Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Bolivien

Erste Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Isla del Sol im Titicaca See
Organisation und Kontakt:
Projekt „RATON PEREZ“,
siehe www.ratonperez.de bzw. http://dentists-fuer-bolivien.de/
Dentist-and-friends helping hands e.V.
Wilhelm-Hey-Str. 14
81243 München
+49 (0) 89 8367
E-Mail: info@dentists-and-friends.de
Ansprechpartnerin in Deutschland:
Dr. Annette Schoof-Hosemann
Obere Stabstr.10
76534 Baden- Baden
Tel.: 07223 959540
Mobil: 0179 4306367

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
5 Monate vor Reisebeginn wurde die Angelegenheit bzgl. des Reisekostenzuschuss des ZAD sowie DAAD angegangen.
3 Monate vor Reisebeginn startete die Organisation wie z. B. Anschreiben versenden, Informationen über das Reiseland sammeln, Flug buchen, Impfungen koordinieren (Gelbfieberimpfung), Reisegepäck sichten sowie Sprachvorbereitungen. Unterkunft und Transfer innerhalb von Bolivien erfolgte durch HI (Hostelling International).

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Nein. In Bolivien erhält man bei Einreise einen Stempel mit Datum in den Reisepass und einen kleinen Zettel (den man gut für die Ausreise aufbewahren muss! Bei Verlust zahlt man eine kleine Strafgebühr) der einem 30 Tage Aufenthalt gewährt. Möchte man länger bleiben muss man in LaPaz auf die Emigration („?Donde es la emigracion?“) (leicht zu finden, mitten im Stadtzentrum und man bekommt eigentlich in jedem Hostel einen Stadtplan wo sie einem die emigracion einzeichnen).
Dort erhält man kostenfrei und problemlos einen oder auch zwei weitere Stempel. Alternativ könnte man das Land nach Peru (Bus nach Puno) verlassen und wieder neu einreisen.
Manchmal möchte der Zoll, laut Botschaft, die Vorlage des Impfpasses mit einer Gelbfieberimpfung einsehen. In diesem Fall wurde es nicht verlangt.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
In diesem Fall gab es keine Probleme. Air Europa fliegt für ca. 900 €- 1000 € (Hin- und Rückflug) über Madrid nach Santa Cruz. Von dort aus geht es mit dem Flugzeug (Busverbindung ist schlecht, da gebirgsreiche Landschaft) nach Sucre. Die Flugdauer beträgt ca 1,5h für ca. 60  - 100 € bei BoA-Bolivien Airlines, die ganztägig ca alle 1 - 2 h fliegen. Die Buchung ist einfach über z. B. Skyscanner.de und mit z. B. Visa/MasterCard möglich.
Bei Einreise erhält man im Flugzeug zwei Zettel die man ausfüllen muss. Dies sind Ja/Nein Fragen. Die Flugbegleiter helfen gerne. In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.
Einige Famulaten konnten die Materialien auch vor Ort besorgen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Gutes Spanisch ist sehr von Vorteil. Die Famulantin ist ohne Spanischkenntnisse angereist und hat nur das zahnärztliche Vokabular auswendig gelernt, plus ca. sechs Sprachstunden in Sucre. Die Verständigung mit Erwachsenen war ok (manchmal mit Händen und Füßen). Bei den Kindern wären bessere Kenntnisse von Vorteil gewesen, um sie zu überzeugen sowie zu beruhigen, um dadurch Füllungen machen zu können. Zudem hätte die Technik des Zähneputzens besser erklärt werden können, aber "zeigen" geht auch.
Es gibt keinen Übersetzer vor Ort, man ist auf sich allein gestellt.
Der Besitzer des Hostels spricht Englisch. Er fungiert als Ansprechpartner für organisatorische Fragen vor Ort.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Zahnstation befindet sich im Dorf "Challa". Isla del Sol.
Die Famulantin berichtet, dass ihr Aufgabenfeld zahnärztliche Behandlungen im konservativen Bereich umfasste. 70% Erwachsene und 30% Kinder. Das heißt, hauptsächlich Füllungen und Extraktionen oder Zahnreinigungen. Keine Endos oder Prothetik. Außerdem Aufklärungsarbeit und Fluoridierung für die Kinder. Konkret: Zucker schadet den Zähnen, mind.2x am Tag putzen, wie putzt man, Zahnbürsten verschenken. 
Zur Ausstattung gehört ein relativ moderner Behandlungsstuhl. Die zahnärztliche Einheit funktioniert teilweise. Der große Sauger geht nicht und der kleine manchmal. Zu manchen Zeiten gibt es kein fliessendes Wasser auf der Insel.
Die Öffnungszeiten wurden auf 9:00 Uhr - 12:00 Uhr sowie 15:00 Uhr - 18:00 Uhr festgelegt. Bei den Patienten handelte es sich um die Dorfbewohner und die Bewohner der Nachbardörfer. Meistens kamen die Patienten bei akuten Schmerzen, aber manchmal auch, wenn ihnen z. B. im Frontzahnbereich Karies aufgefallen ist. Die Dorfbewohner zeigten sich meist sehr kooperativ und dankbar.
Station in Santa Cruz: 
Eher kleines Zimmer in einem Kinderhort, zu 70% Behandlung von Kindern, gute Ausstattung, Füllungen, Extraktionen, Fluoridierungen möglich.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Hin- und Rücklug: ca. 1.000 €
Impfungen: ca. 500 €
Unterkunft und Verpflegung: ca. 500 €
Kleines Kostenbeispiel: Zwei Liter Wasserflaschen: 9 Bolivianos, also ca 1,10 €.
Zudem eine Woche Reisen im Vorraus/Anschluss durch Bolivien mit jeglichem Transport, Hostel und Eintritt für ca. 300 €.
(Angebot von Max Steiner, Vorsitzender von Hostelling International, der mit Dr. Anette Schoof-Hosemann zusammenarbeitet und für organisatorische Dinge und Unterkunft zuständig ist. Sehr zu empfehlen!)

Preis-Beispiel (2018): 1200 Euro Unterkunft für 6 Wochen (inkl. Salz- und Silbertour, Frühstück, Inlandsflügen /Transfer, z.T. Halbpension), 500 Euro für Extratouren am Wochenende und Essen

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Impfungen können beim Tropeninstitut oder in der Missioklinik (etwas günstiger) angrefragt werden. Wenn man im zahnärztlichen Bereich tätig ist, empfehlen sich u. a. Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Hep. A und Meningokokken (bitte vor Ort informieren lassen). Die Impfstoffe selber sind relativ teuer und müssen teilweise in wöchentlichen Abständen verabreicht werden, deshalb früh genug vor Abreise darum kümmern. Nur manche Krankenkassen erstatten die Kosten, es lohnt sich aber immer nachzufragen.
Sucre liegt auf ca. 2800m Höhe und eignet sich bzgl. der Höhenluft daher für ein paar Tage zur Akklimatisation und um evtl. einen Sprachkurs zu machen (sehr nette Sprachlehrerin dort von HI organisiert).
Isla del Sol: Das Klima auf 3800m Höhe ist etwas extremer. Tagsüber ist die Sonne sehr stark (teilweise Sonnenbrand trotz Sonnencreme 50+). Also Sonnencreme und Sonnenhut!
Nachts eher kühl und schlechte Dämmung im Hostel (+/- 10°C im Sept/Okt). Daher dicke Schlafsäcke und eine gute (Daunen)Jacke sowie Fleecepullis sehr zu empfehlen.
Anfangs oder Zwischendurch kann es durch die Höhe zur leichten Höhenkrankheit kommen. Man ist anfälliger für
Magenverstimmungen (food poisson). Der Körper braucht mind. 2-3 Tage um sich an die Höhe anzupassen (es bilden sich neue rote Blutkörperchen). Anfangs löst leichte Bewegung starke Atmung aus und evt. Kopfschmerzen. Hilfreich ist viel gekauftes Wasser und kein Leitungswasser zu trinken. Vor allem "mate de coca" - Tee aus Blättern des Cocastrauchs - sowie "sarochji pills" - Aspirin und Cocapulvermix - aus der Apotheke sind empfehlenswert.

Zum Abschluss…
"Eine Woche zusätzliche Reise in Bolivien einplanen und unbedingt die Salar der Uyuni besuchen (unglaubliche Natur!!!) und sich in Potosi die Goldminen anschauen."
"Wirklich sehr zu empfehlen! Es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert und wir werden die Zeit in Bolivien nie wieder in unserem ganzen Leben vergessen!"

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Zweite Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Sucre (und umliegende Dörfer)
Organisation und Kontakt:
Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.)
c/o Dr. Ekkehart Schlichtenhorst, Wasserburger Str. 29,
88149 Nonnenhorn
Tel.: 08382-8486
E-Mail: info@fcsm.org

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Zwei bis vier Monate.
Organisation: Sehr wenig. Flüge mussten gebucht werden bis zum Zielort Sucre. Vor Ort wurden die Famulanten durch den Organisator Dr. Schlichtenhorst abgeholt. Für die Unterkünfte & Verpflegung kam die Organisation auf. Versicherungsschutz: über die Apotheker & Ärztebank
Flug: mit Air Europa von Frankfurt über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra. Von dort aus weiter mit BoA nach Sucre (ca 1200 Euro). Impfung: Gelbfieberimpfung, Hep A, Typhus sollte gemacht werden.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Es wird kein Visum benötigt. Bei der Einreise erhält man für 30 Tage einen Stempel mit Datum. Dieser kann zweimal auf dann insgesamt 90 Tage verlängert werden.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Eine Famulantin reiste mit AirEuropa von Frankfurt nach Santa Cruz und dann mit der Fluggesellschaft BoA (Boliviana de Aviacion) nach Sucre. Hinsichtlich des Zolls sowie Spenden, einfach den "Touristen" geben.
Spenden: Durch die Famulanten nicht so organisieren. Die Organisation schickt dem Famulanten kurz vor Abflug ein kleines Paket zu, welches im aufzugebenden Gepäck zu verstauen ist. Am Ankunftsflughafen Santa Cruz de la Sierra gab es keinerlei Probleme
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig. Herr Dr. Ekkehart Schlichtenhorst ist ggf. ebenfalls vor Ort und kann z. T. mit übersetzen. Die Organisation stellt zwar online ein Mini-Wörterbuch an Zahnmedizin-Behandlungs-Spanisch zur Verfügung, aber Alltagskommunikation sollte in Grundzügen vorhanden sein. Die Organisation empfiehlt ansonsten einen 3wöchigen Vorab-Spanischkurs in Cochabamba in einer Partner-Spanischschule.
Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten berichten, dass ihr Aufgabenfeld sich hauptsächlich auf okklusale Kompositfüllungen an 6ern bezog. Seltener gab es aproximale Karies an den Seitenzähnen. Auch Frontzahnfüllungen und Extraktionen von Wurzelresten oder von tief zerstörten Zähnen wurden durchgeführt. Ein gängiges Phänomen waren Wurzelreste bleibender UK 6er und viel Karies. Zahnreinigungen waren ebenfalls im Repertoire, sogar mit Schallgerät. Zudem natürlich der generell wichtigen Mission: Prophylaxe, gemeinsames Zähneputzen mit geschenkten Zahnbürsten.
Behandelt wurden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren.
Die Ausstattung, sogar in doppelter Ausführung, waren wie folgt: mobile Einheit mit Turbine, Winkelstück und Luft-Wasser-Bläser. Hinzu kommen mobile Absaugung, allerhand Instrumente, Verbrauchsmaterialien, Patientenstuhl, Behandlerstuhl und ein Autoklav.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Beim Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.) behandelt man gegen Kost und Logis. In Sucre werdet ihr im Corona Real Hostal nahe am Terminal untergebracht sein. Je nachdem wie euer Einsatzplan aussieht, werdet Ihr weitere Dörfer, wie z. B. das kleine Bergdorf und Internat "Pitantorilla" besuchen sowie nächtigen.
Die Flüge kosteten ca. 1.200 - 1.400 €.
Unterkunft: Für Ausflüge am Wochenende pro Tag ca 8,00 €
Ausflüge: organisierte 2 Tages-Ausflüge ca. 50-80 € insgesamt (inkl. Verpflegung, Hostel)
Essen: ist nur am Wochenende selbst zu finanzieren (ca. 7 € pro Tag)
Busfahrt in der Stadt: 0,70 €

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Viel Elektrolytlösung mitnehmen und „Fernet Branca“ heilt jede Magenverstimmung.
Für eine ausreichende Kommunikation empfiehlt es sich allen Bewerbern vorab mit der spanischen Sprache vertraut zu machen, da sie als direkter Schlüssel zu den Patienten gilt. Selbst ein Volkshochschulkurs A1 kann vorab schon gut helfen, einfache Kommunikation mit der Bevölkerung zu betreiben. Zwei Handtücher sind besser als eins. Kaffee gibt es in Dörfern kaum zu kaufen, besser aus den Städten mitnehmen.

Zum Abschluss…
"Nach fünf Wochen konnten wir danach froh und stolz unsere wohl verdiente Reise durch Bolivien und Peru antreten".
"
Sechs unvergessliche Wochen lagen hinter mir: Vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, schönen Momenten und auch Anstrengungen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich mit dem FCSM machen durfte und die Freundschaften, die entstanden sind.".




Famulaturbericht vom 06.05.2019 in Bolivien

2019: Bolivien

Von: Janina Staats (Universität Jena)
Organisation: FCSM e.V
Zeitraum: 01.02.19 - 01.04.19

Lust auf eine außergewöhnliche Erfahrung?

Diese Frage stellte ich mir zusammen mit meiner Kommilitonin Judith und wir begannen ca. ein Jahr vor Projektbeginn zu recherchieren. Schon bald fanden wir die Homepage vom FCSM e.V. und waren vom „bolivia movil Projekt“ begeistert: Mit einer mobilen Zahnarztpraxis durch Bolivien in abgelegenen Dörfern aufs Land reisen? Wie cool ist das denn? Zudem wird die Organisation über den ZAD durch den DAAD gefördert, sodass Studenten einen Fahrtkostenzuschuss erhalten. Die Reise nach Bolivien kann Student also durchaus allein stemmen. Nun gab es nur noch eine Hürde: Finde einen erfahrenen Zahnarzt! Keine leichte Aufgabe, denn welcher Zahnarzt kann mal eben seine Praxis für 4-5 Wochen verlassen? Und doch fanden wir einen bereitwilligen Zahnarzt über einen Facebook-Aufruf. Wir trafen uns mit ihm und liefen auch einige Tage in seiner Praxis mit, um sich besser kennen zu lernen. Alles passte! Wir meldeten uns zusammen beim FCSM an. Endlich! Dr. Ekkehard Schlichtenhorst nahm unsere Bewerbung an und das große Organisieren konnte beginnen. Darüber hinaus entschieden wir uns, vor Projektbeginn für eine kleine Rundtour durch Peru. Alles geplant und gebucht erhielten wir ca. 1,5 Monate vor Reisebeginn eine Absage von unserem Zahnarzt…Was nun? Judith und ich versuchten über alle möglichen Medien und Mundpropaganda einen anderen interessierten Zahnarzt zu finden. Auch Ekkehard suchte mit, doch das Projekt schien ins Wasser zu fallen. Uns drohte ein Verlust der schon gezahlten Reisekosten von ca. 1500 € (schließt auf jeden Fall eine Reiserücktrittsversicherung ab!). Kurz bevor wir unseren Flug stornieren wollten, kam ein Lösungsvorschlag von Ekkehard: Wir könnten auch ohne Zahnarzt fliegen, indem wir die erste Woche mit ihm selbst zusammenarbeiten und die restliche Zeit in Padilla und Umgebung mit bolivianischen Zahnärzten. Puhh… Das war knapp! Wir nahmen an.

Im Folgendem berichte ich zunächst über unsere Rundtour durch Peru. Wen das nicht interessiert, kann bis zum 08.03.19 vorscrollen. Meiner Meinung nach lohnt sich aber ein Besuch in Peru und lässt sich gut kombinieren.

Der Tag der Abreise war da (27.02.19). Unser Flug ging von Frankfurt über Madrid nach Lima in Peru. Dort verbrachten wir 2 Tage in der brütend heißen Hauptstand und hielten das erste Mal unsere bleichen und vom Flug geschwollenen Füße in den Pazifik. Lima hat wirklich viel zu bieten. Neben den vielen Touri - shopping -Möglichkeiten und dem für uns übermächtigen Verkehr (irgendwann hört man das Gehupe nicht mehr…versprochen), gab es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu entdecken. So ließen wir uns Ceviche und Pisco Sour (sehr stark) schmecken.

Unsere nächste Station war der Nabel der Welt: Cusco. In der ca. 3400 m hohen Stadt spürten wir sehr deutlich die dünne Luft…macht also langsam. Hier mieteten wir uns über AirBnb bei einer Familie ein, sehr gastfreundlich und ordentlich. Auch Cusco ist einen Besuch wert! Das Zentrum ist zwar sehr touristisch, aber wirklich schön.

Von Cusco aus flogen wir nach Puerto Maldonado und besuchten die Cayman Lodge mitten im Dschungel. Hier wurden verschiedene Touren zu Fuß oder Boot angeboten. Die unglaubliche Artenvielfalt im peruanischen Dschungel ist wirklich sehr beeindruckend. Wir waren stehts mit einem persönlichen Guide unterwegs, welcher uns die Flora und Fauna näher brachte. Ich konnte sogar einen Piranha erangeln (laut Guide sind diese wohl nur in Hollywood gefährlich).

Nach 2 Nächten im Dschungel machten wir uns auf den langen Weg nach La Paz. Dazu flogen wir zurück nach Cusco (ging leider nicht anders) und kauften Nachtbustickets zunächst nach Puno am Titicacasee. Erst nach dem Ticketkauf lasen wir die besorgniserregenden Warnungen auf der Homepage des Auswärtigen Amtes: „Von Nachtfahrten mit Bussen wird strengstens abgeraten. Das Risiko, in Peru Opfer von Überfällen, Diebstählen oder Entführungen zu werden, ist erhöht.
Von nächtlichen Bus- und Überlandfahrten wird abgeraten. Insbesondere in den Regionen um Ica, Arequipa, Puno, sowie zwischen Puerto Maldonado und Cusco können nächtliche Überfälle auf Überlandbusse, vereinzelt mit sexuellen Übergriffen und Waffengewalt verbunden, nicht ausgeschlossen werden.“
Klasse! Aber eine Alternative gab es nicht wirklich (nur wieder das Flugzeug zurück nach Lima und von dort nach La Paz). Das passte aber nicht in unseren Zeitplan. Also Augen zu und durch. Im Bus klammerten und verknoteten wir uns an unser Gepäck. Eine schlaflose Nacht später erreichten wir zerknirscht aber unbeschadet Puno. Dort stiegen wir in das nächste Micro (Kleinbusse, die vor allem von Einheimischen für´n Apfel und ´n Ei genutzt werden und zwischen den Ortschaften pendeln) und fuhren immer den Titicacasee entlang nach Desaguadero. Hier überquerten wir zu Fuß die Grenze nach Bolivien (Aus- und Einreisestempel nicht vergessen…wir mussten prompt nochmal umkehren und haben die Grenze streng genommen drei Mal passiert). Nun stiegen wir ins nächste Micro und waren endlich in La Paz.

La Paz war auch ein echtes Highlight. Leider hatten wir zu wenig Zeit und entschieden uns für eine Rundfahrt mit der größten städtischen Seilbahn der Welt. Herrlich! Am Abend besuchten wir den Hexenmarkt und betrachteten u.a. mit einer Mischung aus Mitleid und Eckel die getrockneten Lamaföten, die es an jeder Ecke zu erwerben gab.

Am nächsten Morgen (08.03.19) flogen wir nach Sucre, wo uns Ekkehard vom Flughafen abholte (das ist der Moment, die FCSM-Shirts anzuziehen). Auch hier fuhren wir per Micro in die Stadt und strandeten zunächst im Hostal "Corona Real". Hier bekamen wir ein kleines aber feines  Doppelbettzimmer mit Gemeinschaftsbade-zimmer. Es gab zwar fließend heißes Wasser, allerdings hatten wir so unsere Probleme mit der Toilettenspülung…Wir luden unsere Sachen ab, dann gab uns Ekkehard eine kleine Rundtour zur Markthalle, wo wir zu einem leckeren erfrischenden Fruchtsaft eingeladen wurden (siehe Foto). Nach dieser Stärkung ging es dann ins HI (Hostelling International), wo die komplette zahnärztliche Ausrüstung gelagert wird. Hier wurden wir nun endlich unsere Verbrauchsmaterialen los, die wir aus Deutschlang mitgebracht hatten. Jetzt begann das große Sortieren, Reinigen, Auffüllen, Sterilisieren und Verpacken. Die Ausrüstung ist sehr umfangreich und so hatten wir am Ende 14 Gepäckstücke, die es zu transportieren galt. Am nächsten Tag, traf dann auch das zweite Team im Hostal ein. So verbrachten wir in der ersten Woche die Abende meist in größerer Runde mit Wein und lustigen Geschichten. Die Woche über arbeiteten wir mit Ekkahard an einer Schule etwas am Rande Sucres (U.E.Gualberto Paredes F. Fe y alegria). Dort wurden wir einem Raum zugewiesen (Essenssaal? Computer-zimmer? Lagerraum? Vorratskammer? Man wusste es nicht genau – siehe Foto). Wir bauten unsere kleine Zahnarztpraxis zusammen mit Ekkehard auf und wurden anschließend von der Schulleitung herzlich begrüßt sowie den Schülern auf einer Bühne vorgestellt. Große staunende und interessierte Augen blicken uns an. Dann ging auch schon die Behandlung los. Man schickte uns immer drei bis vier Kinder ins Behandlungszimmer (vormittags ca. 13 bis 17-Jährige, nachmittags 5 bis 12-Jährige). Die Kinder hatten einen großen Behandlungs- und Aufklärungsbedarf. Fast alle Kinder hatten Fissurenkaries und so versuchten wir, quadrantenweise zu sanieren. Füllung, Füllung, Füllung… bis zum abwinken. Auf einem Holzstuhl richteten wir unsere Limpieza-Station ein, sodass wir etwas Abwechslung hatten. Zahnextraktionen gestalteten sich hier schwierig, weil in Bolivien zuvor eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen muss. So gaben wir den Kindern fleißig unsere Einverständniszettelchen für die Eltern mit, aber nur wenige Kinder kamen wieder. Für uns unverständlich, die tief zerstörten morschen Zähne belassen zu müssen. Trotzdem machte das Behandeln spaß. Die Kinder sind richtig brav. Mutig legten sie sich auf den Stuhl und ertrugen ohne groß zu fragen unsere Behandlung. Die erste Woche mit Ekkehard verging wie im Flug und war eine gute Möglichkeit, sich mit der Behandlungseinheit und den Materialien vertraut zu machen. Am Samstag nahmen wir Abschied von Ekkehard, er musste nach Deutschland zurück. Nun waren wir auf uns allein gestellt.

ZAD-Famulatur-Bolivien-2019ZAD-Famulatur-Bolivien-2019

Am Wochenende unternahmen wir einen Ausflug nach Potosí. Die Stadt liegt ca. zwei Autostunden südwestlich von Sucre und ist bekannt geworden, durch ihren Silberreichtum und ihrer Silbermünzprägung. Noch heute werden im Berg „Cerro Rico“ (dt. Reicher Berg) verschiedenste Mineralien und Metalle abgebaut, was viele Einheimische als lukrative Einnahmequelle nutzen. Doch die Arbeitsbedingungen haben uns schockiert. Es ist offiziell erlaubt, dass Jungen ab dem 14. Lebensjahr (oft sind sie sogar noch jünger) nachts im Berg arbeiten dürfen. Tagsüber sollen sie zur Schule gehen. Es gibt Führungen ins Bergwerk, doch soll vorher erstmal für die Bergarbeiter eingekauft (Zigaretten, Alkohol, Kokablätter…) und an die Arbeiter und Kinder verschenkt werden. Wir selbst haben diese Tour nicht gemacht. Wir waren allein auf dem Berg unterwegs und konnten uns so ein Bild vor der Situation verschaffen. Eine wirklich andere Welt.

ZAD-Famulatur-Bolivien-2019Am Sonntag fuhren wir nach Sucre zurück, packten unsere Rucksäcke und 14 Gepäckstücke zusammen und weiter ging es mit dem Bus nach Padilla, einem Dörfchen ca. vier Autostunden östlich von Sucre. Dort angekommen wurden wir von einem Fahrer und einer Zahnärztin (Dr. Montero) mit einem Pickup aufgelesen und zum Hospital chauffiert, wo wir unsere Ladung abluden. Anschließend wurden wir in unser Hostal am Markt gebracht. Das Ganze hat erstaunlich gut geklappt…Puhh. Dies sollte für die nächsten 3 Wochen unser Domizil sein, wir waren mehr als zufrieden…vorerst. Es war ein großzügiges Doppelbettzimmer mit eigenem Bad und Balkon mit Blick auf einem kleinen Park. Ein Träumchen. Doch hatten wir keine Kochmöglichkeit und auch bald die doch sehr eintönige bolivianische Küche satt (nehmt euch vielleicht einen kleinen Kocher oder dergleichen mit). In Anbetracht der langen Zeit beschlossen wir, uns es so angenehm wie möglich zu machen und so nahm unser Zimmer fast täglich an Wohnlich- und Gemütlichkeit zu. Bald fühlten wir uns wie Zuhause. Am Montag begann der erste Arbeitstag. Wir sollten 8:00 Uhr am Hospital sein. Dort wurden wir offiziell von Dr. Arcil, Leiter der zahnärztlichen Abteilung, begrüßt. Anschließend sollten wir das Odontomobil mit unseren Materialien beladen. Und da war es: Die mobile Zahnarztpraxis (siehe Foto). Vollständig und modern eingerichtet mit komplettem Behandlungsstuhl, eingebauten Schränken, Steri und Röntgengerät. Wir konnten den Kontrast zu den dort ansässigen Behandlungsräumen gar nicht fassen. Uns erwartete also ein sehr komfortables Arbeiten.

In der ersten Woche in Padilla betrug die Fahrzeit mit dem Odontomobil zu den ortsansässigen Schulen durchschnittlich 5 Minuten. Dort angekommen behandelten wir ca. 5 bis 12-jährige Kinder von 9‑12 Uhr und von 15-18 Uhr. Das Odontomobil parkte immer direkt vor der Schule und so linsten häufig große neugierige Augen in das Fahrzeug. Insgesamt gab es nur drei Hospital-Zahnärzte, die uns abwechselnd begleiteten. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm: Judith und ich behandelten immer im Wechsel und der jeweilige Zahnarzt führte sowas wie Doku. Bei Fragen waren sie stehts hilfsbereit sowie neugierig und interessiert an unseren Materialien und Behandlungsweisen (z.T. gibt es gravierende Unterschiede in diversen Behandlungstechniken). Ich hatte schon den Eindruck, dass es auf beiden Seiten Erkenntnisgewinne gab.

Am Wochenende unternahmen wir einen Ausflug nach Villa Serrano ca. zwei Autostunden nördlich von Padilla. Ein süßes kleines Örtchen mit einer beeindruckenden Natur sowie Wanderoptionen. An einem kleinen Verkaufsstand erwarben wir unsere Sombreros (ein absolutes Mitbringsel-Muss). Außerdem gab es dort unseren heißgeliebten Cappuccino, denn die Bolivianer machen sich anscheinend nicht viel aus Kaffee…wie seltsam.

Die zweite Woche in Padilla fuhren wir auf das umliegende Campo (Land). Abfahrtszeit war diesmal schon 7:30 Uhr. Wir beluden das Odontomobil und fuhren los. Die meisten Straßen sind unbefestigt und aufgrund der Regenzeit waren sie regelrechte Schlammpisten. Da außerdem irgendwas mit dem Motor nicht stimmte, musste das Mobil aufgeben. Hinter uns fuhr noch das Ambulancia-Mobil (siehe Foto) mit offiziell drei Sitzplätzen. Kurzer Hand luden wir unseren 14 Gepäckstücken und uns selbst um. Zu fünft setzen wir im Ambulancia-Mobil die Fahrt fort…Ciao Ciao Odontomobil. Wir haben es nie wiedergesehen. Ziel unserer Fahrten auf dem Campo waren stehts Schulen (in La Cienaga, UE Marcelo Quiroga Santa Cruz, San Julian Alto und Lampacillos). Total verrückt: Mitten im Nirgendwo ein Schulgelände. Dort bekamen wir, wie in Surce auch, einen Raum zugewiesen und bauten so täglich unser Behandlungszimmer auf und wieder ab. Unsere Instrumente sterilisierten wir abends im Hospital in Padilla. Hier auf dem Campo durften wir endlich mal die vergammelten Zähne ziehen. Das war eine willkommene Abwechslung zu: Füllung, Füllung, Füllung… Mittags wurden wir glücklicherweise umfangreich bekocht, was auch dringend nötig war. Die Arbeit auf dem Campo war etwas härter, da wir möglichst alle Kinder behandeln sollten (zw. 23-27 Kinder pro Tag). Völlig erledigt, aber glücklich über unser Werk ging auch die zweite Woche vorbei.

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In der dritten Woche arbeiteten wir in Tabacal. Mit dem Ambulancia-Mobil fuhren wir ewig über holprige Straßen und durch atemberaubende Natur. Plötzlich baute sich ein mächtiger Dschungel vor uns auf. Wir waren begeistert. Am Ziel angekommen, staunten wir weiter: Eine Klinik mitten in der Wildnis? (siehe Foto) Es wurde immer verrückter. Wir wurden in einem Geburtenraum, wo zwei Krankenhausbetten standen, untergebracht. Sehr ordentlich und wieder mit eigenem Bad. Aber auch eine Klinik hält die Dschungelbewohner nicht fern und so musste Judith zunächst zwei riesige Spinnen aus unserem Zimmer entfernen. Nach einem kleinen Frühstück bekamen wir ein Behandlungs-zimmer zugewiesen, in dem wir mittlerweile sehr routiniert unseren Behandlungsplatz aufbauten. Hier arbeiteten Judith und ich allein und zwei weitere Zahnärzte in einem anderen Behandlungszimmer. Wenn wir Fragen hatten, wurde uns auch hier sofort geholfen. Mittags und abends wurden wir wieder bekocht. Insgesamt glich die Zeit in Tabacal eher einem Urlaub. Die Gegend ist einfach wunderschön und das Klima eher tropisch. Von allen Orten in Bolivien hat es mir persönlich hier am besten gefallen. Ich wäre gern länger geblieben…Doch unsere Zeit war vorbei.

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Bereits am Donnerstag fuhren wir mit dem Bus nach Sucre zurück. Die Ausrüstung verstauten wir im HI. Es folgte noch ein Besuch beim Migrationsamt, denn unsere 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung lief bald ab. Einige Tage verbrachten wir noch im heißen Santa Cruz. Wir wollten uns noch eine schöne Zeit machen, doch war diese geprägt durch stetiges Nachdenken: Was für ein schönes und doch so unterschiedliches Land und obwohl die Menschen oft nicht viel haben, sind sie ohne wenn und aber sofort bereit, alles mit einem zu teilen. Wir haben uns immer willkommen gefühlt, wurden neugierig angesprochen und häufig eingeladen (z.B. zum Kühe melken). Wir können uns eine dicke Scheibe von den Bolivianern abschneiden.

An dieser Stelle möchte ich mich bedanken: Danke an Judith, die mit mir diese außergewöhnliche Erfahrung geteilt und sich durch Höhen und Tiefen gekämpft hat. Danke an die bolivianischen Zahnärzte, die uns sofort als Kollegen angesehen und in ihrem Team aufgenommen haben. Danke an die Bolivianer, die mir zeigten, wie man Menschlichkeit lebt. Und ein dickes Lob an den FCSM insbesondere an Ekkehard, der uns die Erfahrung erst ermöglicht und die erste Woche mit uns verbracht hat. Ich hätte mir kein besseres Projekt als „bolivia movil“ vorstellen können.

Das war tatsächlich eine außergewöhnliche Erfahrung!