. Anschreiben versenden, Informationen über das Reiseland sammeln, Flug buchen, Impfungen koordinieren (Gelbfieberimpfung), Reisegepäck sichten sowie Sprachvorbereitungen. Unterkunft und Transfer innerhalb von Bolivien erfolgte durch HI (Hostelling International).

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Nein. In Bolivien erhält man bei Einreise einen Stempel mit Datum in den Reisepass und einen kleinen Zettel (den man gut für die Ausreise aufbewahren muss! Bei Verlust zahlt man eine kleine Strafgebühr) der einem 30 Tage Aufenthalt gewährt. Möchte man länger bleiben muss man in LaPaz auf die Emigration („?Donde es la emigracion?“) (leicht zu finden, mitten im Stadtzentrum und man bekommt eigentlich in jedem Hostel einen Stadtplan wo sie einem die emigracion einzeichnen).
Dort erhält man kostenfrei und problemlos einen oder auch zwei weitere Stempel. Alternativ könnte man das Land nach Peru (Bus nach Puno) verlassen und wieder neu einreisen.
Manchmal möchte der Zoll, laut Botschaft, die Vorlage des Impfpasses mit einer Gelbfieberimpfung einsehen. In diesem Fall wurde es nicht verlangt.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
In diesem Fall gab es keine Probleme. Air Europa fliegt für ca. 900 €- 1000 € (Hin- und Rückflug) über Madrid nach Santa Cruz. Von dort aus geht es mit dem Flugzeug (Busverbindung ist schlecht, da gebirgsreiche Landschaft) nach Sucre. Die Flugdauer beträgt ca 1,5h für ca. 60  - 100 € bei BoA-Bolivien Airlines, die ganztägig ca alle 1 - 2 h fliegen. Die Buchung ist einfach über z. B. Skyscanner.de und mit z. B. Visa/MasterCard möglich.
Bei Einreise erhält man im Flugzeug zwei Zettel die man ausfüllen muss. Dies sind Ja/Nein Fragen. Die Flugbegleiter helfen gerne. In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.
Einige Famulaten konnten die Materialien auch vor Ort besorgen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Gutes Spanisch ist sehr von Vorteil. Die Famulantin ist ohne Spanischkenntnisse angereist und hat nur das zahnärztliche Vokabular auswendig gelernt, plus ca. sechs Sprachstunden in Sucre. Die Verständigung mit Erwachsenen war ok (manchmal mit Händen und Füßen). Bei den Kindern wären bessere Kenntnisse von Vorteil gewesen, um sie zu überzeugen sowie zu beruhigen, um dadurch Füllungen machen zu können. Zudem hätte die Technik des Zähneputzens besser erklärt werden können, aber "zeigen" geht auch.
Es gibt keinen Übersetzer vor Ort, man ist auf sich allein gestellt.
Der Besitzer des Hostels spricht Englisch. Er fungiert als Ansprechpartner für organisatorische Fragen vor Ort.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Zahnstation befindet sich im Dorf "Challa". Isla del Sol.
Die Famulantin berichtet, dass ihr Aufgabenfeld zahnärztliche Behandlungen im konservativen Bereich umfasste. 70% Erwachsene und 30% Kinder. Das heißt, hauptsächlich Füllungen und Extraktionen oder Zahnreinigungen. Keine Endos oder Prothetik. Außerdem Aufklärungsarbeit und Fluoridierung für die Kinder. Konkret: Zucker schadet den Zähnen, mind.2x am Tag putzen, wie putzt man, Zahnbürsten verschenken. 
Zur Ausstattung gehört ein relativ moderner Behandlungsstuhl. Die zahnärztliche Einheit funktioniert teilweise. Der große Sauger geht nicht und der kleine manchmal. Zu manchen Zeiten gibt es kein fliessendes Wasser auf der Insel.
Die Öffnungszeiten wurden auf 9:00 Uhr - 12:00 Uhr sowie 15:00 Uhr - 18:00 Uhr festgelegt. Bei den Patienten handelte es sich um die Dorfbewohner und die Bewohner der Nachbardörfer. Meistens kamen die Patienten bei akuten Schmerzen, aber manchmal auch, wenn ihnen z. B. im Frontzahnbereich Karies aufgefallen ist. Die Dorfbewohner zeigten sich meist sehr kooperativ und dankbar.
Station in Santa Cruz: 
Eher kleines Zimmer in einem Kinderhort, zu 70% Behandlung von Kindern, gute Ausstattung, Füllungen, Extraktionen, Fluoridierungen möglich.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Hin- und Rücklug: ca. 1.000 €
Impfungen: ca. 500 €
Unterkunft und Verpflegung: ca. 500 €
Kleines Kostenbeispiel: Zwei Liter Wasserflaschen: 9 Bolivianos, also ca 1,10 €.
Zudem eine Woche Reisen im Vorraus/Anschluss durch Bolivien mit jeglichem Transport, Hostel und Eintritt für ca. 300 €.
(Angebot von Max Steiner, Vorsitzender von Hostelling International, der mit Dr. Anette Schoof-Hosemann zusammenarbeitet und für organisatorische Dinge und Unterkunft zuständig ist. Sehr zu empfehlen!)

Preis-Beispiel (2018): 1200 Euro Unterkunft für 6 Wochen (inkl. Salz- und Silbertour, Frühstück, Inlandsflügen /Transfer, z.T. Halbpension), 500 Euro für Extratouren am Wochenende und Essen

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Impfungen können beim Tropeninstitut oder in der Missioklinik (etwas günstiger) angrefragt werden. Wenn man im zahnärztlichen Bereich tätig ist, empfehlen sich u. a. Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Hep. A und Meningokokken (bitte vor Ort informieren lassen). Die Impfstoffe selber sind relativ teuer und müssen teilweise in wöchentlichen Abständen verabreicht werden, deshalb früh genug vor Abreise darum kümmern. Nur manche Krankenkassen erstatten die Kosten, es lohnt sich aber immer nachzufragen.
Sucre liegt auf ca. 2800m Höhe und eignet sich bzgl. der Höhenluft daher für ein paar Tage zur Akklimatisation und um evtl. einen Sprachkurs zu machen (sehr nette Sprachlehrerin dort von HI organisiert).
Isla del Sol: Das Klima auf 3800m Höhe ist etwas extremer. Tagsüber ist die Sonne sehr stark (teilweise Sonnenbrand trotz Sonnencreme 50+). Also Sonnencreme und Sonnenhut!
Nachts eher kühl und schlechte Dämmung im Hostel (+/- 10°C im Sept/Okt). Daher dicke Schlafsäcke und eine gute (Daunen)Jacke sowie Fleecepullis sehr zu empfehlen.
Anfangs oder Zwischendurch kann es durch die Höhe zur leichten Höhenkrankheit kommen. Man ist anfälliger für
Magenverstimmungen (food poisson). Der Körper braucht mind. 2-3 Tage um sich an die Höhe anzupassen (es bilden sich neue rote Blutkörperchen). Anfangs löst leichte Bewegung starke Atmung aus und evt. Kopfschmerzen. Hilfreich ist viel gekauftes Wasser und kein Leitungswasser zu trinken. Vor allem "mate de coca" - Tee aus Blättern des Cocastrauchs - sowie "sarochji pills" - Aspirin und Cocapulvermix - aus der Apotheke sind empfehlenswert.

Zum Abschluss…
"Eine Woche zusätzliche Reise in Bolivien einplanen und unbedingt die Salar der Uyuni besuchen (unglaubliche Natur!!!) und sich in Potosi die Goldminen anschauen."
"Wirklich sehr zu empfehlen! Es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert und wir werden die Zeit in Bolivien nie wieder in unserem ganzen Leben vergessen!"

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Zweite Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Sucre (und umliegende Dörfer)
Organisation und Kontakt:
Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.)
c/o Dr. Ekkehart Schlichtenhorst, Wasserburger Str. 29,
88149 Nonnenhorn
Tel.: 08382-8486
E-Mail: info@fcsm.org

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Zwei bis vier Monate.
Organisation: Sehr wenig. Flüge mussten gebucht werden bis zum Zielort Sucre. Vor Ort wurden die Famulanten durch den Organisator Dr. Schlichtenhorst abgeholt. Für die Unterkünfte & Verpflegung kam die Organisation auf. Versicherungsschutz: über die Apotheker & Ärztebank
Flug: mit Air Europa von Frankfurt über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra. Von dort aus weiter mit BoA nach Sucre (ca 1200 Euro). Impfung: Gelbfieberimpfung, Hep A, Typhus sollte gemacht werden.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Es wird kein Visum benötigt. Bei der Einreise erhält man für 30 Tage einen Stempel mit Datum. Dieser kann zweimal auf dann insgesamt 90 Tage verlängert werden.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Eine Famulantin reiste mit AirEuropa von Frankfurt nach Santa Cruz und dann mit der Fluggesellschaft BoA (Boliviana de Aviacion) nach Sucre. Hinsichtlich des Zolls sowie Spenden, einfach den "Touristen" geben.
Spenden: Durch die Famulanten nicht so organisieren. Die Organisation schickt dem Famulanten kurz vor Abflug ein kleines Paket zu, welches im aufzugebenden Gepäck zu verstauen ist. Am Ankunftsflughafen Santa Cruz de la Sierra gab es keinerlei Probleme
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig. Herr Dr. Ekkehart Schlichtenhorst ist ggf. ebenfalls vor Ort und kann z. T. mit übersetzen. Die Organisation stellt zwar online ein Mini-Wörterbuch an Zahnmedizin-Behandlungs-Spanisch zur Verfügung, aber Alltagskommunikation sollte in Grundzügen vorhanden sein. Die Organisation empfiehlt ansonsten einen 3wöchigen Vorab-Spanischkurs in Cochabamba in einer Partner-Spanischschule.
Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten berichten, dass ihr Aufgabenfeld sich hauptsächlich auf okklusale Kompositfüllungen an 6ern bezog. Seltener gab es aproximale Karies an den Seitenzähnen. Auch Frontzahnfüllungen und Extraktionen von Wurzelresten oder von tief zerstörten Zähnen wurden durchgeführt. Ein gängiges Phänomen waren Wurzelreste bleibender UK 6er und viel Karies. Zahnreinigungen waren ebenfalls im Repertoire, sogar mit Schallgerät. Zudem natürlich der generell wichtigen Mission: Prophylaxe, gemeinsames Zähneputzen mit geschenkten Zahnbürsten.
Behandelt wurden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren.
Die Ausstattung, sogar in doppelter Ausführung, waren wie folgt: mobile Einheit mit Turbine, Winkelstück und Luft-Wasser-Bläser. Hinzu kommen mobile Absaugung, allerhand Instrumente, Verbrauchsmaterialien, Patientenstuhl, Behandlerstuhl und ein Autoklav.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Beim Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.) behandelt man gegen Kost und Logis. In Sucre werdet ihr im Corona Real Hostal nahe am Terminal untergebracht sein. Je nachdem wie euer Einsatzplan aussieht, werdet Ihr weitere Dörfer, wie z. B. das kleine Bergdorf und Internat "Pitantorilla" besuchen sowie nächtigen.
Die Flüge kosteten ca. 1.200 - 1.400 €.
Unterkunft: Für Ausflüge am Wochenende pro Tag ca 8,00 €
Ausflüge: organisierte 2 Tages-Ausflüge ca. 50-80 € insgesamt (inkl. Verpflegung, Hostel)
Essen: ist nur am Wochenende selbst zu finanzieren (ca. 7 € pro Tag)
Busfahrt in der Stadt: 0,70 €

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Viel Elektrolytlösung mitnehmen und „Fernet Branca“ heilt jede Magenverstimmung.
Für eine ausreichende Kommunikation empfiehlt es sich allen Bewerbern vorab mit der spanischen Sprache vertraut zu machen, da sie als direkter Schlüssel zu den Patienten gilt. Selbst ein Volkshochschulkurs A1 kann vorab schon gut helfen, einfache Kommunikation mit der Bevölkerung zu betreiben. Zwei Handtücher sind besser als eins. Kaffee gibt es in Dörfern kaum zu kaufen, besser aus den Städten mitnehmen.

Zum Abschluss…
"Nach fünf Wochen konnten wir danach froh und stolz unsere wohl verdiente Reise durch Bolivien und Peru antreten".
"
Sechs unvergessliche Wochen lagen hinter mir: Vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, schönen Momenten und auch Anstrengungen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich mit dem FCSM machen durfte und die Freundschaften, die entstanden sind.".




Famulaturbericht vom 18.10.2017 in Bolivien

2017: Bolivien

Von: Boris K. (Uni Tübingen)
Organisation: FCSM e.V. - Projektname: Bolivia movil / CBBA
Zeitraum: 14.08.2017 – 22.09.2017

"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.". Bis es soweit kam dauerte es eine ganze Weile... Bereits in meinem ersten Semester kam nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung für Auslandsfamulaturen der Wunsch auf, einmal selbst in die weite Welt aufzubrechen und in einem Land nach Sonde und Spiegel zu fassen, in dem es ganz besonders nötig ist. Nach Abschluss des 7. Semesters begab ich mich auf Projektsuche und bekam schließlich meinen Famulaturplatz in Bolivien beim FCSM e.V.

Bereits wenige Monate später lernte ich meinen Famulatur-Kollegen Haoran (Uni Halle) auf der Infoveranstaltung für Auslandsfamulaturen beim Zahnärztetag in Frankfurt kennen. Die Chemie stimmte und ich war bereits froh, einen netten Kollegen für den sechswöchigen Aufenthalt in Bolivien zu haben.

Glücklicherweise entfällt beim FCSM jeglicher Vorbereitungsstress wie Spendensammeln in Form von Geldern oder Material. Demnach kann man sich weiterhin auf das Studium konzentrieren, bevor es auf Reisen geht. Kurz vor Abflug erhält man ein Paket mit mitzuführenden Utensilien wie Watterollen, Ketac, Polierer etc. Auch die anfallenden Übernachtungs- und Essenskosten werden durch die Organisation übernommen – komfortabel, wie ich finde.

Dann ging es los: Frankfurt – Madrid – Santa Cruz – Sucre. Am Flughafen der bolivianischen Hauptstadt angekommen, wurde ich durch den Organisator Dr. Schlichtenhorst persönlich abgeholt und in die Unterkunft der ersten zwei Wochen gebracht, wo ich auch schon meinen Kollegen Haoran und unseren Team-Zahnarzt Dieter kennenlernen durfte. Beim Abendessen stimmten wir uns auf die kommenden gemeinsamen Wochen ein.

Unser erster Einsatzort war eine Schule im Vorort Sucres, die wir mit öffentlichen Bussen erreichten. Unser dort aufgeschlagenes Praxis-Lager wurde morgens von 13 bis 18 Jährigen und nachmittags von 6 bis 12 Jährigen besucht. Der stete Zustrom an Patienten zeigte vor allem eines: Karies, Wurzelreste, (Milch-)Zahnruinen. Die netten Damen vor dem Schultor, welche eifrig Lutscher, Bonbons und andere Süßwaren an die Schulkinder verkauften, sorgten jedenfalls für viel Arbeit und ausgelastete Behandlungstage.
Bolivien-2017
Stellten sich morgens in der Regel nur weibliche Patienten vor, so war das jüngere Publikum in der Mittagszeit deutlich durchmischter – und auch ungeduldiger: Anders als in Deutschland freuten sich die Kleinen auf einen Besuch in unserem Consultorio und drängelten regelrecht, wenn es darum ging den Behandlungsstuhl nachzubesetzen. Sowohl bei Füllungstherapien, als auch bei Extraktionen blieben die Kinder ruhig und gefasst und ließen alles ruhig über sich ergehen. Leider war der Ansturm so groß, dass es uns schlichtweg nicht möglich war, Komplettsanierungen durchzuführen. Nach 2 Wochen brachen wir unsere Zelte ab, in der Gewissheit, dass in einem halben Jahr das nächste Team dort ansetzt, wo wir aufgehört haben. Also verpackten wir unsere Materialien, die mobile Behandlungseinheit und zogen uns für das Wochenende nach Sucre zurück.

Unser nächster Einsatzort befand sich 2 Stunden entfernt von Sucre in der Bergwelt Boliviens. Ziel war eine alte Hacienda namens "Pitantorilla", welche von einem Unterzeichner der bolivianischen Unabhängigkeitserklärung in Auftrag gegeben wurde und im Laufe der Geschichte zahlreiche Besitzerwechsel durchlief, bis das Anwesen schließlich in die Hände einer Kirchengemeinde aus Sucre fiel, die daraus ein Internat machte. Etwa 40 Schüler im Alter von 10 bis 18 wohnen hier und gehen im nahegelegenen Dorf wenige Gehminuten entfernt zur Schule.

Das Voluntario-Apartment teilten wir uns mit zwei weiteren jungen Deutschen, die ein FSJ vor Ort absolvierten, in der Schule die Lehrer unterstützen und nachmittags die Kinder im Internat "erinnerten", ihre Hausaufgaben zu machen.
Bolivien-2017
Die Anamnesen sahen hier nicht anders aus, als an unserem vorangegangenen Standort: Karies, Wurzelreste, (Milch-)Zahnruinen. Jedoch war der Patientenstrom deutlich reduzierter als zuvor. Dies lag unter anderem daran, dass die Kinder bis 13 Uhr in der Schule waren und die lokale Dorfbevölkerung zwar von unserer Anwesenheit wusste, sich aber zierte bzw. abwartete bis zur letzten Minute. Allerdings gab es auch Patienten, die sich 2 Stunden auf Wanderschaft machten, um sich aus entlegeneren Dörfern in die Hacienda aufzumachen. Nicht immer ohne Probleme: Ältere Menschen sprechen in sehr ländlichen Gebieten oftmals kein Spanisch, sondern nur die Indigenen-Sprache "Quechua". Glücklicherweise konnte uns hierbei die lokale Köchin unterstützen und übersetzen.

In unserer Mittagspause erklommen wir stets feierlich den kleinen Hausberg, um von dort aus Handyinternet zu haben und Familie und Freunden zu berichten, was man vor Ort so trieb.

Highlight war die Besteigung des nahegelegenen Cerro Obispo mit 3411m. Organisiert und geführt wurde die Tour durch einen Lehrer, der uns mit einigen Schülern morgens um 5 Uhr auf den abenteuerlichen (und nicht ganz ungefährlichen) Weg zur Spitze mitnahm. Nach 4 Stunden Aufstieg konnten wir eine fantastische Aussicht genießen und alle Anstrengungen erstmal abfallen lassen, bevor es wieder nach unten ging.

Währenddessen verabschiedete sich unser Teamleiter Dieter nach 3 Wochen in die Heimat und ein neuer Dieter kam für die zweite Hälfte unseres Aufenthaltes. Das neue Gesicht überließ Haoran und mir mehr Kompetenzen und somit wurde unser neuer Zahnarzt kurzerhand zur Stuhlassistenz. Er gab uns bei der Behandlung viele Tipps und ließ uns auch einfach mal machen. Bei einigen Extraktionen und größeren Restaurationen waren wir ihm jedoch durchaus dankbar, wenn er dann lächelnd übernahm. Schließlich hat er doch mehr Erfahrung und nicht alles ist immer so leicht, wie es scheint.

Unser letzter Einsatzort - mit dem vielsagenden Namen "Tasa Pampa" - befand sich 2 Stunden entfernt von Sucre, auf dem Weg Richtung Potosí. Der Name war Programm: Das landwirtschaftlich geprägte Dorf lag fernab der asphaltierten Straße und war nur auf einer abenteuerlichen Schotterpiste zu erreichen.

Untergebracht waren wir hier ebenfalls in einem kleinen Internat, welches direkt an den örtlichen Gesundheitsposten angrenzte, in dem wir unser Lager aufschlugen. Vor Ort arbeitete ein junger Arzt und eine Krankenschwester, die sich um die allgemeinmedizinische Versorgung kümmerten.

Auch hier hielt sich das Patientenaufkommen anfangs in Grenzen. Der Bolivianer observiert erst, bevor er sich traut zu kommen. So nahm unser Arbeitaufkommen erst mit den Tagen zu. Routinierte Anamnese: Karies, Wurzelreste, (Milch-)Zahnruinen. Zu unserer Überraschung entdeckten wir vor Ort jedoch auch zahlreiche zahnmorphologische Eigenarten und Mesiodentes.
Bolivien-Zähne-Behandlung-2017
Die Therapie sah auch hier das Übliche vor: Zahnreinigungen, Füllungen und Extraktionen. Aufgrund des großen Ansturmes in den letzten Tagen mussten wir viele Patienten vertrösten, in einem halben Jahr wiederzukommen, wenn das nächste Team des FCSM vorbeischauen wird. Latinos eben – immer auf die letzte Minute.

Allerdings bestand unser Tagesprogramm nicht immer nur aus Arbeiten: Die freien Wochenenden packten wir uns voll mit Ausflügen: 2-Tages-Trek zum Vulkankrater von Maragua, Dinosaurier-Spuren von Niñu Mayu, Sucre mit seinen Sehenswürdigkeiten wie die Casa de la Libertad, die Entrada de la Virgen de Guadalupe und weitere Dinosaurierspuren in Cal Orcko. Gleichfalls beeindruckend war ein Wochenende in Potosí, an dem wir in die Silberminen des Cerro Rico hinabstiegen und dort eine Dynamitsprengung hautnah miterleben durften oder zum Thermalsee "Ojo del Inca" fuhren. Besonderes Highlight war jedoch die Mountainbike-Fahrt auf der Deathroad bei La Paz, die ihrem Namen wirklich alle Ehre macht(e).
Bolivien-Land-2017
Nach dem Abschluss der Famulatur ging es für uns noch in den Salar de Uyuni für eine 3-Tagestour (einer der Hauptattraktionen Boliviens!), bevor sich die Wege unseres Teams trennten. Für mich ging es im Anschluss noch ein paar Tage auf Entdeckungsreise nach Paraguay – und von dort aus hieß es letztlich wieder: Asunción – Madrid – Frankfurt...
Bolivien-2017
Sechs unvergessliche Wochen lagen hinter mir: Vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, schönen Momenten und auch Anstrengungen. Ich dankbar für die Erfahrungen, die ich mit dem FCSM machen durfte und die Freundschaften, die entstanden sind.