Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Sri Lanka

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Sri Lanka, Sakuki Dental Hospital, South Circular Road No. 65, Kurunegala
Ansprechpartner
Dr. Samantha Kumara Kithalawaarachchi
E-Mail: sakukidentalhospital@gmail.com
Mobil (WhatsApp): +94773260230
Besser: Kontakt zu Kanchana (seine Frau und auch Zahnärztin): +94718423920 (WhatsApp)

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Dauer: ca. 1 Jahr
Impfungen: Polio, Tetanus, HepA, HepB, Japanische Enzephalitis, Tollwut, Typhus
Flug: Frankfurt – Kuwait City – Colombo (Kuwait Airways, 520€)

Mit den Vorbereitungen haben wir etwa zweieinhalb Monate vor der Abreise begonnen. Wir mussten die Flüge buchen, uns um Material-Spenden von dentalen Firmen kümmern, Einkäufe tätigen und uns impfen lassen (Japanische Enzephalitis, Tollwut, Typhus, Polio, Pertussis, Diphtherie, Tetanus).

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Visum wird benötigt. Infos über ETA Sri Lanka, Botschaft von Sri Lanka in Berlin oder Frankfurt oder dem Auswärtigen Amt. Kosten für 90 Tage ca. 60€. Visum für 30 Tage + anschließende Verlängerung ca. 40 USD.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Die Famulanten wurden beim Zoll nicht kontrolliert. Sie hatten aber die Lieferungsscheine der Spendenfirmen sowie eine Bestätigung des ZAD mit im Gepäck. In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

Probleme mit den Spenden hatten wir keine. Unsere Fluggesellschaft (Qatar Airways) war sogar so kulant und hat uns dafür ein freies Gepäckstück von 30 kg zur Verfügung gestellt.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Englisch ist dafür notwendig. Einige Patienten können Englisch sprechen, falls dies aber nicht der Fall war, konnten die Zahnarzthelferinnen oder Dr. Samantha für die Famulanten vom Singhalesischen ins Englische übersetzen. Dr Samantha und die Familie sprechen sehr gut Englisch und die Helferinnen eher gebrochen.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten durften Zahnreinigungen, Anästhesie- Injektionen, Fokussuche, Anprobe von Prothesen, Füllungen und Alginat- Abdrucknahmen und endodontische Teilschritte (bei Wurzelkanalbehandlungen) selbstständig durchführen und unter Aufsicht Zähne extrahieren. Der Zahnarzt selbst war zudem noch in der Implantologie und Kieferorthopädie tätig. Aber auch viel zugeschaut.

Wir waren in einer zahnmedizinischen Praxis tätig. Die Ausstattung (Behandlungsstühle, Röntgengeräte etc.) war der deutschen sehr ähnlich auch wenn es öfter Probleme mit der Stromversorgung gab. Unser Aufgabengebiet betrug sich auf Extraktionen, Wurzelkanalbehandlungen, Füllungs- und Kariestherapie, Abdrucknahmen, Präparationen und professionelle Zahnreinigungen. Zudem haben wir bei Operationen und bei der kieferorthopädischen Tätigkeit des Artes assistieren.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Flug: circa 950€
Unterkunft: Wohnkosten sind sehr gering und werden je nach Dauer mit der Familie besprochen
Verpflegung: weniger als 5€ pro Tag, in Kurunegala ist alles sehr günstig, kein Tourismus
Wasser kostet weniger als 50 cent
Die Kosten waren niedrig, da z. B. in einfachen Restaurants eine üppige Portion Reis mit Curry zwischen einem und zwei Euro lag und eine dreistündige Bus- oder Zugfahrt etwa 2,50€ kostete.

Die Unterkunft hat uns etwa 200 Euro pro Person gekostet (Airbnb), der Flug ca. 700 €, für die Verpflegung haben wir in dem Monat ca. 70 Euro pro Woche ausgegeben (1L Wasser ca. 40 Cent, eine Kokosnuss 30 Cent, ein Standartgericht im Restaurant ca.5€)


8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Falls man wie am Fließband extrahieren und Füllungen legen möchte, ist man bei dieser Famulatur nicht am richtigen Ort. Doch dafür hat man eine gute Betreuung bei Fragen, kann seine Behandlungen ordentlich durchführen und hat einen sehr guten Einblick in die singhalesische Kultur, da man in engem Kontakt mit Dr. Samanthas Familie stehen wird. Männer haben hier eindeutig Vorteile, da die Patienten ihnen eher vertrauen.

An nicht touristischen Orten sollten Schultern und Knie möglichst bedeckt sein da es ein buddhistisches Land ist. Jedoch sollte die Kleidung auch möglichst luftig sein da es warm und schwül ist. Geld wechseln kann man vor Ort am besten, da der Kurs in Deutschland sehr schlecht ist. Eine Kreditkarte ist empfehlenswert.


Famulaturbericht vom 14.11.2017 in Sri Lanka

2017: Sri Lanka

Von: Sophia Demand und Tanja Philipkowski (Uni Göttingen)
Organisation: Sakuki Dental Hospital
Zeitraum: 01.09.17 – 01.10.17

Schon Anfang des klinischen Teils unseres Studiums stand für uns fest, dass wir unbedingt zusammen eine Famulatur machen wollen, um auch mal über unseren zahnmedizinischen Tellerrand zu schauen. Also haben wir uns sehr viele Famulaturberichte auf zad-online.com durchgelesen und sind dabei über den Bericht aus Sri Lanka gestolpert, der uns auf Anhieb zugesagt hat. Dr. Samantha, der Zahnarzt vor Ort und Ansprechpartner, hat auf unsere Anfrage sehr zügig geantwortet. Für die Planung haben wir uns ungefähr ein Jahr Zeit genommen. Nach der Zusage aus Sri Lanka hatten wir ausreichend Zeit, uns um alles Weitere zu kümmern.


Organisation vorab: Wichtig für uns war der Fahrtkostenzuschuss vom DAAD, der für Sri Lanka ungefähr 260 € beträgt. Die Beantragung ist zeitaufwändig und man braucht ziemlich viele Dokumente, wie z.B eine unterschriebene Zusage über die Famulatur, eine offizielle Bestätigung der Universität, etc.

Impfungen:  Für Sri Lanka empfehlenswert sind: HEP A/B, Tetanus, Polio, Tollwut, Typhus, Japanische Enzephalitis und Diphterie. Eine Malariaprophylaxe oder Gelbfieberimpfung ist für uns nicht notwendig gewesen. Nützliche Infos dafür bekommt man auf der Seite vom Auswärtigen Amt oder RKI. Sri Lanka ist ein Dengue-Gebiet! Wir haben uns auf Grund eines aktuellen Ausbruchs jeden Tag Mückenschutzmittel (DEET 50%) benutzt. Außerdem haben wir imprägnierte Kleidung getragen, was der aktuellen Situation geschuldet war. Geschlafen haben wir unter imprägnierten Moskitonetzen. Bei weiteren Fragen zu Dengue ist es sinnvoll, rechtzeitig einen Termin bei einem Tropenmediziner zu machen (Wartezeiten für Termine oft bis zu 3 Monate!)

Visum: Infos für das Visum bekommt man auf der Seite vom ETA (Electronic Travel Authority). Da wir länger als 30 Tage auf Sri Lanka waren, haben wir von Deutschland aus ein Visum für 90 Tage beantragt. Das Visum hat 56€  zzgl. Portogebühren gekostet.

Flug und Transfer: Den Flug haben wir ungefähr ein halbes Jahr vorher über Kuwait Airways gebucht. Im Internet findet man ziemlich viele schlechte Berichte über die Airline, die wir aber so nicht bestätigen können. Außerdem ist der Preis von 520€ und 2x 23kg Gepäck plus Handgepäck unschlagbar gut gewesen! So hatten wir ausreichend Platz für unsere Spenden. Wir sind von Frankfurt über Kuwait nach Colombo geflogen. Die Flugzeit hat ungefähr 10 Stunden betragen. Dazu kam ein kurzer Aufenthalt in Kuwait. Vom Flughafen in Colombo haben wir ein Taxi für ca. 6000 RPS (30€) nach Kurunegala genommen, da wir ziemlich viel Spendengepäck hatten und es etwas schwierig ist, mit schwerem Gepäck die öffentlichen Verkehrsmittel in Sri Lanka zu benutzen. Am Flughafen am besten nicht von Taxifahrern bequatschen lassen. Es gibt in der Ankunftshalle einen offiziellen Taxistand, der auch die festgelegten Preise für die Strecken anbietet.

Unterkunft: Dr. Samantha hat sich um eine gute Unterkunft in Kurunegala gekümmert. Für unsere kleinen Ausflüge haben wir das Portal booking.com benutzt. Man findet schon Unterkünfte für 10€ pro Nacht/DZ. Im Hochland sollte man darauf achten, dass es in den Unterkünften warmes Wasser und eventuell auch eine Heizung gibt, da es dort nachts sehr kalt werden kann.

Spenden:  Generell sind die Firmen sehr großzügig mit Sachspenden. Am besten vorab einmal Kontakt mit Dr. Samantha aufnehmen, welche Materialien sinnvoll sind mitzubringen. Am besten kümmert man sich frühzeitig um Spenden, da es manchmal länger dauern kann, bis die Spenden verschickt werden. Wir haben vor allem Bohrer und Material für konservierende und endodontische Behandlungen mitgebracht. Da es in Sri Lanka nur qualitativ schlechten Sealer aus Indien gibt, würde sich Dr. Samantha darüber sehr freuen. Auch wenn der Standard der Behandlungen dort relativ hoch ist, ist es sinnvoll Desinfektionsmittel, Handschuhe und Mundschutz mitzubringen. Bei der Einreise wurden wir nicht kontrolliert. Wir hatten für den Zoll aber das Schreiben der verschiedenen Firmen über die Sachspenden mit im Gepäck.

An dieser Stelle wollen wir uns bei folgenden Firmen für die hilfreichen Spenden bedanken:

Colène Whaledent GmbH & Co.KG, Gebr.Brasseler GmbH &Co.KG, Hammacher Instrumente, Hager & Meisinger GmbH, M+W Dental Müller & Weygandt GmbH, Dentsply De Trey GmbH

Sprache: In Sri Lanka wird hauptsächlich singhalesisch gesprochen. Da aber der Großteil der Bevölkerung Englisch versteht, gab es nur selten Probleme mit der Kommunikation. Falls es nötig war, konnten während der Behandlung einige der Zahnarzthelferinnen übersetzen.

ZAD - Sri Lanka 2017
Aufgaben / Behandlungsstationen: In den ersten Tagen sollten wir Dr. Samantha erst einmal zuschauen und die Behandlungsabläufe in der Praxis kennen lernen. Er ist sehr interessiert daran, zu erfahren, wie wir die Behandlungen in Deutschland durchführen und hat uns stetig nach Therapiealternativen und anderen Vorgehensweisen gefragt. Dadurch haben wir viel gelernt, da viele Patientenfälle in dieser Form natürlich noch nie gesehen hatten. Später durften wir Zahnreinigungen, Anästhesien, Füllungen, endodontische Teilschritte und Abdrucknahmen selbstständig durchführen. Außerdem durften wir auch einige Male Zähne extrahieren. Bei Problemen während einer Behandlung konnten wir jederzeit zu Dr. Samantha ins Behandlungszimmer gehen und ihn fragen oder um Hilfe bitten. Das Behandlungsergebnis hat er am Ende häufig kontrolliert. In der Praxis gibt es drei Behandlungszimmer und einen Röntgenraum. Über der Praxis ist eine Art Labor in der ein Zahntechniker arbeitet. Dazu sollte man aber wissen, dass es keine Ausbildung für Zahnarzthelferinnen oder Zahntechniker gibt. Dementsprechend ist leider auch häufig die Qualität der Arbeiten im zahntechnischen Bereich, da auch die  Möglichkeiten für den Techniker sehr begrenzt sind. Trotzdem ist es überraschend wie viele Patienten trotzdem mit den Arbeiten zurecht kommen. Dr. Samantha hat normalerweise von 8 Uhr - 14 Uhr und von 16 Uhr - 21 Uhr behandelt. An manchen Tagen war er von früh morgens bis nachmittags in Colombo, da er dort für die Regierung als Direktor der Drogenprävention arbeitet. An solchen Tagen ist dann seine Frau Kani, die auch Zahnärztin ist, in der Praxis. Im Grunde arbeitet er sieben Tage in der Woche und hat nur einmal frei im Monat, nämlich am „Poya-day“, dem nationalen Feiertag zu Ehren des Vollmondes. Wir konnten uns unsere Arbeitszeit aber selbst einteilen.

An einem Tag haben wir einen in einem abgelegenen Dorf bei Polonnaruwa in einem Health Camp gearbeitet, das von Dr. Samantha und seinem Bruder, der als Arzt arbeitet, organisiert wurde. Hier konnte sich die Patienten kostenlos behandeln lassen. Es war in einigen Fällen erschreckend, wie gleichgültig einige Menschen mit ihrer Gesundheit und ihren Zähnen umgehen, aber auch eine sehr gute Erfahrung mit wie wenigen Mitteln man schon zu einem Behandlungserfolg kommen kann und so ein Patient schmerzfrei nach Hause gehen kann.

ZAD - Sri Lanka 2017
Geldausgaben: Insgesamt war die Reise nach Sri Lanka verhältnismäßig günstig. Die Verpflegungskosten waren niedrig, da z.B. in einfachen Restaurants eine sehr üppige Portion Reis mit Curry zwischen einem und zwei Euro lag und eine dreistündige Bus- oder Zugfahrt etwa 2,50€ kostete.

Sri Lanka heißt nicht umsonst übersetzt „die Ehrwürdige Schönheit“. Das Land ist wirklich unglaublich vielfältig und wunderschön. Es ist manchmal für uns fast ungewohnt wie freundlich und herzlich die Menschen dort sind. Wir haben uns nie unwohl gefühlt, obwohl wir auch öfter neugierig angestarrt oder um ein Foto gebeten wurden. Gerade als Frauen sollte man aber gewisse Kleidungsregeln beachten. Für Sri Lankanerinnen ist es nicht üblich, knappe Sommerkleider zu tragen (auch außerhalb der Tempel). Außerdem ist es sinnvoll,  etwas Warmes zum Anziehen mitzunehmen, da es im Hochland wirklich kalt werden kann.

Die Sri Lankanische Küche ist sehr lecker. Traditionell gibt es sogar schon morgens Reis. Man sollte allerdings darauf vorbereitet sein, dass die Speisen in Restaurants sehr scharf sein können J. Falls man da empfindlich ist,  ist es empfehlenswert zu fragen welche Gerichte nicht ‚spicy‘ sind.Wir haben besonders die unglaubliche Vielfalt an Früchten genossen. Gerade frischer Pinneapple Juice und King Coconuts haben es uns angetan. Für Ausflüge sollte man beachten, dass der öffentliche Nahverkehr lange nicht so zügig ist wie in Deutschland. Für eine Strecke von 120km kann man mit dem Bus schon mal 3 Stunden brauchen. Angesichts der Verkehrssitu-ation dort ( Linksverkehr, Harakirifahrweise) ist es nicht unbedingt ratsam, sich selbst hinters Steuer zu klemmen.
ZAD - Sri Lanka 2017

Wir sind sehr dankbar für die Erfahrung dieser Famulatur. Auch wenn wir nicht wie am Fließband behandeln konnten, da das Behandeln für Studenten in Sri Lanka eigentlich nicht erlaubt ist, haben wir eine Menge gelernt, viele neue Dinge gesehen und andere Behandlungsabläufe kennengelernt, mit denen man auch ans  Ziel kommen kann. Unser Tipp für alle die jeden Tag selbstständig und möglichst viel behandeln ist, dass man sich erst für die Zeit nach dem Examen für eine Famulatur dort bewirbt.

An dieser Stelle auch ein ganz großes Dankeschön an Dr. Samantha und seine Familie, die uns so herzlich aufgenommen haben und bei denen wir uns wie zu Hause gefühlt haben!

Tanja Philipkowsi und Sophia Demand

(Georg-August-Universität, Göttingen)