Das Wichtigste auf einen Blick - Infos zu Bolivien

Erste Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Isla del Sol im Titicaca See
Organisation und Kontakt:
Projekt „RATON PEREZ“,
siehe www.ratonperez.de bzw. http://dentists-fuer-bolivien.de/
Dentist-and-friends helping hands e.V.
Wilhelm-Hey-Str. 14
81243 München
+49 (0) 89 8367
E-Mail: info@dentists-and-friends.de
Ansprechpartnerin in Deutschland:
Dr. Annette Schoof-Hosemann
Obere Stabstr.10
76534 Baden- Baden
Tel.: 07223 959540
Mobil: 0179 4306367

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
5 Monate vor Reisebeginn wurde die Angelegenheit bzgl. des Reisekostenzuschuss des ZAD sowie DAAD angegangen.
3 Monate vor Reisebeginn startete die Organisation wie z. B. Anschreiben versenden, Informationen über das Reiseland sammeln, Flug buchen, Impfungen koordinieren (Gelbfieberimpfung), Reisegepäck sichten sowie Sprachvorbereitungen. Unterkunft und Transfer innerhalb von Bolivien erfolgte durch HI (Hostelling International).

3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Nein. In Bolivien erhält man bei Einreise einen Stempel mit Datum in den Reisepass und einen kleinen Zettel (den man gut für die Ausreise aufbewahren muss! Bei Verlust zahlt man eine kleine Strafgebühr) der einem 30 Tage Aufenthalt gewährt. Möchte man länger bleiben muss man in LaPaz auf die Emigration („?Donde es la emigracion?“) (leicht zu finden, mitten im Stadtzentrum und man bekommt eigentlich in jedem Hostel einen Stadtplan wo sie einem die emigracion einzeichnen).
Dort erhält man kostenfrei und problemlos einen oder auch zwei weitere Stempel. Alternativ könnte man das Land nach Peru (Bus nach Puno) verlassen und wieder neu einreisen.
Manchmal möchte der Zoll, laut Botschaft, die Vorlage des Impfpasses mit einer Gelbfieberimpfung einsehen. In diesem Fall wurde es nicht verlangt.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
In diesem Fall gab es keine Probleme. Air Europa fliegt für ca. 900 €- 1000 € (Hin- und Rückflug) über Madrid nach Santa Cruz. Von dort aus geht es mit dem Flugzeug (Busverbindung ist schlecht, da gebirgsreiche Landschaft) nach Sucre. Die Flugdauer beträgt ca 1,5h für ca. 60  - 100 € bei BoA-Bolivien Airlines, die ganztägig ca alle 1 - 2 h fliegen. Die Buchung ist einfach über z. B. Skyscanner.de und mit z. B. Visa/MasterCard möglich.
Bei Einreise erhält man im Flugzeug zwei Zettel die man ausfüllen muss. Dies sind Ja/Nein Fragen. Die Flugbegleiter helfen gerne. In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.
Einige Famulaten konnten die Materialien auch vor Ort besorgen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Gutes Spanisch ist sehr von Vorteil. Die Famulantin ist ohne Spanischkenntnisse angereist und hat nur das zahnärztliche Vokabular auswendig gelernt, plus ca. sechs Sprachstunden in Sucre. Die Verständigung mit Erwachsenen war ok (manchmal mit Händen und Füßen). Bei den Kindern wären bessere Kenntnisse von Vorteil gewesen, um sie zu überzeugen sowie zu beruhigen, um dadurch Füllungen machen zu können. Zudem hätte die Technik des Zähneputzens besser erklärt werden können, aber "zeigen" geht auch.
Es gibt keinen Übersetzer vor Ort, man ist auf sich allein gestellt.
Der Besitzer des Hostels spricht Englisch. Er fungiert als Ansprechpartner für organisatorische Fragen vor Ort.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Zahnstation befindet sich im Dorf "Challa". Isla del Sol.
Die Famulantin berichtet, dass ihr Aufgabenfeld zahnärztliche Behandlungen im konservativen Bereich umfasste. 70% Erwachsene und 30% Kinder. Das heißt, hauptsächlich Füllungen und Extraktionen oder Zahnreinigungen. Keine Endos oder Prothetik. Außerdem Aufklärungsarbeit und Fluoridierung für die Kinder. Konkret: Zucker schadet den Zähnen, mind.2x am Tag putzen, wie putzt man, Zahnbürsten verschenken. 
Zur Ausstattung gehört ein relativ moderner Behandlungsstuhl. Die zahnärztliche Einheit funktioniert teilweise. Der große Sauger geht nicht und der kleine manchmal. Zu manchen Zeiten gibt es kein fliessendes Wasser auf der Insel.
Die Öffnungszeiten wurden auf 9:00 Uhr - 12:00 Uhr sowie 15:00 Uhr - 18:00 Uhr festgelegt. Bei den Patienten handelte es sich um die Dorfbewohner und die Bewohner der Nachbardörfer. Meistens kamen die Patienten bei akuten Schmerzen, aber manchmal auch, wenn ihnen z. B. im Frontzahnbereich Karies aufgefallen ist. Die Dorfbewohner zeigten sich meist sehr kooperativ und dankbar.
Station in Santa Cruz: 
Eher kleines Zimmer in einem Kinderhort, zu 70% Behandlung von Kindern, gute Ausstattung, Füllungen, Extraktionen, Fluoridierungen möglich.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Hin- und Rücklug: ca. 1.000 €
Impfungen: ca. 500 €
Unterkunft und Verpflegung: ca. 500 €
Kleines Kostenbeispiel: Zwei Liter Wasserflaschen: 9 Bolivianos, also ca 1,10 €.
Zudem eine Woche Reisen im Vorraus/Anschluss durch Bolivien mit jeglichem Transport, Hostel und Eintritt für ca. 300 €.
(Angebot von Max Steiner, Vorsitzender von Hostelling International, der mit Dr. Anette Schoof-Hosemann zusammenarbeitet und für organisatorische Dinge und Unterkunft zuständig ist. Sehr zu empfehlen!)

Preis-Beispiel (2018): 1200 Euro Unterkunft für 6 Wochen (inkl. Salz- und Silbertour, Frühstück, Inlandsflügen /Transfer, z.T. Halbpension), 500 Euro für Extratouren am Wochenende und Essen

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Impfungen können beim Tropeninstitut oder in der Missioklinik (etwas günstiger) angrefragt werden. Wenn man im zahnärztlichen Bereich tätig ist, empfehlen sich u. a. Gelbfieber, Tollwut, Typhus, Hep. A und Meningokokken (bitte vor Ort informieren lassen). Die Impfstoffe selber sind relativ teuer und müssen teilweise in wöchentlichen Abständen verabreicht werden, deshalb früh genug vor Abreise darum kümmern. Nur manche Krankenkassen erstatten die Kosten, es lohnt sich aber immer nachzufragen.
Sucre liegt auf ca. 2800m Höhe und eignet sich bzgl. der Höhenluft daher für ein paar Tage zur Akklimatisation und um evtl. einen Sprachkurs zu machen (sehr nette Sprachlehrerin dort von HI organisiert).
Isla del Sol: Das Klima auf 3800m Höhe ist etwas extremer. Tagsüber ist die Sonne sehr stark (teilweise Sonnenbrand trotz Sonnencreme 50+). Also Sonnencreme und Sonnenhut!
Nachts eher kühl und schlechte Dämmung im Hostel (+/- 10°C im Sept/Okt). Daher dicke Schlafsäcke und eine gute (Daunen)Jacke sowie Fleecepullis sehr zu empfehlen.
Anfangs oder Zwischendurch kann es durch die Höhe zur leichten Höhenkrankheit kommen. Man ist anfälliger für
Magenverstimmungen (food poisson). Der Körper braucht mind. 2-3 Tage um sich an die Höhe anzupassen (es bilden sich neue rote Blutkörperchen). Anfangs löst leichte Bewegung starke Atmung aus und evt. Kopfschmerzen. Hilfreich ist viel gekauftes Wasser und kein Leitungswasser zu trinken. Vor allem "mate de coca" - Tee aus Blättern des Cocastrauchs - sowie "sarochji pills" - Aspirin und Cocapulvermix - aus der Apotheke sind empfehlenswert.

Zum Abschluss…
"Eine Woche zusätzliche Reise in Bolivien einplanen und unbedingt die Salar der Uyuni besuchen (unglaubliche Natur!!!) und sich in Potosi die Goldminen anschauen."
"Wirklich sehr zu empfehlen! Es ist auf jeden Fall die Erfahrung wert und wir werden die Zeit in Bolivien nie wieder in unserem ganzen Leben vergessen!"

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Zweite Zusammenfassung

1. In welchem Land hast Du famuliert? Name und Kontaktdaten der Organisation?
Ort: Bolivien, Sucre (und umliegende Dörfer)
Organisation und Kontakt:
Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.)
c/o Dr. Ekkehart Schlichtenhorst, Wasserburger Str. 29,
88149 Nonnenhorn
Tel.: 08382-8486
E-Mail: info@fcsm.org

2. Wie lange haben Deine Vorbereitungen in Anspruch genommen?
Zwei bis vier Monate.
Organisation: Sehr wenig. Flüge mussten gebucht werden bis zum Zielort Sucre. Vor Ort wurden die Famulanten durch den Organisator Dr. Schlichtenhorst abgeholt. Für die Unterkünfte & Verpflegung kam die Organisation auf. Versicherungsschutz: über die Apotheker & Ärztebank und der Janitos Unfallversicherung
Flug: mit Air Europa von Frankfurt über Madrid nach Santa Cruz de la Sierra. Von dort aus weiter mit BoA nach Sucre (ca 1200 Euro). Impfung: Gelbfieberimpfung, Tollwut, Hep A&B, Meningokokken, Typhus sollte gemacht werden. Der Transfer vor Ort wird über die FCSM organisiert.



3. Wird ein Visum benötigt? Wenn ja, wie teuer?
Es wird kein Visum benötigt. Bei der Einreise erhält man für 30 Tage einen Stempel mit Datum. Dieser kann zweimal auf dann insgesamt 90 Tage verlängert werden.

4. Probleme mit Spenden und dem Zoll/der Fluggesellschaft? Tipps?
Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Vielleicht bereist ihr vorher/nacher auch noch andere Länder in Südamerika.
Eine Famulantin reiste mit AirEuropa von Frankfurt nach Santa Cruz und dann mit der Fluggesellschaft BoA (Boliviana de Aviacion) nach Sucre. Hinsichtlich des Zolls sowie Spenden, einfach den "Touristen" geben.
Spenden: Durch die Famulanten nicht so organisieren. Die Organisation schickt dem Famulanten kurz vor Abflug ein kleines Paket zu, welches im aufzugebenden Gepäck zu verstauen ist. Am Ankunftsflughafen Santa Cruz de la Sierra gab es keinerlei Probleme
In jedem Fall vorher bei der Fluggeselllschaft nachfragen.

5. Welche Sprache(n) sind ein Muss? Gab es Übersetzer vor Ort?
Spanische (Grund)-kenntnisse sind zwingend notwendig. Herr Dr. Ekkehart Schlichtenhorst ist ggf. ebenfalls vor Ort und kann z. T. mit übersetzen. Die Organisation stellt zwar online ein Mini-Wörterbuch an Zahnmedizin-Behandlungs-Spanisch zur Verfügung, aber Alltagskommunikation sollte in Grundzügen vorhanden sein. Die Organisation empfiehlt ansonsten einen 3wöchigen Vorab-Spanischkurs in Cochabamba in einer Partner-Spanischschule.
Empfehlenswert sind in jedem Fall Wörterbuch und Übersetzungsapps.

6. Was waren deine Aufgaben in dem Projekt?
Die Famulanten berichten, dass ihr Aufgabenfeld sich hauptsächlich auf okklusale Kompositfüllungen an 6ern bezog. Seltener gab es aproximale Karies an den Seitenzähnen. Auch Frontzahnfüllungen und Extraktionen von Wurzelresten oder von tief zerstörten Zähnen wurden durchgeführt. Ein gängiges Phänomen waren Wurzelreste bleibender UK 6er und viel Karies. Zahnreinigungen waren ebenfalls im Repertoire, sogar mit Schallgerät. Zudem natürlich der generell wichtigen Mission: Prophylaxe, gemeinsames Zähneputzen mit geschenkten Zahnbürsten.
Behandelt wurden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren.
Die Ausstattung, sogar in doppelter Ausführung, waren wie folgt: mobile Einheit mit Turbine, Winkelstück und Luft-Wasser-Bläser. Hinzu kommen mobile Absaugung, allerhand Instrumente, Verbrauchsmaterialien, Patientenstuhl, Behandlerstuhl und ein Autoklav. Hinzu kommt die Patientenannahme, die digitale Dokumentaion der Patienten, als auch die Reinigung & Desinfektion der Instrumente und der Behandlungseinheit.

7. Wie viel Geld hast Du für welche Dinge ausgegeben (kurze Kostenübersicht)?
Beim Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. (FCSM e.V.) behandelt man gegen Kost und Logis. In Sucre werdet ihr im Corona Real Hostal nahe am Terminal untergebracht sein. Je nachdem wie euer Einsatzplan aussieht, werdet Ihr weitere Dörfer, wie z. B. das kleine Bergdorf und Internat "Pitantorilla" besuchen sowie nächtigen.
Die Flüge kosteten ca. 1.200 - 1.400 €.
Unterkunft: Für Ausflüge am Wochenende pro Tag ca 8,00 €
Ausflüge: organisierte 2 Tages-Ausflüge ca. 50-80 € insgesamt (inkl. Verpflegung, Hostel)
Essen: ist nur am Wochenende selbst zu finanzieren (ca. 7 € pro Tag)
Busfahrt in der Stadt: 0,70 €

8. Generelle Tipps für zukünftige Bewerber?
Viel Elektrolytlösung mitnehmen und „Fernet Branca“ heilt jede Magenverstimmung.
Für eine ausreichende Kommunikation empfiehlt es sich allen Bewerbern vorab mit der spanischen Sprache vertraut zu machen, da sie als direkter Schlüssel zu den Patienten gilt. Selbst ein Volkshochschulkurs A1 kann vorab schon gut helfen, einfache Kommunikation mit der Bevölkerung zu betreiben. Zwei Handtücher sind besser als eins. Kaffee gibt es in Dörfern kaum zu kaufen, besser aus den Städten mitnehmen.

Zum Abschluss…
"Nach fünf Wochen konnten wir danach froh und stolz unsere wohl verdiente Reise durch Bolivien und Peru antreten".
"
Sechs unvergessliche Wochen lagen hinter mir: Vollgepackt mit überwältigenden Eindrücken, schönen Momenten und auch Anstrengungen. Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich mit dem FCSM machen durfte und die Freundschaften, die entstanden sind.".




Famulaturbericht vom 29.07.2020 in Bolivien

2020: Bolivien

Von: Charlotte Paulina-Marie Sonnenschein (Universität Witten)
Organisation: FCSM e.V.
Zeitraum: 03.02.20 - 06.03.20

Nach vier zähen Monaten und etlichen Prüfungen im Staatsexamen, wurde mein Fernweh und der Wunsch nach einem längeren Auslandsaufenthalt immer größer. Gleichzeitig wollte ich gerne diesen Auslandsaufenthalt mit einer Famulatur im Rahmen eines sozialen Hilfsprojekts verbinden.

Über eine befreundete Kommilitonin erfuhr ich von der Organisation FCSM – der Förderkreis der Clinica Santa Maria e.V. Sie berichtet noch heute von ihrem wunderbaren Aufenthalt in Ecuador für den FCSM und weckte in mir große Neugier für dieses Projekt. Um in Ecuador als Zahnärztin tätig sein zu dürfen, werden zwei Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt. Da ich dies als „frisch approbierte“ Zahnärztin noch nicht vorweisen kann, fiel daher die Wahl auf das zahnmedizinische Projekt in „Huancarani“ in Bolivien. Mir gefiel die Tatsache, dass man dort als frisch approbierte Zahnärztin mit einem erfahrenen Zahnarzt gemeinsam behandeln darf und erhoffte mir dadurch zusätzlich eine vielseitige Lernerfahrung. 

Ich beschloss kurzerhand eine Anfrage für Februar 2020 an den FCSM zu schicken. Bereits wenige Stunden später erhielt ich eine positive Rückmeldung von Herrn Dr. Ekkehard Schlichtenhorst, dem Organisator des FCSMs. Es stellte sich heraus, dass er selbst im Februar vor Ort tätig sein werde und noch dringend eine/n weitere/r Zahnarzt/ärztin gesucht würde.

Dank der strukturierten und organisierten Planung und stets zeitnahen Rückmeldungen von Ekkehard, spielte sich die Organisation für meinen Aufenthalt in Huancarani innerhalb weniger Tage ab – es musste schließlich schnell gehen, denn es war bereits Mitte Dezember 2019. Während ich noch einiges Organisatorisches zu erledigen hatte, (Umzug aus Studienort Witten, Impfungen, Auslandsversicherung, Kreditkarten, etc.) verging der Januar wie im Fluge und meine Reise rückte immer näher.

Am 01.02.2020 war es dann schließlich soweit und das Abenteuer begann! Nach einem Zwischenstopp in Madrid, landete ich nach einigen Stunden in Santa Cruz in Bolivien. Dort konnten Ekkehard und ich uns persönlich kennen lernen und den langen Aufenthalt vor Ort überbrücken. Nach einem weiteren Flug kam ich letztendlich in Cochabamba an, wo ich unheimlich nett von Wilfredo, dem Sohn von Dona Adela, am Flughafen empfangen wurde.

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Von dort aus ging es nach Huancarani. Das Bergdorf liegt auf ca. 2.800 m Höhe und ist etwa 35 km von Cochabamba entfernt. Glücklicherweise hatte ich während meines gesamten Aufenthalts keine größeren Probleme mit der Höhe. Durch die Höhenluft verspürt man Kurzatmigkeit und gelegentliche Kopfschmerzen, die sich bei mir aber im Rahmen hielten.
Da ich zum Ende der Regenzeit anreiste, durfte ich ein unheimlich grünes Huancarani kennen lernen. Die umliegenden Berge sowie die Natur strahlten und ermöglichten einen tollen Ausblick.

Nach einem sehr herzlichen Empfang von Dona Adela und den Volontären Patrik und Laura, wurde mir die Unterkunft gezeigt. Die beiden Volontäre hatten zuletzt das Consultorio Dental betreut und wiesen mich in die ersten Abläufe ein.
Dona Adela ist die gute Seele des Projekts in Huancarani und wohnt mit ihrer Familie ebenfalls in der Unterkunft. Sie kümmert sich liebevoll um die Volontäre und bekocht alle mit leckerem, traditionell bolivianischem Essen. Nicht nur durch ihre unglaublich herzliche, und fürsorgliche Art, sondern auch durch ihr Engagement und ihre Hilfsbereitschaft ist sie ein großer Segen für die Einrichtung und für die Volontäre. Auch ihr Sohn Wilfredo stand mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, wenn ich Fragen bezüglich Bolivien oder Ausflügen hatte.
In der Unterkunft in Huancarani gibt es neben dem Consultorio Dental, der zahnmedizinischen Praxis und dem Laboratorio, dem zahntechnischen Labor, eine gut ausgestattete Wohnung für die Volontäre mit drei Schlafzimmern, Küche, Bad und Wohnzimmer. Gleichzeitig ist im Nachbargebäude eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder, weshalb unter der Woche ab ca. 14:00 Uhr immer etwas los ist.

Am Montag, den 03.02.2012, begann mein erster Arbeitstag. Ekkehard wies mich detailliert in die verschiedenen Abläufe, Materialien, Geräte und alles, was noch anstand, ein, sodass ich perfekt vorbereitet war für den ersten Behandlungstag. Dem hinzuzufügen ist, dass in der Praxis alles bestens mit Informationszetteln ausgestattet ist und jegliche Erklärungen an den Wänden hängen, sodass jeder Neuankömmling gut vorbereitet und eingewiesen wird.

Das Consultorio Dental ist insgesamt sehr gut ausgestattet. Ich war positiv überrascht von der Ausstattung, die man vorfindet: ein gepflegter Behandlungsraum mit Behandlungseinheit, Heißluftsterilisator, Röntgenraum und allen nötigen Materialien, die größtenteils von Volontären aus Deutschland mitgebracht wurden.
Nichtsdestotrotz sind die Behandlungsbedingungen natürlich nicht mit den deutschen zu vergleichen und man muss in vieler Hinsicht bereit sein, Kompromisse einzugehen und zu improvisieren. In jedem Fall sollte man eine vernünftige Stirnlampe dabei haben, um stets mit ausreichend Licht behandeln zu können.

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Darüber hinaus gibt es keine terminlichen Vereinbarungen für Behandlungen. Die Patienten kommen während der Öffnungszeiten vorbei und warten geduldig bis sie an der Reihe sind. Der Patientenandrang variiert von Tag zu Tag, sodass immer unterschiedlich viel zu tun ist. Das zu behandelnde Patientenklientel reicht vom Kleinkindalter bis in das höhere Erwachsenenalter, wodurch jegliche Formen von Behandlungen notwendig sind. Die Hauptarbeit liegt in konservierenden und chirurgischen Therapien. Sobald ein Zahntechniker/in vor Ort ist, kann auch eine prothetische Versorgung erfolgen, in Form von sogenannten „Placas“ (Interimsprothesen).
Ein großes Augenmerk liegt vor allem in der Behandlung von Kindern und Teenagern, die häufig bereits in jungen Jahren entweder ein vollkommen kariöses Milchgebiss oder bereits ein zerstörtes permanentes Gebiss vorweisen. Wir behandelten unzählig viele Vorschulkinder, bei denen die sechs Jahr Molaren bereits ausgedehnte kariöse Läsionen aufwiesen – erschreckende und traurige Zustände. Vielen Patienten sind die Hintergründe meist nicht bekannt. Es fehlt die nötige Aufklärung sowohl für die Mundhygiene, als auch für die Mundgesundheit.
Darüber hinaus kommen die Patienten häufig oft von sehr weit her angereist und nehmen stundenlange „Truffi“ Fahrten auf sich, um eine kostengünstige, gute Behandlung in Huancarani zu erfahren. Sie leben meist in sehr einfachen Verhältnissen und noch traditionell indigen, was sich vor allem in den indigenen Trachten darstellt. Es war unglaublich aufregend, diese außergewöhnliche Kultur so hautnah miterleben zu können.

In der ersten Woche assistierte ich Ekkehard und er veranschaulichte mir seine Behandlungstechniken. Ekkehard legt Wert auf eine strukturierte, zügige Arbeitsweise, die er in seinen vielen Jahren als niedergelassener Zahnarzt perfektioniert hat. Ihm war viel daran gelegen, mir diese näher zu bringen, sodass ich von seinem Erfahrungsschatz vielseitig profitieren konnte.
Nach und nach durfte ich vereinzelnd Behandlungen selber durchführen und die zuvor gezeigten Techniken durchführen. Dadurch konnte ich stetig neue Behandlungsformen ausüben und gleichzeitig meine Arbeitsweise funktionell verbessern. Die Behandlungsabläufe wurden ebenfalls immer fließender und wir arbeiteten immer besser als Team.
Besonders viel Spaß bereiteten mir die kleinen chirurgischen Eingriffe in Form von Extraktionen. Während der universitären Ausbildung hatte ich nur wenig Möglichkeit, selbst Extraktionen durchzuführen. Daher war es umso spannender für mich, nun auch chirurgisch tätig sein zu dürfen. Auch in diesem Fachgebiet veranschaulichte Ekkehard mir seine Arbeitsweisen und bereitete mich sehr gut auf die anstehenden Behandlungen vor. Bereits in der zweiten Woche extrahierte ich täglich Zähne und Wurzelreste und musste gelegentlich auch Nähte legen.
Ich hätte vorher nicht gedacht, dass mir dieses Fachgebiet so viel Spaß bereitet und nehme besonders in dieser Hinsicht sehr viel mit aus meiner Tätigkeit in Huancarani.

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Schnell merkte ich, dass es von enormer Wichtigkeit ist, Spanisch sprechen zu können. Die Patienten sprechen nur Spanisch oder Quechua – mit Englisch kommt man leider überhaupt nicht weit. Ich hatte zwar Spanisch Unterricht bis zum Abitur, musste aber eingestehen, dass mein Wissen doch ziemlich eingerostet war. So lernte ich jeden Abend spanische Vokabeln und versuchte mein Wissen aufzubessern. Hinzukommend hatte ich Spanisch Unterricht bei Tikka, die ebenfalls für die Organisation tätig ist und eine fabelhafte Lehrerin war. Es war unheimlich wertvoll, mich stetig besser verständigen zu können.

Es gibt die Möglichkeit, eine Woche vor Antritt des Projekts eine gute Sprachschule in Cochabamba zu besuchen, die von Tikkas Familie geführt wird. Dies würde ich denjenigen empfehlen, die kein Spanisch sprechen.
Die ersten Wochen vergingen wie im Fluge. An den Wochenenden machten wir verschiedene Ausflüge nach Cochabamba, Sucre und Sipe Sipe; so lernte ich Bolivien immer näher kennen.
Das Land besticht vor allem mit atemberaubender und unglaublich vielseitiger Natur. Ich entdeckte das Wandern für mich und machte verschiedene Trekking Ausflüge. Vor allem die Besichtigung des Salar de Uyuni war ein unvergessliches Erlebnis. Ich bin nach wie vor beeindruckt von der Schönheit der Natur Boliviens!

In der dritten Woche reiste Werner, ein Zahntechniker aus Garmisch, an. Nun konnte ich auch die prothetischen Tätigkeiten veranschaulicht bekommen. Seit einigen Monaten war kein Zahntechniker mehr vor Ort gewesen, weshalb die Nachfrage nach „Placas“ dementsprechend groß war. Denn viele Patienten verlieren bereits in jungen Jahren einige Zähne und weisen daher beim Besuch des Conultorios meist nur noch wenige auf. Die Freude und Dankbarkeit der Patienten nach etlichen Jahren wieder annähernd normal kauen zu können wird mir für immer in Erinnerung bleiben.

Zu Beginn meiner letzten Arbeitswoche reisten Alexandra und Herbert an. Die vier Wochen Behandlungszeit mit Ekkehard waren vorüber, weshalb Herbert anreiste und ihn ablöste.
Alex ist Dentalhygienikerin und arbeitete separat im „Sala de Limpieza“. Sie übernahm den wichtigen Aufgabenbereich der Prophylaxe und betrieb viel Aufklärung bezüglich der Mundgesundheit. Eine unglaublich wichtige Aufgabe in der Kariesprävention, die dort viel mehr Anklang finden müsste.
Gleichzeitig durfte ich weitere Behandlungspraktika durch Herbert erfahren und konnte dadurch noch einmal eine andere Arbeitsweise eines ebenfalls sehr erfahrenen Zahnarztes kennen lernen.
Die letzte Arbeitswoche wurde gekrönt durch ein gemeinsames Wochenende in Sucre mit allen Volontären und Dona Adela. Denn neben den Volontären in Huancarani, fand gleichzeitig ein weiteres Projekt des FCSMs in Sucre statt: Bolivia movil. Das Team um Bolivia movil, bestehend aus einer Zahnärztin und zwei Studierenden, war in verschiedenen Schulen um Sucre mit einer mobilen Behandlungseinheit im Einsatz. So verbrachten alle gemeinsam ein wunderbares Wochenende in Sucre, konnten sich näher kennen lernen und gleichzeitig konnte ich meine Zeit in Huancarani mit einem tollen Abschluss beenden.

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Abschließend möchte ich mich beim FCSM und allen Beteiligten vor Ort für eine wunderbare Zeit in Huancarani bedanken! Mein fünfwöchiger Aufenthalt in Bolivien war eine unglaublich bereichernde und lehrreiche Zeit! Ich nehme sowohl fachlich, als auch in persönlicher Hinsicht viele Erfahrungen und Erlebnisse mit und werde hoffentlich noch lange davon zehren können. Es war für mich persönlich eine große Bereicherung, als frisch approbierte Zahnärztin erstmals allein praktisch tätig sein zu dürfen und im Rahmen des sozialen Projektes vielen Menschen wirklich helfen zu können. Die entgegengebrachte Dankbarkeit der Patienten wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Daher empfehle ich jedem die freie Zeit nach dem Staatsexamen zu nutzen, um selbst aktiv zu werden!

Für mich steht auf jeden Fall fest, dass dies nicht mein letzter Einsatz als Volontärin war.