Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Peru

Erste Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?

Ort: Peru, Urubamba (Nahe Cusco)
Organisation und Kontakt:
Zahnärzte helfen e.V.
1. Vorsitzender Dr. Norbert Reiß
Konrad-Adenauer-Str. 2
64807 Dieburg
Tel.: 06071 25552
Fax: 06071 21938
E-Mail: za-helfen@arcor.de
www.za-helfen.de

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Einige Famulanten starteten ihre Vorbereitungen bereits sechs Monate vorher, andere sogar nur drei Wochen. Zur Vorbereitung gehört u. a. das Sammeln von Spenden, Sprachkenntnisse erlernen und Fahrtkostenzuschüsse beantragen. Impfung: Tollwut, Hepatitis A/B, Typhus, Meningokokken-Meningitis ACWY, Gelbfieber. Nach der Approbation ist zusätzlich eine Berufshaftpflichtversicherung notwendig. Reisekrankenversicherung wird vorausgesetzt.
Die Flüge kann man entweder über einen europäischen Flughafen direkt nach Lima/Südamerika wählen oder über die USA als Zwischenstopp, was jedoch ein gültiges ESTA Visum voraussetzt.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Ein Visum wird nicht benötigt. Der Reisepass reicht aus. In Peru selbst beantragt man bei der Einreise ein kostenloses Touristenvisum.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Einige Famulanten berichten, dass es keine Probleme gab. Bei anderen wurden z. B. Spiegel und Sonden kontrolliert. In diesem Fall dem Zoll einfach sagen, dass es sich um Geschenke für einen Zahnarzt handelt.
Desinfektionsmittel sind nicht erlaubt. Weitere Famulanten mussten in Lima die Koffer wegen spitzen Gegenständen (Sonden, Pinzetten) öffnen, konnten dann aber damit weiterreisen. Die Fluggesellschaft LAN fliegt direkt von Madrid nach Lima (sehr angenehm, da Nachtflug). Unbedingt von Lima nach Cusco weiterfliegen.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Es ist von Vorteil fließend Spanisch zu sprechen, auch wenn vor Ort auf Spanisch sprechende Freiwillige des Hilfsprojektes zurückgegriffen werden konnte, die auf Deutsch oder Englisch übersetzen. Bei Angeboten für Touristen versteht fast jeder Englisch.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Ein Baustein des Gesundheitsprojektes ist die zahnmedizinische Prophylaxe an den Schulen. Ein andere Teil des Projektes umfasst die Behandlung der Kinder aus den kooperierenden Schulen. Hierfür werden zwei Postas betrieben. Eine befindet sich im Chicon Tal und die andere im Huilloc Tal, beides Seitentäler des Heiligen Tals an dessen Anfang Urubamba liegt.
Die Behandlungsstühle waren zwar schon älteren Baujahrs aber voll funktionsfähig. Auch bei den notwendigen Materialien fehlte es an nichts. In diese recht gut ausgestatteten Behandlungsstationen kommen in der Regel Kinder aus den benachbarten Schulen und werden hier zahnmedizinisch versorgt. Die Estacion movil hat weniger Verbrauchsmaterial, in den Bergen in Chaullaccocha und Chupani muss alles mitgebracht werden
Überwiegend werden Fissuren versiegelt, Füllungen gelegt und hin und wieder mal auch ein Zahn extrahiert.
Es wird von Montags bis Freitags behandelt.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Flug: ca. 1.000 €
Unterkunft Hotel: 20 $/Nacht
Unterkunft bei einer Familie: 80 €/Monat (bzw. 350 SOL/Monat)
Mittagessen: ca. 1,50 - 6 €
Abendessen: ca. 5 - 10 €
Wasser: 3L = 4 SOL (Wechselkurs: 1 € = ca. 3,30 SOL)
Ausflüge (Machu Picchu, etc.): je nach Budget von 150 € - 500 €
Anderen Famulanten hat die ganze Famulatur ca. 2.000 € gekostet.

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Frühzeitige Bewerbung bei der Organisation.
Es handelt sich bei dem Projekt um ein Kinderhilfsprojekt, sodass die Behandlungszeiten weitesgehend während der Schulzeiten der Kinder stattfinden, daher sollte ein Spaß am Umgang mit Kindern vorhanden sein.
Eine Stirnlampe kann nie schaden. Ob bei der Behandlung, in Hostels oder beim Wandern.
Ein ISIC (internationaler Studentenausweis) lohnt sich, wenn man z. B. den Machu Picchu besucht.Lernt ein bisschen Spanisch, dann tut ihr euch viel leichter mit allem!
Gerne hätten die Famulanten vorab gewusst, welche Spenden wirklich benötigt werden.
Größere Trips bzw. Touren sind vor Ort bis zu 70% günstiger als bei vorab Buchungen in Deutschland oder online und aufgrund der zahlreichen Anbieter täglich buchbar.
Das Wichtigste ist ein relativ sicheres Spanisch. Wenn man gut spanisch spricht kann ich Jedem eine Famulatur in Camaná, Peru wärmstens empfehlen.

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Zweite Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ansprechpartner: Mons. Percy Fernando Saavedra Ramirez
Adresse: Apartado Postal 55 – Jirón Piérola 322 – Camaná, Peru
E-Mail: obischuquibamba@gmail.com
Tel.: +54 571272

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Die Vorbereitungen haben knapp 4 Monate gedauert. Impfungen müssen rechtzeitig getätigt werden, Versicherungen lassen sich auch kurzfristig organisieren, Flüge sollten alleine aus Kostengründen zeitig gebucht werden, Unterkunft und Transfer wurden zum Glück von der Organisation gestellt, aber auch dies musste natürlich zeitig besprochen werden. Sonst sind Materialienspenden und die Kontaktaufnahme mit Dentalfirmen etwas was Zeit in Anspruch nimmt und natürlich die Organisation des Ablaufs der Famulatur mit den Menschen vor Ort sollte schon mehrere Monate vorher besprochen werden.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Ein Visum wird nicht benötigt. Der Reisepass reicht aus. In Peru selbst beantragt man bei der Einreise ein kostenloses Touristenvisum.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Die Famulanten hatten keine Probleme mit den Spenden bei der Einreise, wurden aber auch nicht vom Zoll kontrolliert. Bei der Fluggesellschaft hatten sich die Famulanten vorher erkundigt und es wurde versichert das der Transport der Materialien im Gepäck kein Problem darstellen würde, auch wenn es auf Bildern und Plakaten im Flughafen teilweise eindeutig anders deklariert war.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Fließendes Spanisch ist ein absolutes Muss! Als die Famulanten vor Ort waren, war ein anderer deutscher Volontär vor Ort der ihnen für den Monat der Famulatur begleitet hat, aber das wird nicht immer der Fall sein. Zwar werden andere Volontäre da sein, diese werden allerdings für andere Projekt eingeteilt sein und die Bevölkerung spricht kein Englisch.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?

Behandlung (hauptsächlich Füllungen, Prophylaxe und Extraktionen) in einer Zahnarztpraxis mit Ausstattung ähnlich deutscher Verhältnisse aber auch Behandlung in den Bergen ohne Strom und Licht in einem Gartenstuhl. Die Patienten sind alle sehr herzlich und dankbar, haben aber sehr viel Behandlungsbedarf, besonders in den abgelegenen Bergdörfern. Viele der Patienten sind Kinder, die allerdings auch schon sehr kariöse Zähne haben.


7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?

Flug: 1000€
Unterkunft: gestellt, Verpflegung: Frühstück und Mittagessen durch die Woche i. d. R. auch gestellt.
Preise generell wesentlich günstiger als in DE, ca. ½ - ¼ des deutschen Preises.

Gesamtkosten dementsprechend bei ca. 1700€, durch Förderung des DAAD/ZAD allerdings niedriger.

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Frühzeitige Bewerbung bei der Organisation.
Es handelt sich bei dem Projekt um ein Kinderhilfsprojekt, sodass die Behandlungszeiten weitesgehend während der Schulzeiten der Kinder stattfinden, daher sollte ein Spaß am Umgang mit Kindern vorhanden sein.
Eine Stirnlampe kann nie schaden. Ob bei der Behandlung, in Hostels oder beim Wandern.
Ein ISIC (internationaler Studentenausweis) lohnt sich, wenn man z. B. den Machu Picchu besucht.Lernt ein bisschen Spanisch, dann tut ihr euch viel leichter mit allem!
Gerne hätten die Famulanten vorab gewusst, welche Spenden wirklich benötigt werden.
Größere Trips bzw. Touren sind vor Ort bis zu 70% günstiger als bei vorab Buchungen in Deutschland oder online und aufgrund der zahlreichen Anbieter täglich buchbar.
Das Wichtigste ist ein relativ sicheres Spanisch. Wenn man gut spanisch spricht kann ich Jedem eine Famulatur in Camaná, Peru wärmstens empfehlen.

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Dritte Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Organisation: Peru-Aktion e.V
Homepage: www.peru-aktion.de
Ansprechpartner: Christoph Beckmann
E-Mail: christoph.beckmann87@gmail.com

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Die Famulanten haben sich ungefähr 3 Monate richtig vorbereitet. Sie haben sich gegen Gelbfieber impfen lassen und eine Reiseschutzversicherung über die Apobank abgeschlossen. Flüge,Transfer und Unterkünfte bekommt man relativ kurzfristig. Die meiste Vorbereitungszeit brauchten sie für das Sammeln der Spenden.

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Ein Visum wird nicht benötigt. Der Reisepass reicht aus. In Peru selbst beantragt man bei der Einreise ein kostenloses Touristenvisum.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder.
Der offizielle Weg die Spenden anzumelden vorher funktioniert leider nicht. Die Famulanten hatten für alle Fälle ein Bestätigungsschreiben der Organisation auf Spanisch dabei, mussten aber nicht durch den Zoll.
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanisch! Die deutschen Freiwilligendienstler konnten aber auch sehr gut aushelfen.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?

Es gibt eine Einheit, die relativ gut funktioniert. Da es keine Möglichkeit zum Röntgen gibt hat man Hauptsächlich die Wahl zwischen Füllungen und Extraktionen

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?

Etwas über 2000 Euro mit einem Monat Reisen noch dazu. Im Projekt selbst wohnt man kostenlos und bekommt 3 Mahlzeiten.

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Welche Materialien vor Ort wirklich gebraucht werden.


Zum Abschluss…
"Peru und seine unfassbar warmherzigen Menschen sind uns sehr ans Herz gewachsen und wir sind aus dem Land der Alpakas, des Pisco und der Berge mit einem lachenden aber auch einem weinenden Auge zurück nach Deutschland gekehrt."

"Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt und Peru an sich ist auf jeden Fall eine Reise wert und jetzt drei Monate nach unserer Rückkehr fallen uns mindestens fünfzig Gründe mehr ein, nach Peru zu reisen und dort eine Famulatur zu machen."

"Die Famulatur hat sehr viele neue Erfahrungen, Eindrücke und Einblicke gegeben und ich denke immer wieder gerne daran zurück!"


Famulaturbericht vom 26.08.2019 in Peru

2018: Peru

Von: Leonard Kohl (Universität Berlin)
Organisation: Peru-Aktion e.V. Centro Yanachaga
Zeitraum: 15.09.2018 – 13.10.2018

Schon zu Beginn meines Studiums hatte ich den Plan irgendwann in den höheren Semestern mit ein bisschen mehr Erfahrung eine Famulatur im Ausland zu machen und Menschen zu helfen, welche die Behandlung vielleicht etwas nötiger haben als die meisten Menschen in Deutschland. So wurde ich auch schon bald nach Eintritt in die Klinikzeit zur Ansprechperson des ZAD für die Charité Berlin, da es eine solche vorher nicht gab und kam so schnell mit dem Thema in Berührung.

Nachdem ich von Februar bis Mai 2018 mein 9. Semester über Erasmus in Madrid verbracht hatte, bat es sich an, daran anschließend eine Auslandsfamulatur zu absolvieren, da ich durch die voneinander abweichenden Semesterkalender in Deutschland und Spanien um 2 Monate verlängerte Semesterferien hatte. Um meine Spanischkenntnisse weiter zu festigen, wollte ich in ein spanischsprachiges Land, wodurch der Fokus auf Südamerika fiel. Nachdem diese Vorauswahl getroffen war, filterte ich also die Liste mit Ansprechpartnern des ZAD und schrieb einige Organisationen an. Da ich die Idee eher spontan während des Austauschsemesters und nicht schon ein Jahr zuvor hatte, machte ich mir keine allzu großen Hoffnungen. Nichtsdestotrotz meldete sich die „Peru-Aktion“ in Form von Christoph Beckmann (Christoph.beckmann87 @gmail.com/ Tel: +49 (0) 176 623 522 28/ www.peru-aktion.de) relativ schnell und schon bald kommunizierten wir unkompliziert über WhatsApp. Die „Bewerbung“ war dabei weitaus unkompolizierter als ich es mir vorgestellt hatte, denn schon nach einigen wenigen Gesprächen bekam ich eine verbindliche Zusage für September/ Oktober 2018 ohne je eine förmliche Bewerbung abgeschickt zu haben (dies war ca. im Mai 2018, also nicht einmal ein halbes Jahr vor Beginn). Die einzige Bedingung, welche die peru-Aktion an einen Bewerber stellt, welcher noch Student ist, ist dass dieser in Begleitung mit einem approbierten Zahnarzt anreist. Zunächst war damit für mich die Geschichte beendet, da mir auf Anhieb kein fertiger Zahnarzt einfiel, welcher mal eben 3-4 Wochen seine Praxis schließen könnte. Mir wurde geraten, mich dafür im Staatsexamenssemester meiner Universität umzuhören und zu fragen, ob von diesen jemand Lust hätte. Allerdings erzählte ich zuerst meinem Vater, welcher auch Zahnarzt ist, von der Geschichte und fragte beiläufig und scherzhaft, ob er denn nicht Lust hätte. Nachdem ich mich zunächst nicht weiter mit der Idee beschäftigte, war ich umso überraschter als mein Vater mir ein paar Tage später schrieb, wann es denn losginge nach Peru. Er meinte es wirklich ernst und hatte vor seinen diesjährigen Urlaub für die Famulatur zu „opfern“ und so planten wir fortan die Reise zusammen.

Ebenso unkompliziert wie die Annahme durch die Organisation gestaltete sich auch der Rest der Reisevorbereitungen; für Peru braucht man als Deutscher kein Visum, man muss lediglich aufpassen, falls man über die USA oder Kanada fliegt. Impfungen sind keine Pflicht, ich ließ mich aber trotzdem vorsorglich gegen Gelbfieber, Typhus und Hepatitis impfen; Tollwut und Meningokokken wurden mir auch angeraten, aufgrund des geringeren Risikos war ich dafür dann aber letztendlich einfach zu geizig (allein die Tollwut-Impfung kostet ca. 270 € - es lohnt sich also, zu gucken, ob die eigene Krankenkasse so etwas evtl. übernimmt). Meinen Flug buchte ich wie heutzutage wahrscheinlich fast jeder über eines der vielen Vergleichsportale (opodo, skyscanner, swoodoo etc.) erst ca. 2 Monate im Voraus, die Preise beobachtete ich allerdings schon eine ganze Weile länger. Das billigste Angebot fand ich über www.flugladen.de und sparte dort sogar gleich zweimal, da ich eine Verbindung fand, welche mir noch einen Zwischenstopp in den USA einräumte, und das sogar billiger als einen einfachen Hin- und Rückflug nach Südamerika. Außerdem wollte ich vor Reiseantritt noch einige Wochen in Chile und Bolivien verbringen, weshalb ich unterschiedliche Flughäfen für Hin- und Rückflug wählte. Insgesamt zahlte ich für die Verbindung Berlin - New York, New York - Santiago de Chile, Lima - Berlin 730€. Am Tage des Abflugs hatte ich dann noch Glück im Unglück, da mein Flug, als ich schon am Gate stand, gestrichen wurde und erst einen Tag später gehen sollte. Laut Flugrecht stehen jedem Passagier in einem solchen Fall bis zu 600€ Entschädigung zu, welche ich auch nach unkomplizierter Kontaktaufnahme mit der Airline bekam. Ein Tag weniger vom Urlaub hatte meine Flugkosten insgesamt also auf 130€ reduziert, damit konnte ich leben! Da ich mich im Anschluss an die Flugbuchung ebenfalls relativ spontan beim DAAD um einen Reisekostenzuschuss bewarb und diesen auch bekam, konnte ich mich finanziell wirklich nicht beschweren. Dieser Zuschuss wird jedem Studenten innerhalb von 2 Jahren einmal gewährt, solange der Aufenthalt mindestens 30 Tage beträgt (bei mir waren es genau 30) und man dafür eine Bestätigung von der Organisation neben einigen anderen Unterlagen einreicht. Die Höhe der Förderung ist von Land zu Land unterschiedlich und orientiert sich meist an den Flugkosten, so bekommt man für Peru insgesamt 903 € Förderung während es für beispielsweise Thailand nur 363€ sind.

Nun aber weiter zum Wesentlichen. Meine Kommunikation mit den zuständigen Ansprechpartnern war wie gesagt sehr unkompliziert, was mir eine große Hilfe war. So konnte ich sobald ich meine Flüge hatte alle Fragen direkt an sie stellen. Denn mit der Ankunft in Lima war ich noch lange nicht im Projekt angekommen, es folgten weitere 10h von Lima ins Landesinnere mit dem Bus nach Oxapampa und von dort dann nochmal 30 Minuten mit dem Taxi nach Huanca-bamba. Hier befindet sich die einst von deutschen Siedlern gegründete Hacienda Prosoya, welche seit fast 30 Jahren sozial benachteiligten Jungen die Möglichkeit gibt, ein normales Leben zu führen. Die Jungen wohnen auf der Farm und gehen jeden Tag ins Dorf zur nahegelegenen Schule. Am Nachmittag helfen sie dann in den verschiedenen Werkstätten der Farm mit (Tischler, Bäckerei, Imker, Fisch- und Viehzucht) und können so schon einen Einblick ins Arbeitsleben gewinnen. Dazu kriegen sie in der Gemeinschaftsküche 3 Mal täglich Essen und halten in der eigenen kleinen Kapelle Gottesdienste ab. Insgesamt eine sehr schöne Atmosphäre, an welcher auch wir die nächsten 4 Wochen teilhaben sollten.

ZAD-Famulatur-Peru-2018

Wir kamen an einem Sonntag an, wurden von der Bushaltestelle abgeholt, ein bisschen herumgeführt und am folgenden Tag sollte es schon mit der Behandlung losgehen. Die „Praxis“ befand sich ebenfalls auf dem Gelände in einem Haus mit dem Namen „taller de salud“ (dt.: Werksatt für Gesundheit). Schon in Gesprächen mit unseren Ansprechpartnern wurde uns versichert, dass der Behandlungsraum gut ausgestattet sei, weshalb wir nahezu keine Spenden mitnehmen brauchten. Vor 8 Jahren wurde dem Projekt eine voll funktionstüchtige Behandlungseinheit gespendet und auch an Verbrauchsmaterialien sowie Instrumentarium war fast alles Nötige da. Lediglich mit dem Handschuhverbrauch musste man sich gerade im Vergleich zur Uni ein wenig einschränken und das Anästhetikum, war vor einigen Monaten abgelaufen (was die Wirkung allerdings nicht minderte). Mit Blick auf andere Erfahrungsberichte aus dem afrikanischen oder asiatischen Raum wurde mir schnell klar, dass dies schon eine Art Luxus-Famulatur war, da ich meine Anforderungen weniger herunterschrauben musste als erwartet. Außerdem mussten wir uns abgesehen von der Arbeit eigentlich um nichts kümmern, da wir im Hotel der Farm unterkamen und zusammen mit den Schülern bekocht wurden; ich musste also im gesamten Verlauf abgesehen von den Vorbereitungskosten keinen Cent zahlen. Allerdings ist Peru, selbst wenn wir die Farm z.B. am Wochenende mal für einen Ausflug verlassen haben, nicht sonderlich teuer. Die zehnstündige Busfahrt in einem verglichen mit deutschen Standards sogar weitaus luxuriöseren Bus hat so z.B. 25 € gekostet (ginge auch für 15) und für einen Einkauf auf dem Wochenmarkt von 1kg exotischer Früchte (Sternfrucht, Granadilla, Avocado, Lulo,...) zahlte ich gerade einmal einen Euro.

ZAD-Famulatur-Peru-2018

ZAD-Famulatur-Peru-2018Nach Inbetriebnahme und Probe der Geräte (Kompressor, Steri, Wasser- und Luftzufuhr, Winkelstück und Turbine) und der positiven Überraschung, dass wirklich alles funktionierte, konnte es am Montagnachmittag also losgehen. Unser Behandlungskonzept sah so aus, dass wir nachmittags Zeit für die Behandlung der 31 Jungen aus dem Projekt sowie 17 Mädchen aus einem benachbarten Projekt freihielten, während morgens Patienten aus dem Dorf kommen konnten. Falls zwischendurch einmal etwas Zeit frei war, kamen außerdem die Arbeiter aus dem Projekt vorbei. Bei den Schülern fiel uns auf, dass wir uns in der Vorbereitung vielleicht doch ein schlechteres Bild von den Zuständen in Peru gemacht haben als sie eigentlich waren, denn allesamt hatten relativ gute Zähne. Neben der Extraktion einiger verlagerter Eck- oder noch bestehender Milchzähne und vielen Fissurenversiegelungen gingen wir hier also weitestgehend prophylaktisch vor. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass die Jungen im Unterschied zu wahrscheinlich den meisten Peruanern regelmäßigen Kontrollen unterliegen, da zweimal im Jahr Zahnärzte aus Deutschland kommen. So konnte also nur auffallen, was innerhalb des letzten halben Jahres passiert war und dies waren vor Allem Gingivitis und schlechte Putzgewohnheiten. So hielt ich eines Abends nach dem anwesenheitspflichtigen Gottesdienst einen kurzen Vortrag für die Schüler, wie man sich richtig die Zähne putzt. Was mich überraschte, war, dass alle wirklich Interesse zu haben schienen und mitmachten, was ich in Deutschland bei Jungen im Alter zwischen 13 und 20 nicht unbedingt als selbstverständlich erachten würde. Dies war auch gleichzeitig der erste größere Test für mein Spanisch, welches ich ja erst in diesem Jahr gelernt hatte. Grundsätzlich denke ich, es ist möglich, auch ohne Spanischkenntnisse hier zu arbeiten, wie es wohl auch unsere Vorgänger taten, da es meist auch andere Freiwillige aus Deutschland gibt, welche beim Übersetzen helfen können. Allerdings denke ich schon, dass es von großem Vorteil ist, da man in diesem Falle vollkommen unselbstständig und von den anderen Freiwilligen abhängig wäre, da niemand Englisch oder gar Deutsch spricht. So zeigte es sich auch bei meinem Vater, welcher meist nur über mich kommunizieren konnte; da wir aber eh fast den ganzen Tag miteinander verbrachten, war das auch nicht weiter schlimm.

 

Der große Vorteil in der Zusammenarbeit mit meinem Vater war, dass ich so enorm viel in kurzer Zeit lernen konnte. Aufgrund seiner Erfahrung und unserem logischerweise guten Verhältnis konnte ich einfach mehr Fragen stellen als in der Uni, da man keine Angst vor Antworten wie „Sollten Sie das nicht eigentlich aus der Vorlesung wissen?“ haben musste. Auch durch die Fülle an Patienten kann man vieles an Erfahrung sammeln, an manchen Tagen hatten wir so viele Patienten, wie ich in der Uni vielleicht in einem Semester betreuen würde. Mit den ersten Patienten, welche aus dem Dorf kamen, bestätigte sich dann auch zumindest zum Teil wieder ein bisschen unsere vorherige Vorstellung der peruanischen Zustände. Wir mussten vor Allem viele Zähne ziehen oder versuchten tief zerstörte Zähne noch mit Füllungen zu retten. Endos konnten wir leider nicht machen, da es im Projekt kein Röntgengerät gibt. Insgesamt kamen aus dem nur wenige hundert Einwohner zählenden Dorf circa 100 Patienten. Dabei muss es sich zunächst einmal herumsprechen, dass „wieder Zahnärzte im Lande sind“, wodurch wir gegen Ende wesentlich mehr zu tun hatten als am Anfang. Wir fanden auf Nachfrage bei einem Patienten sogar heraus, dass wir im lokalen Radiosender angekündigt wurden, da wir uns wunderten, warum nach dem ersten Wochenende auf einmal so viele Patienten kamen!

Ein Fall welcher mich besonders beschäftigte, war ein Mann Mitte 20, welchem aufgrund eines Tumors der halbe Unterkiefer amputiert und nicht ersetzt wurde. So hatte dieser quasi keine Möglichkeit, richtig zu kauen, da die Zähne auf der einen Seite ins Leere bissen (und dadurch unter dem dicken Zahnstein kaum noch zu erkennen waren), während sie auf der „noch guten“ Seite durch das fehlende linke Kiefergelenk überhaupt nicht richtig zueinander geführt werden konnten. Wir konnten dem jungen Mann bis auf eine PZR leider nicht helfen und ich bezweifle, dass ich so etwas nochmal in meinem Leben sehen werde.

Ein schönerer Fall war eine Querfraktur des mittleren Schneidezahns eines Arbeiters des Projekts. Diesem ist schon vor längerer Zeit ein Großteil der Zahnkrone am Zahn 21 abgebrochen und ihm wurde von unseren Vorgängern mithilfe eines Kompositaufbaus versucht, zu helfen. Nachdem dieser nun allerdings wieder abgefallen ist, mussten wir uns etwas Anderes einfallen lassen. Aufgrund der kaum vorhandenen Seitenzähne lastete viel Druck auf diesen Zähnen und es würde wohl wieder zum Abbruch kommen. Da der Zahn schon wurzelbehandelt war, bot sich eine Stiftsetzung an; allerdings hatten wir bis auf kleinere parapulpäre keine Komposit- oder Metallstifte. So setzten wir kurzerhand einen alten Bohrer in die Stiftbohrung ein und befestigten diesen mit Komposit. Der Kompositaufbau mittels Frasaco-Hülse sah im Endeffekt super aus und wird sicher auch noch einige Zeit halten. Zwar nicht ganz lege artis aber für den Arbeiter ausreichend und innerhalb seines Budgets. So konnten wir neben den meisten Schmerzbehandlungen doch auch etwas ästhetisch anspruchsvolles leisten.

ZAD-Famulatur-Peru-2018Insgesamt ging die Zeit im Projekt für mich viel schneller um als erwartet und ich hätte gut noch ein paar Wochen mehr bleiben können. Der Umgang mit den Menschen hat immer Spaß gemacht, ich konnte meine Spanischkenntnisse verbessern und generell war das Leben auf der Farm mit all der Natur einfach etwas für sich. Abgesehen davon ist die fachliche Bereicherung natürlich immens. Ich befinde mich nun auf dem Weg ins letzte Semester vor dem Staatsexamen und hatte nach dem Erasmus-Semester so meine Zweifel, ob ich mich denn schon vorbereitet fühlen würde. Nach der Famulatur sieht das ganz anders aus und ich werde bei vielen Aufgaben in der Uni wohl in Zukunft gelassener sein. Ich kann die Famulatur also jedem sehr empfehlen, ganz besonders natürlich in der Hacienda Prosoya, aber natürlich auch im Rest Perus und der ganzen Welt. Es lohnt sich!