Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zum Senegal

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Senegal
Organisation und Kontakt:
Dental Volunteers e.V.
Dr. Agnes Wagner
Georg-Hirth-Straße 61
83700 Rottach-Egern
+49-8022-24788

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
- Impfungen: Gelbfieber, Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut, Pneumokokken, Meningokokken
  → fangt frühzeitig an!
- Malariaprophylaxe (Malarone)
- Auslandsreisekrankenversicherung
- Es lohnt sich, den Flug so früh wie möglich zu buchen, denn wenige Wochen vor Abflug war der
  Flugpreis auf das Dreifache angestiegen.
- Transfers und Unterkünfte wurden von den Schwestern organisiert, wenn man sie darum gebeten hat.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Nein, ein Visum muss unter 90 Tagen nicht beantragt werden.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Als Tipp: Bucht frühzeitig wenn nötig ein zweites Gepäckstück dazu, wenn ihr mit TAP über Lissabon fliegt. Die Koffer werden bei der Ankunft in Dakar durchleuchtet, bei eventuellen Problemen lohnt es sich ein Schrieben der Organisation dabeizuhaben.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Französisch! Wie in Frankreich sind die Senegalesen wirklich keine Englisch-Liebhaber. Für die vor Ort gängigen Sprachen wir Worlof, Serer… findet sich aber immer ein Übersetzer.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
- Konsultationen, Prophylaxe, Extraktionen, Füllungen
- die Gesundheitsposten waren recht gut ausgestattet: Es gab Behandlungsliegen, Hitzeöfen zur Sterilisation,    Ventilatoren, ausreichend Behandlungszimmer

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
- Flugpreis: 350 € , abzüglich des DAAD-Zuschusses von 313€ nur noch 37 € ;)
- Unterkunft: gratis
- Verpflegung: gratis, für gelegentliche Ausflüge in den Supermarkt haben wir insgesamt wohl so 150 € p.P. ausgegeben, hier sind die Lebensmittelpreise mit den europäischen vergleichbar
- wir haben zwischendurch noch ein verlängertes Wochenende im Hotel für ca 150 € pro Person verbrachten

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Keine großen Überraschungen erlebt.

Zum Abschluss…
"Insgesamt sind wir sehr froh dafür, dass wir uns für diese Famulatur entschieden haben. Durch sie  durften wir das Land mit seinen vielen Facetten kennenlernen, wie es sonst nie möglich gewesen wäre. Jeden Tag so viel Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise erfahren zu dürfen ist wirklich eine Bereicherung und nur weiterzuempfehlen!"


Famulaturbericht vom 08.10.2018 in Senegal

2018: Senegal

Von: Niklas Thoben (Uni Göttingen)
Organisation: Dental Volunteers e.V. - SOS Kinderdorf Ziguinchor Senegal
Zeitraum: 30.07.2018 - 17.09.2018

Als sich unser Studium langsam dem Ende zuneigte, stellte sich uns die Frage, wie wir die Zeit nach unserem Examen gerne verbringen möchten. Eine Auslandsfamulatur schien für uns die optimale Möglichkeit um den Einstieg ins Arbeitsleben zu erhalten, tolle Erfahrungen in einem fremden Land sammeln und gleichzeitig Gutes zu tun. Durch unsere Kommilitonen, die solch eine Famulatur schon während des Studiums in den Semesterferien absolviert hatten, sind wir auf den Verein Dental Volunteers e.V. mit seiner Vorsitzenden Dr. Agnes Wagner aufmerksam geworden.

Nach einem langen ersten Telefongespräch mit Frau Dr. Wagner stand für uns fest: Es geht nach Afrika, genauer gesagt in den Senegal. Der Verein hatte dort in den letzten Jahren intensiv mit den dortigen SOS Kinderdörfern zusammengearbeitet. Als unser Examen seinen Lauf nahm, kam die erschreckende Nachricht, dass die neue Vorsitzende von SOS im Senegal in diesem Jahr nicht an einer Zusammenarbeit interessiert war. Somit war unsere Famulatur zunächst trotz bereits gebuchter Flüge sehr in Frage gestellt.  Als die Prüfungen sich dem Ende zuneigten, begannen wir mit dem Verein Dental Volunteers die Suche nach anderen geeigneten Organisationen im Senegal. Über Caritas und Misereor Deutschland wurde der Kontakt zur Association National de Poste Sante Catholique de Senegal (ANPSCS) hergestellt. Dieser von katholischen Schwestern betriebene Verein unterhält im ganzen Land private Gesundheitsposten, die sich insbesondere auf die Infektionsprophylaxe und Ernährung von Kindern und Schwangeren spezialisiert haben. Zahnärzte hatten in diesen Posten bisher nicht gearbeitet. Doch durch den engen Kontakt zur Bevölkerung war den dortigen Schwestern auch schon vor unserer Ankunft die große dentale Behandlungsbedürftigkeit bewusst, wodurch großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Dental Volunteers e.V. bestand.

Nach einer intensiven Vorbereitungsphase mit vielen Mails und Telefonaten und dem bestandenen Examen in der Tasche ging es am 30.07.2018 mit reichlich Lampenfieber dann endlich los in Richtung Afrika! Doch wie sich bald herausstellte war die Nervosität völlig unbegründet, denn am Flughafen wurden wir trotz der späten Ankunft sehr herzlich von Schwester Madeleine, der Vorsitzenden der ANPSCS empfangen und direkt zu unserer Unterkunft gebracht.

Wie sich herausstellte, durften wir über den gesamten Zeitraum immer unter einem Dach mit den Schwestern wohnen, welche für senegalesische Verhältnisse durchaus gut ausgestattet sind. So hatten wir meist jeder ein eigenes Zimmer mit Bett, Licht, Steckdose und oftmals eigenem Bad. Der Wasserdruck ließ zwar nicht immer eine ausführliche Dusche zu, aber es war zumindest immer Wasser für die klassische Eimerdusche vorhanden. Auch auf den Strom war nicht immer Verlass, aber insgesamt konnten wir die meiste Zeit von der vorhandenen Elektrizität profitieren. Oft stellten uns die Schwestern sogar ihr WiFi zur Verfügung, um den Kontakt nach Hause halten zu können. Unsere neu erworbenen senegalesischen Simkarten erfüllten ihre Aufgaben nämlich leider nicht immer.

Die ersten Tage in Dakar waren primär von organisatorischen Dingen geprägt: Es galt weitere Handschuhe, Ersatz für Watterollen und Tupfer, Handdesinfektion und Lokalanästhesie zu besorgen. Da wir zunächst nur zu zweit in den Senegal eingereist sind, reichten uns die von der Airline zugelassenen 23 kg nicht aus, um alle Materialien sowie unsere privaten Dinge ins Land zu bekommen. Zum Glück reiste einige Tage später Viviane, eine Studentin aus Zürich, an, die die restlichen Behandlungsmaterialien mitbrachte.

Durch die tatkräftige Unterstützung der Association konnten wir aber auch vor Ort alles Benötigte problemlos besorgen.

ZAD-Famulatur-Senegal-2018(1)

So stand dann am dritten Tag im Senegal der Umzug in die Banlieus von Dakar zum ersten Gesundheitsposten an. Dort angekommen, wurde uns mitgeteilt, dass die ersten Patienten schon sehnsüchtig auf uns warteten. Und so waren wir im Handumdrehen im senegalesischen Behandlunsgalltag angekommen und waren plötzlich die Zahnärzte vor Ort. Wie im Voraus schon bekannt, gab es in den Posten keine dentalen Behandlungseinheiten. So war es zunächst wichtig eine geeignete Untersuchungsliege zu finden und unser kleines Zimmerchen sowohl patienten- als auch behandlerfreundlich einzurichten. Insgesamt waren die Gesundheitsposten überall sehr gut ausgestattet: Uns wurden immer ein oder sogar zwei Zimmer zur Verfügung gestellt und für ausreichend Luftbewegung mit jeder Menge Ventilatoren gesorgt. Auch ein kleiner Ofen zur Sterilisation und eine gut ausgestattete Pharmazie war an jedem Ort vorhanden. Nachdem wir zunächst zwei Tage nur konsultiert hatten, begannen wir an Tag drei damit neben weiteren Konsultationen hauptsächlich Extraktionen durchzuführen und wenn die Situation es zuließ, Kompositfüllungen zu legen. Doch leider waren die meisten Zähne zu tief zerstört, um noch  konservierende Maßnahmen durchführen zu können. Da während unseres gesamten Aufenthaltes Schulferien waren, konnten wir nicht wie geplant Prophylaxe an den Schulen betreiben, sondern nur vereinzelt in Ferienkursen mit den Kindern und Lehrern das Zähneputzen üben. Dies soll dann von den nächsten Famulanten nach Möglichkeit noch intensiviert werden.

Da wir das erste Mal mit den Schwestern der ANPSCS zusammengearbeitet haben, war es deren Wunsch so viele Posten wie möglich im gesamten Land zu besuchen. Einerseits hatte dies für uns den Vorteil, das wir wirklich viele Orte des Landes zu sehen bekamen. Das vorher abgesprochene Programm, das einen Ort pro Woche vorsah, stellte sich nach einigen Tagen dann jedoch nur als Grundprogramm heraus: An den einzelnen Orten sollten wir wiederum jeweils drei bis vier Posten pro Woche besuchen. Das führte dazu, dass wir nach einem Behandlungstag meist noch ein bis zwei Stunden Autofahrt vor uns hatten, was auf die Dauer wirklich kräftezehrend war. Nach einem klärenden Gespräch mit Schwester Madeleine besserte sich diese Situation jedoch und wir besuchten innerhalb unserer sieben Wochen 14 Posten rund um Dakar, Thies, Saint Louis, an der Petit Côte, und Ziguinchor. Egal wo wir landeten, die Behandlungsbedürftigkeit war überall wirklich groß und wir konnten nirgends auch nur annähernd so viel behandeln wie es nötig gewesen wäre, was zeitweise auch wirklich frustrierend für uns war. Gleichzeitig erfuhren wir trotz langer Wartezeiten, fast nicht auszuhaltender Hitze und teilweise wirklich wenig Komfort von Seiten der Patienten und der Schwestern stets große Dankbarkeit, was uns jeden Tag neu motivierte.

ZAD-Famulatur-Senegal-2018(2)

Ganz besonders war für uns die Reise in die Casamance, also in den Süden des Senegals. Um diesen zu erreichen muss man sich entweder auf eine endlose Autofahrt durch die hintersten Landesteile, auf bis zu zwölfstündige Wartezeiten an den Grenzen zu Gambia und an der Fähre über den Gambia Fluss oder auf eine Schifffahrt einstellen. Uns wurde von Seiten der Schwestern geraten das Boot zu nehmen, was wir dann auch getan haben. Da es nicht so einfach ist die Tickets für dieses Boot zu bekommen, wurde jemand losgeschickt, der das organisieren sollte. Mit typisch senegalesischer Gelassenheit haben wir dann auch eine knappe Stunde vor Abfahrt endlich unsere Tickets erhalten. Die Bootsfahrt ist eine Erfahrung für sich. Wenn man auf der großen Fähre der Aline Sittoé Diatta unterwegs ist, reist man recht bequem. Die Rückfahrt haben wir auf einer der kleineren Fähren bestritten und wir sind im Nachhinein sehr froh ausreichend Vomex im Gepäck gehabt zu haben. Zehn schaukelige Stunden auf dem Atlantik …. die Hälfte unserer Mitreisenden war sehr mit den bereitgestellten Spucktüten beschäftigt.

Die freien Wochenenden verbrachten wir meist an den Orten, an welchen wir uns gerade aufhielten. Manchmal unternahmen wir auch kleinere Ausflüge mit den Schwestern oder deren Fahrern zu Gemüse- und Kunstmärkten, zum Strand oder zum Lac Rose. Für weitere Einsätze ist bereits geplant, dass zukünftig nur noch ein Posten pro Woche besucht werden soll, um den Aufenthalt für die behandelnden Dental Volunteers etwas entspannter und effizienter zu gestalten.

Insgesamt sind wir sehr froh dafür, dass wir uns für diese Famulatur entschieden haben. Durch sie  durften wir das Land mit seinen vielen Facetten kennenlernen, wie es sonst nie möglich gewesen wäre. Jeden Tag so viel Freundlichkeit und Dankbarkeit der Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise erfahren zu dürfen ist wirklich eine Bereicherung und nur weiterzuempfehlen!