Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Kanada

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Melanie Deveault (Clinics Supervisor)
Telefon: 780-407-5576 / 780-718-1849
Email: deveault@ualberta.ca

 Faculty of Medicine & Dentistry
School of Dentistry
Edmonton Clinic Health Academy
5th floor - 11405- 87 Avenue NW
Canada

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?

Im Januar haben die Famulanten begonnen den fünfwöchigen Aufenthalt in Kanada im Mai/Juni/Juli (1 Woche Einführung, 4 Wochen Famulatur) vorzubereiten.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Die elektronische Einreisegenehmigung (eTA) kann man für 7,- Dollar online beantragen.
https://www.canada.ca/en/immigration-refugees-citizenship/services/visit-canada/eta/facts-de.html

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Die Famulanten hatten keine Probleme.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Es wird Englisch und in La Crete „Low German“ gesprochen.
Es kann hilfreich sein sich für den Aufenthalt ein „Dental Dictionary“ mit zahnmedizinischen Fachbegriffen auszuleihen.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Jeden Tag haben die Famulanten von 8.30-17 Uhr vier Patienten behandelt, wobei jedem Studenten eine eigene Behandlungseinheit zur Verfügung stand und eine freundliche Rezeptionistin das Einbestellen der Patienten übernahm. Wir die Famulanten einige Befunde erhoben und viele Zahnreinigungen und Röntgenbilder gemacht. Der Schwerpunkt lag aber auf der Füllungstherapie, wobei in Kanada noch viel Amalgam verwendet wird. Durch schlechte Mundhygiene und zuckerhaltige Ernährung haben viele Patienten große kariöse Läsionen, sodass teilweise eine Pulpotomie mit Stahlkrone an Kindern oder Pins zur Unterstützung der Höcker großer Füllungen nötig sind. Da zahnmedizinische Leistungen in Kanada sehr teuer sind, werden leider recht viele Zähne extrahiert, die in Deutschland durch eine Wurzelkanalbehandlung erhalten werden könnten.

Der Aufenthalt in Edmonton begann mit einer Einführungswoche in der University of Alberta. Hier durften wir den kanadischen Studenten bei ihren Behandlungen assistieren. Wir hospitierten bei Komposit- und Amalgamfüllungen, Zahnextraktionen und sogar beim chirurgischen Einbringen von Implantaten. Außerdem hörten wir einige Vorlesungen zu den Hygienevorschriften und Ergonomie, nahmen am Spritzenkurs des zweiten Studienjahres teil, übten verschiedene Röntgentechniken am Phantomkopf und durften das Arbeiten mit Lupenbrillen kennenlernen. Danach haben wir einen Monat an einer Satellitenklinik in McLennan selber Patienten behandelt. Pro Tag standen 4 Behandlungen auf dem Plan, welche von Schmerz- bis Wurzelkanalbehandlung, Zahnextraktionen und Behandlung von Kindern die komplette Bandbreite des zahnmedizinischen Behandlungsspektrums abdeckte.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?

  • Flug: 800,- Euro
  • Visum: 7,- Dollar
  • Studiengebühren: 80,- Dollar
  • Ärztliche Untersuchung Dr. Licchini in Berlin: 260,- Euro
  • Unterkunft für die erste Woche in Edmonton (airbnb): ca. 210,- Euro
  • Unterkunft für die folgenden vier Wochen: kostenlos
  • Mietwagen: Abhängig von der Mietdauer und vom Alters des Fahrers (unter 25 Jahren zahlt man einen Aufschlag für die Versicherung)
  • Lebenshaltungskosten pro Woche: ca. 150-200,- Dollar

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?

Es ist immer sehr hilfreich, wenn man sich frühzeitig informiert und sich mit Leuten in Verbindung setzt, die bereits an dem Programm teilgenommen haben, da man von den Erfahrungen profitiert und viele hilfreiche Tipps bekommen kann.
Wir würden jedem Bewerber empfehlen ein Auto zu leihen um selbstständig am Wochenende die Nationalparks zu erkunden und die Natur zu genießen.


Zum Abschluss…
"Insgesamt war es eine großartige Erfahrung, bei der man nicht nur in zahnmedizinischer Richtung sicherer und schneller geworden ist, sondern bei der man auch die Natur, die Kultur und die Leute kennenlernen durfte."


Famulaturbericht vom 16.08.2018 in Kanada

2018: Kanada

Von: Clara Meyer-Probst, Anne-Kathrin Arand, Florian Bahrig, Yousef Alkhafaji, Weronika Sék, Claudia Voigtländer, Maria Banz (Uni Dresden)
Organisation: University of Alberta, Edmonton, Kanada
Zeitraum: 19.05.18 - 17.06.18 & 16.06.18 - 15.07.18

Bereits im 7. Semester erfahren wir von der Kooperation der TU Dresden und der University of Alberta in Edmonton in Kanada und der Möglichkeit, dort viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Wir hören von anderen Studenten, dass sich die kanadische Ausbildung stark von dem deutschen Unialltag unterscheidet und dass die kanadischen Studenten mehr Zeit für die Behandlungen der Patienten haben.

Nach einem kurzen Auswahlgespräch im Dezember freuen wir uns sehr über die Zusage und buchen die Flüge nach Edmonton. Vor der Auslandsfamulatur müssen wir jedoch für eine ärztliche Untersuchung nach Berlin fahren, damit wir in Kanada behandeln dürfen.

Nun kann es endlich losgehen: Zu viert fliegen wir über Calgary nach Edmonton, wo wir die erste Woche verbringen. In der Einführungswoche werden wir sehr herzlich begrüßt und dürfen den kanadischen Studenten in der Behandlung assistieren. Jeder Student hat seine eigene Behandlungseinheit und behandelt normalerweise vormittags und nachmittags jeweils einen Patienten. Wir assistieren bei Komposit- und Amalgamfüllungen, Zahnextraktionen und sogar beim chirurgischen Einbringen von Implantaten. Außerdem hören wir eine Vorlesung zu den Hygienevorschriften, die sich doch ein wenig von den deutschen unterscheiden. Als Wiederholung nehmen wir am Spritzenkurs des zweiten Studienjahres teil und übten verschiedene Röntgentechniken am Phantomkopf. Sehr viel Spaß hat uns die Übung im Phantomraum mit Dr. Kilistoff gemacht, der uns viel über Ergonomie und das Arbeiten mit einer Lupenbrille beigebracht hat, welche uns für die Dauer des Aufenthaltes zur Verfügung gestellt wurde. An einem Plastikzahn konnten wir noch einmal die Amalgampräparation und -füllung üben.

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Bevor es jedoch soweit war, mieteten wir ein Auto und fuhren in die nahe gelegenen Nationalparks Jasper und Banff in den Rocky Mountains. Wir waren beeindruckt von der spektakulären Natur, den hohen Bergen, den türkisfarbenen Flüssen, Seen und der atemberaubenden Tierwelt. Vor allem die Bootsfahrt auf dem Maligne Lake zu Spirit Island und die Braunbären haben es uns besonders angetan.

Nach diesem traumhaften Wochenende fuhren wir in den Norden zu den sogenannten Satellite Clinics, wo wir arbeiten durften: In den kommenden vier Wochen werden zwei deutsche Studenten in McLennan und zwei deutsche Studentinnen in Highlevel und La Crete behandeln. Das Rotationsprogramm im Sommer besteht immer aus 2 deutschen Studenten, die für 4 Wochen bleiben und 2 mal 2 kanadischen Studenten aus der University of Alberta, die jeweils für 2 Wochen bleiben. Betreut werden die Gruppen von Zahnärzten, die meistens selbst als Studenten an dem Projekt teilgenommen haben und nun entweder schon in Rente sind oder sich 1-2 Wochen frei nehmen, um die Studenten zu unterstützen. Die zahnmedizinischen Fachangestellten betreuen das Programm das ganze Jahr über.

McLennan

McLennan ist ein 800 Einwohner Dorf, welches schwer auf einer Landkarte zu finden ist und dennoch unsere Heimat für 4 Wochen darstellte, da es über eine Klinik verfügt, die jegliche Bereiche der Medizin abdeckt. Anfangs fühlte man sich etwas verloren in dieser menschenleeren Ortschaft, bis wir unseren Arbeitsplatz und die damit verbundenen Menschen kennenlernten. Wir wurden herzlich und freudig empfangen von 3 Zahnarzthelferinnen und einem Arzt. Sogar die Patienten wirkten begeistert, als es hieß: die Deutschen sind wieder da. Jeder Student erhielt seinen eigenen Behandlungsplatz und die Schwestern unterstützten uns wo sie nur konnten. Über die 4 Wochen hatten wir das Glück mit 3 Assistenzärzten in Kontakt zu treten, welche unterschiedlichen Ansichten vertraten, was sich für uns jedes Mal als eine Umstellung, aber auch Lehrstunde darstellte. Die ersten Tage musste man sich erstmal an den kompletten Ablauf und die Freiheiten gewöhnen, da die Ärzte viel mehr Vertrauen in unsere Arbeit hatten, als wir es aus Deutschland gewöhnt waren. Die Redewendung „Sprung ins kalte Wasser“ beschreibt die ersten Tage ziemlich genau. Somit lernte man sehr schnell viele neue Techniken und sammelte praktische Erfahrungen. Auch die Patienten sahen einen weniger als Student, sondern vielmehr als Arzt an.

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Pro Tag standen 4 Behandlungen auf dem Plan, welche von Schmerz- bis Wurzelkanalbehandlung die komplette Bandbreite des zahnmedizinischen Behandlungsspektrums abdeckte. Das stomatologische Wissen in englischer Sprache anzuwenden, stellte eine große Herausforderung dar, die es zu meistern galt und einen mit Stolz erfüllte.

Neben uns beiden Deutschen lebten auch zwei kanadische Studenten in unserem Apartment. Aus Studienkollegen entwickelte sich schnell eine enge Freundschaft, was die Arbeitsatmosphäre und den Aufenthalt nochmals verschönerte, wodurch die Zeit wie im Fluge verging. Nach langen Behandlungstagen blieb so immer Zeit für ein nettes Gespräch oder ein gemeinsames Workout. Auch an den Wochenenden wurde es nie langweilig. Neben einer Reise nach Jasper besuchten wir die Familie eines kanadischen Studenten in Grand Prairie, die uns herzlich willkommen hießen und versorgten. Sogar der betreuende Arzt lud uns abends zu einem BBQ nach einem anstrengenden Behandlungstag ein.

Die gesammelten praktischen, als auch sprachlichen Erfahrungen und neu erlangten Freundschaften machen diesen Austausch zu einem unvergesslichen Erlebnis meines Studiums. Immer wieder!

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Highlevel und La Crete

Highlevel ist die erste Stadt, in der wir arbeiten werden; eine Kleinstadt von rund 3000 Einwohnern, die 700km nördlich von Edmonton liegt. Sie ist durch ihren eigenen Flughafen gut mit dem Flugzeug zu erreichen, aber auch mit dem Auto oder mit dem Bus kann man die Strecke landschaftlich auf jeden Fall sehr genießen. Als wir ankommen lernen wir die beiden kanadischen Studenten, den Zahnarzt und die zahnmedizinischen Fachangestellten kennen. Wir werden typisch kanadisch sehr offen mit einem leckeren Abendbrot empfangen. Die Stimmung ist sofort sehr herzlich und angenehm. Wir wohnen alle zusammen in einem Doppelhaus, in dem die eine Hälfte von dem Personal bewohnt wird, die andere von uns Studenten. Dies ist eine super Möglichkeit, die kanadische Kultur und die Leute besonders gut kennenzulernen. Am nächsten Morgen beginnt der erste Arbeitstag, an dem die Behandlung um 8:30 anfängt und gegen 17:00 endet. Jeder Student behandelt an einer eigenen Einheit und hat im Schnitt 4 Patienten am Tag, für die im Schnitt 2 Stunden Behandlungszeit eingeplant sind. Im Prinzip behandelt jeder Student auch alleine, aber die beiden zahnmedizinischen Fachangestellten und teilweise sogar die Zahnärzte versuchen den Studenten auch beim assistieren unter die Arme zu greifen. Die Zahnärzte sind oft unterschiedlicher Ansicht darüber, was der Student alleine machen kann und welche einzelnen Schritte er nochmal kontrollieren möchte. Unsere Erfahrung ist aber, dass man genau durch diese Abwechslung besonders viel gelernt hat. Bei Fragen steht einem jeder sehr freundlich und offen gegenüber und erschafft somit eine perfekte Atmosphäre, um über sich hinauszuwachsen. Durch die verhältnismäßig viele Behandlungszeit, die vielen Patienten, die man in kurzer Zeit sieht und auch das Klientel, sammelt man schnell viele Erfahrungen. Man hat einige Befunde und umfangreiche Zahnreinigungen, viele große Füllungen, bei denen auch Amalgam eine größere Rolle spielt als in Deutschland und hat einige Patienten, die mit Zahnschmerzen kommen und dann spezifisch behandelt werden müssen. Die Zahnbehandlungen sind dort sehr teuer und somit werden verhältnismäßig viele Zähne gezogen, auch wenn sie beispielsweise durch eine Wurzelkanalbehandlung noch erhalten werden könnten. Außerdem, hat man auch relativ viele Kinder an denen man behandelt. Nur prothetische Arbeiten werden in den Satellitenkliniken schon länger nicht mehr gemacht. Die Zahnärzte geben einem nach jeder Behandlung gerne konstruktives Feedback und lassen einen wissen, was gut lief und was man besser machen kann. Die Patienten sind ebenso sehr freundlich und freuen sich, wenn die Studenten wieder in der Stadt sind. Sie sind im allgemeinen sehr dankbar und zeigen das auch gerne.

Die zweite Hälfte der Zeit arbeitet man in La Crete. Hier leben hauptsächlich Mennoniten, die ursprünglich aus Deutschland ausgewandert sind und immer noch das sogenannte „Low German“ sprechen. Es ist sehr spannend ihre Kultur ein wenig kennenzulernen: Die Familien sind meistens sehr groß und kommen oft alle gemeinsam zur Behandlung, besonders die Frauen tragen trachtenähnliche Kleider, es wird kein Alkohol getrunken und gibt keine Schwimmhallen und Freibäder in der gesamten Stadt. Die Einwohner sind alle sehr nett und kommen anders als in Highlevel immer sehr pünktlich und gewissenhaft zu Ihren Behandlungsterminen. Ab und zu kann man sogar das eine oder andere deutsche Wort austauschen.

Nach dem Behandlungstag kochen wir dann abends oft zusammen und lassen den Abend zusammen gemütlich ausklingen. An den Wochenenden hat man dann Zeit, die umliegende Natur noch ein wenig besser kennenzulernen. So fahren wir eines der Wochenenden gemeinsam mit dem Zahnarzt zu den Northwest Territories und kreuzen den 60. Breitengrad. Wir fahren in Richtung Norden bis nach Yellowknife und sehen auf dem Weg zahlreiche wilde Tiere, einige Wasserfälle und kleine Fischerstädte. Außerdem gibt es rund um Highlevel und La Crete kleine andere Städte, die man sich für ein Wochenende gut ansehen kann. So fahren wir an einem der Wochenenden zum Beispiel nach Peace River.

Am letzten Wochenende, bevor es zurück nach Deutschland geht, haben wir ein großes Wiedersehen und Treffen mit den beiden anderen deutschen und den kanadischen Studenten, die wir in der Zeit kennenlernen durften. Insgesamt war es eine großartige Erfahrung, bei der man nicht nur in zahnmedizinischer Richtung sicherer und schneller geworden ist, sondern bei der man auch die Natur, die Kultur und die Leute kennenlernen durfte. In diesem Sinne, vielen Dank nochmal für Ihre Unterstützung!